Bern: Nachhilfe in Pubertät für Berner Eltern
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BernNachhilfe in Pubertät für Berner Eltern

Hilfe für Eltern von pubertierenden Kids: Um die schwierige Phase im Leben ihrer Sprösslinge zu überstehen, schaffen zwei Kurse in Bern Abhilfe für verzweifelte Eltern.

von
mub
Cristina Iturrizaga Gutzwiller: Leitet den Kurs für fremdsprachige Mütter von Teenies.

Cristina Iturrizaga Gutzwiller: Leitet den Kurs für fremdsprachige Mütter von Teenies.

«Und plötzlich sind sie Teenager...» heisst ein Kursangebot, das die Stiftung Berner Gesundheit seit Mitte Oktober für alleinerziehende Eltern anbietet. «Bei der Pubertät handelt sich um einen Lebensabschnitt der Kids, in dem die Eltern häufig an ihre Grenzen stossen», sagt Facharbeiter Basil Glanzmann. Gerade für Alleinerziehende könne dies besonders schwierig werden.

Empathie statt Drohungen

Im Kurs sollen Alleinerziehende deshalb lernen, besser mit ihrem Teenie-Nachwuchs klarzukommen. Im Kurs lernen die Eltern unter anderem, mit den Sprösslingen richtig zu kommunizieren und erfahren, was effektive Suchtprävention bedeutet. «Viele Teenager kommen zum ersten Mal mit Alkohol und anderen Substanzen in Berührung», sagt Glanzmann. «Hier gibt es Schutzfaktoren, die Eltern aufbauen können.» Zum Beispiel eine vertrauensvolle Beziehung.

Eltern würden sich in solchen Situationen oft allein gelassen fühlen. «Wie gehe ich mit meinem kiffenden Jugendlichen um? Das ist eine Frage, die viele Eltern beschäftigt», so Glanzmann. Viele Eltern versuchten, ihren Kindern mit Drohungen oder Beschuldigungen klarzumachen, dass Kiffen böse und verboten sei – ein grosser Fehler. «Viel effektiver ist es, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben und mit ihnen über die Risiken des Kiffens zu reden», rät er. Gerade in der Pubertät sei es wichtig, dass Eltern Empathie und Interesse an den Aktivitäten ihrer Kinder zeigten. «Das klingt zwar logisch, doch bei der Umsetzung hapert es oft,» sagt Glanzmann. Die Kurse der Berner Gesundheit finden im Oktober und November statt und sind kostenlos.

Migrationshintergrund als zusätzliche Hürde

Auch in Ittigen ist die Pubertät ein Thema. Im Quartierzentrum Kappelisacker treffen sich ab Oktober Frauen aus unterschiedlichen Ländern. Gemeinsam haben sie eins: Sie leben in der Schweiz und haben pubertierende Kinder. «Teenager befinden sich in einer schwierigen Phase», sagt auch Cristina Iturrizaga Gutzwiller, Organisatorin der Veranstaltung. Ein Migrationshintergrund stelle dabei eine zusätzliche Hürde dar. «Neben all der Veränderungen, welche die Kinder während der Pubertät Kinder durchleben, müssen sie zusätzlich lernen, einen Spagat zwischen dem Hier und dem Dort zu machen.» Dies sei gerade auch für die Eltern eine grosse Herausforderung. «Wenn Eltern immigrieren, haben sie eine andere kulturelle Referenz, als ihr Kind sie hat. Ihr Aufwachsen ist nicht vergleichbar mit dem Aufwachsen ihrer Kinder. Das kann zu Unsicherheiten und Spannungen führen», sagt Iturrizaga Gutzwiller. «Mit dem Kurs möchten wir den Eltern das Leben ihrer Kinder in der Schweiz näherbringen.

Ziel der Veranstalter ist es, mehr Harmonie in den Familien zu schaffen.» Im Kurs sollen Mütter ihre Probleme mit anderen Migrantinnen besprechen. «In der Gruppe kann nach Lösungen gesucht werden. Dort sehen die Frauen, was in anderen Familien für Regeln herrschen. So können sie einen Mittelweg zwischen ihrer Kultur und jener in der Schweiz finden», so Gutzwiller. «Es ist kein Widerspruch, beide Ansichten zu vereinen.» Angemeldet hätten sich bisher Frauen aus Lateinamerika und Osteuropa, sagt Gutzwiller, «aber auch Schweizerinnen in binationlen Ehen haben Interesse an der Veranstaltung gezeigt». Auch der zweite Teenie-Kurs ist kostenlos.

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