Freiburger Start-Up: Nachhaltige Skis aus Naturfasern

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Freiburger Start-UpNachhaltige Skis aus Naturfasern

Zwei findige Unternehmer aus Freiburg setzen auf Natürlichkeit: Sie bauen Flachs in Skis ein – mit Erfolg: Mehrere grosse Skimarken haben bereits angebissen.

von
aha

Die Freerider Candide Thovex und Eric Pollard schwören schon länger auf Skis mit einem Kern aus der Naturfaser Flachs. Erfunden hat diese das Freiburger Start-Up Bcomp, das Christian Fischer und Cyrille Boinayvor fünf Jahren in Freiburg gegründet haben. Mittlerweile können die Jungunternehmer 35 Ski-Marken zu ihren Kunden zählen, darunter etwa Stöckli. Und: Im letzten Geschäftsjahr hat Bcomp zum ersten Mal schwarze Zahlen geschrieben. «Das hat schon ungemein motiviert», freut sich Boinay.

Niemand wollte Skistöcke kaufen

Doch was macht einen Ski mit einem Flachs-Kern besser? «Flachs ist eine Naturfaser und somit nachhaltig. Sie ist leicht, aber trotzdem stabil. Einem Ski verleiht ein solcher Kern Leichtigkeit bei gleichzeitiger Stabilität und Sicherheit», erklärt Boinay die Vorzüge des Materials.

Doch ein Kern aus Naturfasern wirft auch Probleme auf. Besonders die Produktion sei nicht ganz einfach: «Zum einen werden die Fasern schnell feucht, wenn sie an die frische Luft gelangen, und verlieren so ihre positiven Eigenschaften. Andererseits verkohlen die Fasern bei über 200 Grad Celsius und werden dann unbrauchbar.» Man müsse die Fasern entsprechend behandeln und mit anderen Materialien kombinieren, um das auszugleichen. Ein Team aus mittlerweile sieben Ingenieuren arbeitet daran, die Produktion laufend zu verbessern.

So waren die letzten fünf Jahre kein Zuckerschlecken. «Wir hatten natürlich auch Anfangsschwierigkeiten», sagt Boinay. Geplant war etwa auch, Skistöcke mit Naturfaser-Kernen zu produzieren. «Das gaben wir dann aber auf, weil wir erkannten, dass der Markt nicht bereit war, dafür mehr zu bezahlen.»

Ambitiöse Ziele

Hergestellt werden die Faser-Kerne in Ecuador, wo auch der Rohstoff herkommt. «Ursprünglich haben wir in der Schweiz produziert, aber das war nicht sehr wirtschaftlich», erklärt Boinay die Auslagerung der Produktion ins Ausland.

Die Skiindustrie hat Bcomp bereits erobert, doch damit geben sich Boinay und seine Mitstreiter noch lange nicht zufrieden. «Die Naturfaser-Technologie hat noch ein grosses Potential», ist sich Boinay sicher. So fänden momentan Verhandlungen mit grossen Automobilherstellern statt und auch auf die Luftfahrt hat Bcomp ein Auge geworfen. Sogar mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA bestehen bereits Projekte. Ob in Zukunft Naturfasertechnologie aus der Schweiz durch die Raumstation ISS schweben wird, steht allerdings noch buchstäblich in den Sternen.

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