Verschnaufpause: Nachlassstundung für Cargodrome in Wiler
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VerschnaufpauseNachlassstundung für Cargodrome in Wiler

Die Wiler Terminal Logisitk AG mit ihrem Cargodrome in Wiler geht in Nachlassstundung. Ein Richter hat am Dienstag in Burgdorf diesen Schritt bewilligt.

Gerichtspräsident Markus Bärtschi gewährte der er Wiler Terminal & Logistik AG (WTL) eine Nachlassstundung von einem halben Jahr. Er folgte damit dem einhelligen Antrag des Vertreters des Unternehmens und des Sachwalters.

Bund zahlte mit

2002 war das «Cargodrome» gebaut worden - finanziert unter Anderem mit Bundesgeldern. Unter dem Begriff «kombinierter Verkehr» sollten in Wiler bei Utzenstorf Güter von der Schiene auf die Strasse umgeladen werden.

Das Vorhaben scheiterte jedoch, da der Bedarf an solchen Dienstleistungen im Raum Bern / Solothurn nicht vorhanden war. Resultat: Die Firma landete vor dem Nachlassrichter.

Höhere Dividende erwartet

Nach der Bewilligung der definitiven Nachlassstundung hat die WTL nun ein halbes Jahr Zeit, die Liegenschaft zu verkaufen und so für die Gläubiger eine möglichst hohe Dividende herauszuholen.

Der Rechtsvertreter der WTL, Rechtsanwalt Pio R. Ruoss, schätzt, dass mit dem beabsichtigten Nachlassvertrag eine Dividende von 7 Prozent erzielt werden kann, was deutlich über den zu erwartenden rund 4 Prozent im Konkursfall liege.

Der erhoffte höhere Verwertungserlös war für Gerichtspräsident Markus Bärtschi denn auch einer der Hauptgründe zur Gewährung der definitiven Nachlassstundung.

Bund stimmte zu

Eine wichtige Voraussetzung für die Möglichkeit der Bewilligung war die Zustimmung zum vorgesehenen Vertrag durch das Bundesamt für Verkehr, welches mit einem Forderungsbetrag von rund 85 Prozent die grösste Gläubigerin ist.

Gerade der Bund ist es aber auch, der nach der Einschätzung des Gerichtspräsidenten als «Damoklesschwert» über dem Vertrag steht. Sollte der Terminal nämlich inskünftig nicht für den Kombi-Verkehr genutzt werden können, so hätte dies eine Rückforderung eines A- Fonds-Perdu-Betrags von rund CHF 8.5 Mio. durch den Bund zur Folge.

Urteil nicht bestritten

Derzeit scheint jedoch alles auf guten Wegen. «Alle Beteiligten arbeiten sehr gut zusammen», so Bärtschi. Ausnahme sei einzig das ausstehende Reporting durch WTL.

Dies sei allerdings der Restrukturierung und dem damit einhergehenden Personalabgang mitsamt Knowhow-Verlust bei der Muttergesellschaft des Unternehmens, der Güterbahn Crossrail, zuzuschreiben.

Sachwalterin im jetzigen Stundungsverfahren ist die Transliq, welche dieses Mandat bereits im Rahmen der provisorischen Nachlassstundung betreut hatte.

Da sämtliche Parteien an der Gerichtsverhandlung ihren Verzicht auf die Ergreifung der Appellation erklärt haben, ist das Urteil - unter Vorbehalt des unwahrscheinlichen Falls der Opposition der Gläubiger gegen den Sachwalter - rechtskräftig. (sda)

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