Horror-Wohnen: «Nachbarn sagten mir, ich solle die Fresse halten»
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Horror-Wohnen«Nachbarn sagten mir, ich solle die Fresse halten»

Partys, Verleumdung, Drogendeals: Eine Übersicht der schlimmsten Lesergeschichten rund ums Wohnen.

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K. Karadzic/R. Knecht
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Cooperative apartments, Zurich, Switzerland, pictured on June 28, 2013. Agglomerations shape the Swiss landscape. It is a conglomerate coexistence of big and small, old and new, esthetic and functional. In Switzerland, the opinion on agglomerations is divided. Some speak of "urbanization" and "architectural sins", some of "their diversity being a reflection of the federalist and liberal principles of the Swiss state". 45 percent of the Swiss population live in agglomerations, which is more than in the core cities or in the countryside. The pictures by Christian Beutler are from the book "Daheim - Eine Reise durch die Agglomeration" by Matthias Daum and Paul Schneeberger, published by NZZ Verlag. (KEYSTONE/Christian Beutler)Genossenschaftswohnungen, Zuerich, aufgenommen am 28. Juni 2013. Die Agglomerationen praegen die Schweizer Landschaft. Sie ist ein zusammengewuerfeltes Nebeneinander von Gross und Klein, von Alt und Neu, von aesthetisch und nuetzlich. Die Nation ist in der Meinung ueber Agglomerationen gespalten. Die Einen sprechen von "Verbauungen" und "Bausuenden", die Anderen von "Ihrer Vielfalt, die ein Abbild der foederalistischen und liberalen Prinzipien des Staates wiederspiegeln". 45 Prozent der Schweizer wohnen in Agglomerationen. Das sind mehr als in den Kernstaedten oder auf dem Land. Die Bilder von Christian Beutler stammen aus dem Buch "Daheim - Eine Reise durch die Agglomeration" von Matthias Daum und Paul Schneeberger, erschienen im NZZ Verlag. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Cooperative apartments, Zurich, Switzerland, pictured on June 28, 2013. Agglomerations shape the Swiss landscape. It is a conglomerate coexistence of big and small, old and new, esthetic and functional. In Switzerland, the opinion on agglomerations is divided. Some speak of "urbanization" and "architectural sins", some of "their diversity being a reflection of the federalist and liberal principles of the Swiss state". 45 percent of the Swiss population live in agglomerations, which is more than in the core cities or in the countryside. The pictures by Christian Beutler are from the book "Daheim - Eine Reise durch die Agglomeration" by Matthias Daum and Paul Schneeberger, published by NZZ Verlag. (KEYSTONE/Christian Beutler)Genossenschaftswohnungen, Zuerich, aufgenommen am 28. Juni 2013. Die Agglomerationen praegen die Schweizer Landschaft. Sie ist ein zusammengewuerfeltes Nebeneinander von Gross und Klein, von Alt und Neu, von aesthetisch und nuetzlich. Die Nation ist in der Meinung ueber Agglomerationen gespalten. Die Einen sprechen von "Verbauungen" und "Bausuenden", die Anderen von "Ihrer Vielfalt, die ein Abbild der foederalistischen und liberalen Prinzipien des Staates wiederspiegeln". 45 Prozent der Schweizer wohnen in Agglomerationen. Das sind mehr als in den Kernstaedten oder auf dem Land. Die Bilder von Christian Beutler stammen aus dem Buch "Daheim - Eine Reise durch die Agglomeration" von Matthias Daum und Paul Schneeberger, erschienen im NZZ Verlag. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Keystone/Christian Beutler
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In einem Wohnkomplex muss man sich mit Streit, Gestank und Lärm herumschlagen. 20 Minuten fasst die Horrorstorys aus einer Leserumfrage zusammen.

Den meisten blieb nur der Umzug. Doch was hätten sie sonst tun können?

«Nachbarn aus der Hölle»

Franziska (34): «Ich hatte mit drei Nachbarn zu kämpfen. Und mit dem Vermieter. Oberhalb von mir war eine Party-WG mit zwei Mädels. Wenn ich den Lärm und andere Probleme zur Sprache brachte, kam «Halt die Fresse!» zurück. Unter mir wohnte eine alte, verwahrloste Dame, die zum Himmel stank und inkontinent war. Auch ein 80-jähriger Anwohner machte mir zu schaffen. Sein Hobby war es, vor meinem Stubenfenster zu stehen und reinzustarren. Wenn ich ihn darauf ansprach, ging er wortlos weg. Mein Vermieter zeigte sich unbeeindruckt. Ihm war alles egal. Er gab mir sogar eine schlechte Referenz, als ich das erste Mal ausziehen wollte.»

Massnahme: Umzug

Jetzt: eine tolle Neubauwohnung mit netten Nachbarn

Tipp: Wenn man vom Vorvermieter unrechtmässig schlechte Referenzen erhält, empfiehlt Mietrechtsexperte Tobias Bonnevie-Svendsen, diesen zu kontaktieren und eine positive schriftliche Referenz zu verlangen, worin beispielsweise die pünktliche Zahlung der Miete bestätigt wird. Wenn das nicht funktioniert, kann man sich an die Schlichtungsbehörde wenden.

«Ich hielt es acht Jahre lang aus»

Marianne (32): «Ich habe bereits eine ganze Reihe nerviger Nachbarn gehabt. Die Situation artete aus, als im Block neben uns ziemlich viele junge Leute einzogen. Da gab es dann regelmässige Gartenpartys auf dem Sitzplatz, wo sie sogar ein Holzfeuer anzündeten. Im Wohnquartier mit Holz anzuheizen zeigt schon mal, wie rücksichtslos sie sind. Auf Reklamationen hin lächelte man nur herablässig. Acht Jahre habe ich es ausgehalten, jetzt habe ich genug.»

Massnahme: geplanter Umzug

Jetzt: gute Aussichten

Tipp: Laut Urs Eberle von Schutz & Rettung Zürich kann man nicht pauschal sagen, ob ein Feuer im Freien erlaubt ist. Ein kleines Feuer zum Grillieren sei meist kein Problem. Dafür kann es sein, dass man für ein grösseres Feuer gerade bei Anlässen mit sehr vielen Gästen und vor allem auf öffentlichem Grund eine Bewilligung braucht. Falls diese fehlt, könnte man die Polizei zur Überprüfung der Situation involvieren.

«Er ist wohl ein Drogendealer»

Ueli (54): «Ich habe unter meinen Nachbarn eine Familie, die ständig von Verwandten besucht wird. Doch nicht nur das. Der arbeitslose Familienvater, ein Sozialfall, kriegt regelmässig auch Besuch von Gläubigern oder Komplizen seiner krummen Geschäften mit Drogen oder Gestohlenem. Um 22 Uhr geht es jeweils los. Die Besucher bleiben nur ganz kurz, dann kommen schon die nächsten.»

Massnahme: keine

Jetzt: Problem ungelöst

Tipp: Wenn jemand den Verdacht hegt, dass ein Nachbar ein Drogendealer ist, sollte er die Polizei informieren, sagt Stefan Oberlin von der Kantonspolizei Zürich zu 20 Minuten. Diese wird dann die entsprechenden Ermittlungen in die Wege leiten.

«Hindernislauf zum Briefkasten»

Tanya (26): «Meine Nachbarn beanspruchen alle Gemeinschaftsräume für sich. Seit einem Jahr deponieren sie Abfall, Möbel, Spielzeuge und Pflanzen im Keller, Treppenhaus und Eingangsbereich. Ihre Kinder stellen alles mit Velos und Scooter zu. Der Weg zum Briefkasten ist ein Hindernislauf.»

Massnahme: keine

Jetzt: Problem ungelöst

Tipp: Bewohner eines Wohnblocks dürfen den Eingang und das Treppenhaus aus feuerpolizeilichen Gründen nicht mit ihrer Ware zustellen, erklärt Roger Bucher, Leiter Bewirtschaftung bei Verit Immobilien. Eingang und Treppenhaus müssen jederzeit frei und sicher benutzbar sein, denn sie sind Fluchtwege für die Bewohner und Zugangswege für Rettungsdienste und Feuerwehr.

«Sie meldete mich bei der Polizei»

Marco (33): «Zwei Wochen nachdem ich in eine WG gezogen war, klingelte die Polizei an der Tür. Es hiess, ich hätte die Mittagsruhe gestört. Davon wusste ich nichts. Es stellte sich heraus, dass eine Nachbarin jeweils frei erfundene Beschwerden über Partys und laute Fernseher bei der Polizei einreichte. Zudem schwärzte sie mich und meine Mitbewohner auch bei den anderen Mietern an. Angeblich hatte die Beschwerdeführerin psychische Probleme.»

Massnahme: Umzug

Jetzt: keine Angabe

Tipp: Wenn Nachbar A eine Meldung gegen Nachbarn B macht, weil dieser die Mittagsruhe gestört hat, ist es Aufgabe der Polizei, zu prüfen, ob das stimmt, so Stefan Oberlin, vom Mediendienst der Kantonspolizei Zürich. Ist das der Fall, wird B entweder ermahnt oder mit 50 Franken gebüsst.

«Fischgestank soll kulturelle Bereicherung sein»

Norman (30): «Meine Nachbarn verärgerten sämtliche Anwohner durch Fischgestank, doch konnte die Familie aus Somalia kein Deutsch. Die Beschwerden und Kommunikationsversuche scheiterten darum. Die Verwaltung konnte ebenfalls nichts unternehmen, weil die Familie von der Asylbehörde einquartiert worden war. Das Amt empfahl mir, die kulturelle Bereicherung zu geniessen.»

Massnahme: Umzug

Jetzt: keine Angabe

Tipp: Die Asylbehörde teilte 20 Minuten mit, dass in solchen Fällen das Mietrecht gilt, unabhängig von der Herkunft. Experte Tobias Bonnevie-Svendsen sieht das gleich. Die Verwaltung müsse hier etwas unternehmen. Betroffene sollten also darauf bestehen, dass der Mangel beseitigt wird. Gegebenenfalls könnten sie mit einer Mietzinshinterlegung reagieren.

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