17.09.2020 04:50

Hinwil ZHNachbar geht auf neunjährigen Jungen los

Zuerst ermutigt er seinen Sohn zum Kampf gegen einen Nachbarsbuben (9). Dann geht er selbst dazwischen, wie ein Video zeigt. Nun hat er eine Anzeige am Hals.

von
Qendresa Llugiqi

Ein Video zeigt, wie der Nachbar auf den neunjährigen Gegner seines Sohnes losgeht.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Zwischen zwei Jungs aus Hinwil ZH kam es zu einer Auseinandersetzung.
  • Statt die beiden zu trennen, soll der Vater eines Beteiligten den neunjährigen Gegner seines Sohnes geschlagen haben.
  • Der Vater des Neunjährigen hat Anzeige erstattet.

Statt seinen Sohn und einen Jungen (9) aus der Nachbarschaft während eines Streits zu trennen, hat ein Vater aus Hinwil ZH gleich selbst eingegriffen und ist auf den Gegner seines Sohnes losgegangen. Die Auseinandersetzung wurde auf Video festgehalten und verbreitete sich rasch, bis die Aufnahme schliesslich auch den Vater des Geschlagenen erreichte: «Es hat mir das Herz gebrochen, meinen Sohn B.* so zu sehen, wie er dann daliegt und weint», sagt der Hinwiler B. S.* (38). «Wie kann ein Erwachsener nur so etwas tun? Man schlägt doch niemanden, vor allem keine Kinder.»

Der Vorfall liegt rund zwei Wochen zurück. «Mein Sohn besuchte an diesem Freitag meine Mutter, und als er am späteren Nachmittag draussen beim Spielen war, sprach ihn der Vater des anderen Jungen durchs Fenster heraus an», erklärt S. Der Mann habe B. gefragt, warum er und sein Sohn A.* immer wieder aneinandergeraten würden. «B. und auch andere Kinder, die mit dem Jungen zur Schule gehen, erklärten dem Mann, dass sein Sohn A. immer wieder frech zu ihnen sei und ihnen auch den Mittelfinger zeige. Dabei sind alle eigentlich untereinander befreundet, laufen sogar zusammen zur Schule.» Die Jungs seien etwa im gleichen Alter.

«Er erlaubte seinem Sohn, auf B. loszugehen»

Kurz darauf sei der Nachbar rausgekommen, sein Sohn A. sei ihm gefolgt. «Man sieht dann auf dem Video, dass der Vater seinem Sohn erlaubt, auf B. loszugehen. Bis er dann selbst einschreitet. Zwar ist es auf dem Video nicht erkennbar, aber er hat meinen Sohn einmal ins Gesicht – an Wange und Auge – geschlagen und holt dann ein zweites Mal aus, verfehlt ihn aber.» Sein Sohn sei zu Boden gegangen, wo er auch weinend liegen geblieben sei. «Mein Sohn sagt, es habe sich so angefühlt, als hätte er einen Tätsch wie bei einem Autounfall erlebt.»

Auf dem Video ist erkennbar, wie der Mann den Anwesenden seine Tat zu erklären versucht. «Für mich gibt es für so ein Benehmen keine Erklärung», sagt B. S., der als Kinderfussballtrainer aktiv ist. Weil sein Sohn am Folgetag über starke Kopfschmerzen klagte, sei er mit ihm ins Spital gefahren. «Dort bestätigte man, dass die Schmerzen wohl vom Schlag kommen. Zum Glück erlitt B. keine Gehirnerschütterung.» Wegen der tagelang andauernden Schmerzen habe B. die Schule nicht besuchen dürfen.

B. S. (9) soll nach dem Schlag an starken Kopfschmerzen gelitten haben. Sein Vater fuhr ihn ins Spital. 

B. S. (9) soll nach dem Schlag an starken Kopfschmerzen gelitten haben. Sein Vater fuhr ihn ins Spital.

Leser-Reporter

Anzeige erstattet

S. hat inzwischen Anzeige gegen den Nachbarn erstattet, ein Gesprächsversuch mit dem Nachbarn sei gescheitert. «Er soll merken, dass er etwas Falsches getan hat. Auch wenn er es bis heute nicht zugibt. Er hätte doch versuchen können, die beiden zu trennen und wieder Frieden zu stiften. Stattdessen hat er seinen Sohn vorher sogar ermutigt, auf meinen loszugehen.»

Die Kantonspolizei Zürich bestätigt den Eingang einer Anzeige. Sprecherin Carmen Surber sagt: «Es wird nun an die zuständigen Untersuchungsbehörden rapportiert.»

Der beschuldigte Vater war für eine Stellungnahme für 20 Minuten nicht zu erreichen.

Update 18. September: Zu Beginn des Videos ist zu hören, wie der Bub, der später geschlagen wird, von einem der Anwesenden zum Kampf ermutigt wird. Gemäss dem Vater des Neunjährigen handelt es sich dabei um ein weiteres Nachbarskind. Vor der Auseinandersetzung sagt es auf Albanisch: «Schlag zu, schlag zu. Hab keine Angst. Ich schlage (sonst) zu, hab keine Angst.» In der Zwischenzeit ist aber schon der Beschuldigte dazugestossen und das Nachbarskind warnt den Jungen vor dem Mann.

* Name der Redaktion bekannt

Christine Meier ist Geschäftsführerin a.i. bei der Stiftung gegen Gewalt an Frauen und Kindern Bern.

Christine Meier ist Geschäftsführerin a.i. bei der Stiftung gegen Gewalt an Frauen und Kindern Bern.

Stiftung gegen Gewalt an Frauen und Kindern Bern

«Dieses Verhalten ist kein Weg für einen Vater»

Frau Meier, was hält die Stiftung gegen Gewalt an Frauen und Kindern Bern vom Verhalten des Mannes?

Die Stiftung gegen Gewalt an Frauen und Kindern toleriert in keinem Fall Gewalt. Egal, wie die Situation war. Dieses Verhalten ist kein Weg für einen Vater. Auch dass er vorher seinen Sohn ermutigt haben soll, selbst Gewalt anzuwenden, spricht nicht gerade für seinen Erziehungsstil.

Wie sollte ein Erwachsener mit einer solchen Situation richtigerweise umgehen?

In einem ersten Schritt könnte man die Kinder trennen. Danach könnte man sie dabei unterstützen, andere Lösungswege für die aktuellen Probleme zu finden. Kinder vertragen sich sowieso meist rasch wieder.

Was macht so ein Vorfall mit einem Kind?

Es kommt auf das Kind, das Umfeld und die Aufarbeitung an. So kann das Kind beispielsweise eine schlimme Erinnerung an den Vorfall haben, dies aber rasch wieder verarbeiten. So ein Vorfall kann aber auch tiefe Spuren hinterlassen, wo es dann professionelle Unterstützung braucht.

Der Mann wurde angezeigt. Er solle begreifen, dass er etwas Falsches gemacht habe, so der Vater des Jungen. Können Anzeigen einen Lerneffekt haben?

Mehr als eine Anzeige könnte sich das direkte Gespräch mit dem Mann positiv auswirken. Man müsste ihn dazu bringen, Einsicht zu zeigen, die Verantwortung für sein Tun zu übernehmen und sich in einem nächsten Schritt zu entschuldigen. Auch für die beiden Jungs wäre dies ein gutes Beispiel, wie man mit einer solchen Grenzüberschreitung umgehen sollte.

Falls der Mann nicht zur Einsicht kommen sollte, kann man sich durchaus Gedanken über eine Anzeige machen. Dies muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Eine Anzeige kann einen Lerneffekt haben, es gibt aber keine Garantie dafür.

* Christine Meier ist Geschäftsführerin a.i. bei der Stiftung gegen Gewalt an Frauen und Kindern Bern.

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225 Kommentare
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tonitoo

18.09.2020, 20:08

Hört zu wie der junge der aufnimmt sagt . Schlag zu ich helfe dir... Also da sind ein paar sachen unklar..

Marie

18.09.2020, 12:16

glaube gar nichts

Jack the Checker

18.09.2020, 09:00

Beide Seiten wurden angehört und auf Deutsch übersetzt.