14 Jahre im Hungerstreik: Nach zwei Tagen Freiheit wieder in Haft
Aktualisiert

14 Jahre im HungerstreikNach zwei Tagen Freiheit wieder in Haft

Sie protestiert gegen das brutale Vorgehen der Armee im Kaschmirgebiet mit Hungerstreik - seit 14 Jahren. Vor zwei Tagen wurde sie freigelassen, aber nicht für lange.

von
pwe
Irom Chanu Sharmila ist seit 14 Jahren im Hungerstreik. Vor zwei Tagen wurde sie aus der Haft entlassen, in der sie auch zwangsernährt wurde. Nun wurde sie wieder verhaftet.

Irom Chanu Sharmila ist seit 14 Jahren im Hungerstreik. Vor zwei Tagen wurde sie aus der Haft entlassen, in der sie auch zwangsernährt wurde. Nun wurde sie wieder verhaftet.

Die als «Eiserne Dame von Manipur» bekannte indische Menschenrechtsaktivistin Irom Chanu Sharmila ist nur zwei Tage nach ihrer Freilassung wieder festgenommen worden. Die indische Polizei habe die abermalige Festnahme mit Sharmilas fortgesetztem Hungerstreik begründet, sagte der Aktivist Janaki Devi am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Die 42-Jährige hatte erst am Mittwoch ein Gefängnisspital verlassen dürfen, wo sie wegen ihres seit 14 Jahren andauernden Hungerstreiks zwangsernährt worden war. Wie Devi sagte, werteten die Behörden Sharmilas Hungerstreik als Selbstmordversuch. Ein ranghoher Polizeivertreter, der anonym bleiben wollte, sagte gegenüber AFP: «Wir können sie nicht sterben lassen.»

Erst am Dienstag hatte ein Gericht entschieden, dass Sharmilas Inhaftierung und Zwangsernährung wegen des Vorwurfs des Selbstmordversuchs nicht länger aufrechtzuerhalten sei. Der Hungerstreik sei ein «politischer Protest mit legalen Mitteln».

Allerdings gestand das Urteil der Regierung zu, «angemessene Massnahmen» zum Schutz von Sharmilas Sicherheit und Gesundheit zu ergreifen. Mit ihrem Hungerstreik protestiert Sharmila gegen ein Gesetz, dass der Armee in dem ärmlichen Bundesstaat Manipur an der Grenze zu Myanmar weitreichende Befugnisse gibt.

Protest gegen die Armee in Kaschmir

Das Gesetz, das im Jahr 1990 zur Bekämpfung separatistischer Gruppen im unruhigen Nordosten sowie im Bundesstaat Jammu und Kaschmir erlassen worden war, gibt dem Militär das Recht, auf Sicht zu schiessen und Verdächtige ohne Haftbefehl festzunehmen. Menschenrechtsgruppen kritisieren seit langem, dass das Gesetz als Vorwand für aussergerichtliche Hinrichtungen diene.

Sharmila hatte ihren Hungerstreik im November 2000 begonnen, nachdem sie nahe ihrem Haus in dem entlegenen bergigen Bundesstaat Manipur Zeugin geworden war, wie die Armee an einer Bushaltestelle zehn Menschen tötete.

Nach dem Beginn ihrer Protestaktion wurde sie in ein Gefängnisspital eingewiesen und drei Mal am Tag über einen Tropf zwangsernährt. Wiederholt auf Anweisung örtlicher Gerichte freigelassen, nahm sie jedes Mal sogleich ihren Hungerstreik wieder auf, woraufhin sie jeweils erneut festgenommen wurde. (pwe/sda)

Deine Meinung