Republikaner-Kurse: Nachhilfeunterricht in Sachen Frauen
Aktualisiert

Republikaner-KurseNachhilfeunterricht in Sachen Frauen

Amerikas Frauen haben mit den Republikanern immer weniger am Hut. Jetzt wird Kandidaten beigebracht, wie sie Frauen ansprechen sollen.

von
sut
Eine glühende Obama-Anhängerin am Abend seiner Wiederwahl. Den Republikanern fällt es schwer, weibliche Wählersegmente zu erschliessen.

Eine glühende Obama-Anhängerin am Abend seiner Wiederwahl. Den Republikanern fällt es schwer, weibliche Wählersegmente zu erschliessen.

Die Parteiführung der US-Republikaner hat damit begonnen, die Top-Berater von politischen Kandidaten zu instruieren, wie sie sich gegenüber Frauen verhalten sollen. Nach einem Bericht der Website Politico sollen vor der Wiederwahl stehende Kongresspolitiker sowie neue Kandidaten im Wahljahr 2014 bessere Chancen erhalten, gegen die bei Frauen führenden Demokraten zu bestehen.

In Sitzungen wird den Beratern insbesondere gezeigt, wie sie ihre politische Botschaft verpacken sollen, wenn ihre Schützlinge gegen weibliche Opponenten antreten müssen. Im Zweikampf mit Frauen haben republikanische Kandidaten in der jüngeren Vergangenheit oft den Kürzeren gezogen.

John Boehner, der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, ist sich des Problems bewusst. «Lasst es mich so sagen», räumte er vergangene Woche gegenüber der Presse ein, «manche dieser Typen haben viel zu lernen.» Wenn es um Frauen geht, sollten die Kandidaten laut Boehner «ein bisschen sensibler sein».

Die Republikaner wollen um jeden Preis eine Wiederholung des Debakels von 2012 vermeiden. In der damaligen Wahlrunde verloren sie nicht nur das Präsidentschaftsrennen gegen Barack Obama, sie verpassten auch eine gute Gelegenheit, im Senat die Mehrheit zu erobern. Schuld daran war unter anderem der Tea-Party-Kandidat Todd Akin in Missouri. Er leistete sich im Wahlkampf den Patzer, von «legitimer Vergewaltigung» zu schwafeln, was die Demokraten umgehend als frauenfeindlich brandmarkten. Akin stürzte in Umfragen ab, als hätte er Bleigewichte an den Füssen.

Wenig später schien Senator Saxby Chambliss aus Georgia Vergewaltigungen im US-Militär mit Verweis auf männliche Hormone zu entschuldigen. Äusserungen wie diese machten es den Demokraten leicht, der republikanischen Partei als ganzer zu unterstellen, sie führe einen «Krieg gegen die Frauen».

Dieser Slogan erwies sich im Wahlkampf als überaus wirksam. Die republikanische Kandidatengattin Ann Romney sagte zwar immer wieder, die wirtschaftspolitische Botschaft ihres Manns komme auch Frauen zugute. Aber am Ende verlor Mitt Romney gegen Obama bei Frauen mit 11 Prozentpunkten Differenz.

Die Einseitigkeit ist noch grösser im US-Kongress. Von den 78 Frauen im Repräsentantenhaus gehören 59 der demokratischen Partei an. Und im Senat sind von 20 Frauen bloss 4 Republikanerinnen. Um hier etwas zu bewegen, hat die Oppositionspartei ein Projekt namens Grow lanciert, mit dem sie mehr Frauen als Kandidatinnen anlocken möchte.

Ein Erfolg der Strategie ist dringend nötig, wenn die Republikaner die gegenwärtige Schwäche von US-Präsident Barack Obama erfolgreich ausnützen wollen. Frauen gelten zwar als die grösste «Minderheit», tatsächlich machen sie aber 54 Prozent der Wählerschaft aus. Deshalb wird es für die Republikaner auch nicht reichen, bloss bei der Verpackung ihrer Inhalte herumzubasteln. Amerikas Konservative müssen auch den politischen Inhalt ihrer Botschaft an die Interessen von Frauen anpassen, sonst sind ihre Tage als wählbare Partei gezählt.

Deine Meinung