Evakuiert seit Felssturz in Raron VS - «Nach zwei Monaten dürfen wir heimkehren – doch die Angst bleibt»
Publiziert

Evakuiert seit Felssturz in Raron VS«Nach zwei Monaten dürfen wir heimkehren – doch die Angst bleibt»

Anwohnende Personen mussten umgehend evakuiert werden, als sich Ende Januar in Raron VS ein Felssturz ereignete. Erst jetzt dürfen die Evakuierten nachhause kehren – was nicht nur für Freude, sondern auch für Angst sorgt.

von
Lara Hofer

Hier wird der brüchige Fels in Raron VS gesprengt.

News-Scout/André Zenhäusern

Darum gehts

  • Nach zwei Monaten ist das Gebiet rund um den brüchigen Felsen in Raron nun wieder sicher.

  • Die evakuierten Personen dürfen an Ostern in ihre Häuser zurückkehren.

  • So auch Christine Bregy. Sie und ihr Ehemann lebten die letzten zwei Monate bei ihrer Tochter.

  • Nun, kurz vor der langersehnten Rückkehr, mache sich nebst der Freude auch ein mulmiges Gefühl breit.

Pünktlich zu Ostern dürfen die letzten Evakuierten von Raron VS nachhause kehren. Zwei Monate mussten die Betroffenen auf ihre Rückkehr warten. Grund für die Evakuierung war ein heftiger Felssturz Ende Januar, welcher das ganze Dorf aufschreckte. Mitte März konnte der brüchige Fels schliesslich gesprengt werden, damit die evakuierten Personen mit einem guten Gefühl heimkehren können. Doch ist das so?

Christine Bregy erlebte den Felssturz selbst mit. Schon seit 25 Jahren wohnt sie mit ihrem Mann in jenem Dorfteil von Raron, der direkt beim Felssturzgebiet liegt. So nahe, dass sie seit dem Felssturz Ende Januar nicht mehr nachhause zurückkehren durfte. «Als ich an diesem Tag von der Arbeit heimkehrte, war bereits die Polizei vor Ort. Sie teilten mir mit, dass ich ab sofort evakuiert bin und unser Haus nicht mehr betreten darf.»

«Wussten nicht, ob wir je wieder heimkehren können»

Mit bloss ihrer Handtasche und einer Portion Angst im Gepäck, fuhr Christine Bregy mit ihrem Ehemann zur Schwiegermutter. «Dort verbrachten wir die ersten drei Tage. Danach durften wir bei unserer Tochter einziehen.» Niemand sei auf eine solche Situation vorbereitet gewesen: «Wir standen total unter Schock und wussten nicht einmal, ob wir je zurückkehren können.»

Zwei Monate bei der Tochter gelebt

Es musste also improvisiert werden. Die Tochter, die ebenfalls im Kanton Wallis wohnt, habe ihren Eltern ihr Schlafzimmer überlassen und etwas Platz im Schrank und Badezimmer freigeräumt . «Wir sind ihr sehr dankbar. Sie können sich ja vorstellen, wie das für eine junge Erwachsene ist, wenn plötzlich die Eltern vor der Türe stehen. Sie hat uns aber herzlich aufgenommen und im Verlauf der letzten Wochen ist für uns alle wieder ein neuer Alltag entstanden.»

Die Angst bleibt

Nach zwei langen Monaten, ist es nun über die Ostertage soweit: Das gesperrte Gebiet wird als sicher erachtet und die letzten Evakuierten dürfen heimkehren. «Diese Neuigkeit feiern wir mit einem kleinen Apéro», sagt Bregy. Doch die bevorstehende Rückkehr löse nicht nur Freude aus: «Wieder am Fels zu wohnen, löst auch ein mulmiges Gefühl in mir aus.»

Man vertraue den Experten und sei froh darüber, dass der Berg gesprengt werden konnte: «Wir sind unglaublich dankbar für die tolle Arbeit, die da geleistet wurde.» Ein gleiches Ereignis werde sicher nicht mehr eintreten. Aber sie hoffe natürlich, dass man in den eigenen vier Wänden wieder ruhig schlafen könne. Doch: «Nach diesen turbulenten zwei Monaten freue mich trotzdem unglaublich auf mein eigenes Bett.»

So erlebten Dorfbewohner den Bergsturz bei Raron VS.

Deine Meinung