Wandel in Kantinen: Nachfrage nach Vegi-Menüs explodiert

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Wandel in KantinenNachfrage nach Vegi-Menüs explodiert

Die SV Group hat im laufenden Jahr ein Drittel mehr vegetarische Menüs verkauft als 2012. Selbst Büezer greifen mittlerweile zu Fleischlosem – wenn es nicht «Vegi» heisst.

von
lua

Von wegen am Mittag brauchts was Währschaftes: Beim grössten Schweizer Gastro-Unternehmen SV Group ist die Nachfrage nach vegetarischen Angeboten 2013 regelrecht explodiert. «In unseren rund 300 Betrieben ist der Anteil an Vegi-Menüs von 15 auf über 20 Prozent gestiegen», sagt SV Group-Sprecherin Marion Münstermann. Ein Zuwachs von einem satten Drittel also.

Am beliebtesten sind Currys, Fried Rice und Pasta-Gerichte wie Penne all'arrabbiata oder Älpler Magronen. «Fleischersatzstoffe wie Tofu haben keinen guten Ruf unter den Köchen und Gästen», sagt Kornell Otto von der SV Group. Besonders gut kommen die Vegi-Menüs bei den Studis an: In einer Testphase in der Basler Uni-Mensa griffen 44 Prozent zu speziellen vegetarischen und veganen Gerichten. In den Unis und Fachhochschulen schöpft die SV Group täglich bereits 12'000 bis 15'000 vegetarische Hauptmahlzeiten aus.

«Vegi im Namen verkauft sich nicht gut»

Aber auch in Firmen wie dem Rüstungs- und Industriekonzern Ruag, wo Arbeiter körperlich schuften, kommt fleischfrei gut an: «Unser Küchenchef sagte, dass er nicht damit gerechnet habe, dass so viele Mitarbeiter auf Vegi umstellen», so Otto. Allerdings greift die Küche dort schon mal in die Trickkiste: «Vegi verkauft sich nicht so gut im Menü-Namen – gewisse Betriebe schreiben die Bereiche deswegen statt mit ‹Fleisch› und ‹Vegi› lieber mit ‹Hausmannskost› und ‹Gartenküche› an», so Otto.

Den Vegi-Boom erklärt sich die SV Group damit, dass die Leute bewusster essen und wissen wollen, woher die Produkte kommen. Zu diesem Schluss kam vor kurzem auch eine Studie des Gottlieb Duttweiler Institutes (GDI). Ernährungspsychologe Robert Sempach beobachtet Ähnliches: «Musste ein Mann sich früher noch rechtfertigen, wenn er in der Kantine nicht zum Schnitzel griff, ist der Umgang mit Vegetarischem heute selbstbewusster.»

Die SV Group hat bereits reagiert und das Programm «One Two We» lanciert, das klimafreundliches und viel vegetarisches Essen auftischt. Dieses läuft bereits in 33 Betrieben des Catering-Konzerns. Dort hat sich die Anzahl der vegetarischen Menüs bis um 40 Prozent erhöht. Das ist aber erst der Anfang – gemäss der SV Group wird sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren die vegane Küche in den Mensas durchsetzen.

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