Aktualisiert 30.11.2011 17:51

Bezirksgericht Zürich

«Nachbarin wie Weihnachtsgans gerupft»

Ein Vermögensverwalter aus Küsnacht hat eine Nachbarin um rund 3,4 Millionen Franken geprellt. Nun wurde der geständige Täter zu einer teilbedingten Freiheitstrafe von drei Jahren verurteilt.

von
Attila Szenogrady

«Der Angeklagte hat die Geschädigte aus reiner Geldgier wie eine Weihnachtsgans gerupft», erklärte Gerichtspräsident Sebastian Aeppli während der Urteilseröffnung. Der heute 38-jährige Schweizer war im Frühling 2003 in ein Zweifamilienhaus in Küsnacht eingezogen und lernte bald seine Nachbarin kennen. Der damalige Geschäftsführer einer Zürcher Finanzfirma gewann schnell das Vertrauen der vermögenden Anwohnerin.

Schon bald erklärte sich die heute über 60-jährige Dame bereit, ihre Geldsummen von mehreren Millionen Franken ihrem neuen Freund anzuvertrauen. Dieser stellte ihr eine professionelle Vermögensverwaltung in Aussicht. Doch es kam anders. «Ich war wie vom Teufel geritten», erinnerte sich der Beschuldigte vor Gericht zurück. Obwohl er über einen Monatslohn von bis zu 13 000 Franken verfügte, schlug er ab Herbst 2005 kriminelle Wege ein. Der Verteidiger ortete das Tatmotiv in den exorbitanten Boni-Exzessen der Spitzenbanker. Sein Mandant habe einfach auch dazu gehören wollen. Fest steht, dass der Beschuldigte seine Nachbarin über vier Jahre lang regelmässig betrog und heimlich um grosse Geldsummen brachte.

Raffinierte Schattenbuchhaltung

Der Angeklagte ging raffiniert und dreist zugleich vor. Raffiniert, da er eine Schattenbuchhaltung mittels gefälschten Bankauszügen, Urkunden, Steuerausweisen aufbaute. Dreist, da er von der Geschädigten zwei Darlehen für 110 000 Euro sowie 300 000 Franken aufnahm und diese mit neu ertrogenen Geldern des Opfers wieder zurückzahlte.

Der Angeklagte genoss mit der fetten Beute einen aufwendigen Lebensstil. Er leistete sich teure Ferien, italienische Massanzüge und die Besuche von besten Restaurants. Zudem kaufte er sich ein Luxusauto und richtete sich in Erlenbach eine Zweitwohnung mit einer Monatsmiete von über 13 000 Franken ein. Nicht zuletzt gründete er eine eigene Firma.

3,4 Millionen Franken ertrogen

Ende 2009 wurde es für den Betrüger eng. So erfuhr er, dass seine Nachbarin ihre Vermögenswerte neu auf die Zürcher Kantonalbank verschieben wollte. Er ergriff deshalb die Flucht nach vorne und beichtete ihr alles. Bei der eingeleiteten Strafuntersuchung kam heraus, dass er insgesamt bereits 3,4 Millionen Franken ertrogen hatte.

Vor dem Bezirksgericht Zürich legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. Was die zuständige Staatsanwältin wenig beeindruckte. Sie verlangte eine hohe Freiheitsstrafe von fünf Jahren sowie ein fünfjähriges Berufsverbot als Vermögensverwalter. Die Verteidigung setzte sich für eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren ein. Der Rechtsanwalt verwies darauf, dass sein heute mittelloser und hochverschuldete Mandant vor einem Scherbenhaufen stehe. Nur dank seiner Kooperation hätten die Behörden den Fall klären können. Er habe wegen seines schlechten Gewissens alles zugegeben.

Drei Jahre teilbedingt

Das Gericht setzte wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung sowie Unterdrückung von Urkunden eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren fest. 15 Monate davon soll der Ersttäter absitzen. Zudem verhängte das Gericht ein dreijähriges Berufsverbot. Präsident Aeppli sprach zwar von einer grossen kriminellen Energie des Angeklagten und kaufte ihm eine aufrichtige Reue nicht ab. Andererseits warf das Gericht das Geständnis zu seinen Gunsten in die Waagschale. Der Beschuldigte sei mit einem blauen Auge davon gekommen, sagte Aeppli zum Schluss. Allerdings nicht in finanzieller Hinsicht. So wurde er verpflichtet, für den angerichteten Schaden aufzukommen.

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