Spukhotel: Nacht des Grauens
Aktualisiert

SpukhotelNacht des Grauens

Unsere Autorin hat Angst vor Horrorfilmen und finsteren Kellern. In einem Spukhotel zu übernachten, sei aber kein Problem. Dachte sie.

von
Carina Iten

Die Treppenstufen knarren, es riecht nach altem Holz. Hier spukt es also. Seit 1220 gehen im «Old Bell» Gäste ein und aus, es gilt als das älteste Hotel Englands. Auf der obersten Etage hinter zwei Zwischentüren liegt das Zimmer, in dem der Geist hausen soll - und wo ich heute Nacht schlafen werde. Der Geruch von Weihrauch steigt mir in die Nase, aus dem Fenster sehe ich direkt auf den Friedhof der Abbey.

«Hier ...», sagt Umberto, der Rezeptionist, mit herausgereckter Brust, «hier hat sich Miss Grey erhängt.» Er streicht sich sein schütteres Haar aus der Stirn. Mich schauderts. Miss Grey wurde an ihrem Hochzeitstag von ihrem Ehemann in spe sitzen gelassen. Daraufhin soll sie sich erhängt haben – und seither im Hotel herumwandern.

«Einmal lief sie den Gang entlang und verschwand in einem Nebelmeer»

Umberto erzählt die tragische Geschichte so trocken, wie man es von einem Engländer erwarten würde. «Einmal lief sie den Gang entlang und verschwand in einem Nebelmeer», berichtet mir der Nachtportier Robbie später. Er beschreibt Miss Grey als durchschnittlich gross mit langem, altmodischem Kleid. Genau so sieht sie auf dem grossen Bild aus, das im Speisesaal hängt: eine junge Lady in einem schwarzen Kleid und mit Dutt. Das Bild wird mich noch verfolgen.

Barkeeper Vincenzo scheint der einzig vernünftige Mensch im Haus zu sein. «Also ich habe hier noch nie einen Geist gesehen», versichert er mir mit italienischem Akzent. Erfunden seien die Geschichten aber nicht. Ein amerikanischer Priester, der kürzlich zweimal hier übernachtete, habe Miss Grey in beiden Nächten gesehen. Alle hier kennen eine Anekdote zu Miss Grey.

Ich bin gefangen in meinem selbst erschaffenen Horrorfilm

Nach Mitternacht gehe ich auf mein Zimmer, und meine Stimmung ändert sich schlagartig. Es ist kalt hier, viel kälter als zuvor in der Lobby. Ich stelle mir vor, dass sich in diesem Zimmer wirklich jemand des Leben genommen hat. Auch nach drei Stunden im Bett kann ich noch nicht schlafen. Das Einzige, woran ich denken kann, ist Miss Grey und wie sie durchs Zimmer wandert.

Ich merke, dass ich mich gerade ziemlich reinsteigere, meine Freunde würden sich über mich lustig machen. Aber ich kann nicht mehr klar denken, bin gefangen in meinem selbst erschaffenen Horrorfilm und frage mich, ob in all dem Spukgerede nicht doch ein Funke Wahrheit steckt.

Um halb fünf schrecke ich auf. Der Mond schimmert, die Dielen knarren – ich höre Schritte, als ob jemand langsam durchs Zimmer liefe. Natürlich ist nichts zu sehen. Dann raschelts im Holzbalken über mir. Ich trau mich nicht mal aufzustehen, um das Licht einzuschalten. Ich schliesse die Augen die ganze Nacht nicht – noch nie habe ich mir den Morgen so sehr herbeigewünscht.

Bei Tageslicht ist das alles so absurd

Irgendwann geht endlich die Sonne auf, kurz vor sieben schlafe ich ein. Nach zwei Stunden Schlaf fühle ich mich kaputt wie nach einer durchtanzten Partynacht. Ich denke an die Nacht, die Geräusche, das Herzklopfen, die Beklemmung, die kalten Hände. Bei Tageslicht ist das alles so absurd – das Hotel wirkt kein bisschen unheimlich, einfach nur rustikal, romantisch. Ich bin mir gerade selbst ein wenig peinlich.

Umberto begrüsst mich mit einem breiten Grinsen. «Gut geschlafen?» «Wunderbar», lüge ich. Auch Vincenzo taucht vor meiner Abreise nochmals auf. Der Gast vor mir sei schreiend aus dem Zimmer gerannt, flüstert er mir zu. Eine Frau habe sich zu ihm aufs Bett gesetzt. «Aber ich wollte Ihnen gestern keine Angst machen.»

Infos:  Anreise zum «Old Bell»: Von London mit dem Zug zwei Stunden nach Chippenham und, dort per Taxi nach Malmesbury. 150 Pfund pro Nacht. Info: oldbellhotel.co.uk. Die beliebtesten Spukhotels: hauntedrooms.co.uk. Das Spuk-Mekka: Im Gruselkabinett London Dungeon gibts blutige Geschichten über England, mit Schauspielern und Special Effects.

Infos:  Anreise zum «Old Bell»: Von London mit dem Zug zwei Stunden nach Chippenham und, dort per Taxi nach Malmesbury. 150 Pfund pro Nacht. Info: oldbellhotel.co.uk. Die beliebtesten Spukhotels: hauntedrooms.co.uk. Das Spuk-Mekka: Im Gruselkabinett London Dungeon gibts blutige Geschichten über England, mit Schauspielern und Special Effects.

Infos:  Anreise zum «Old Bell»: Von London mit dem Zug zwei Stunden nach Chippenham und, dort per Taxi nach Malmesbury. 150 Pfund pro Nacht. Info: oldbellhotel.co.uk. Die beliebtesten Spukhotels: hauntedrooms.co.uk. Das Spuk-Mekka: Im Gruselkabinett London Dungeon gibts blutige Geschichten über England, mit Schauspielern und Special Effects.

Infos:  Anreise zum «Old Bell»: Von London mit dem Zug zwei Stunden nach Chippenham und, dort per Taxi nach Malmesbury. 150 Pfund pro Nacht. Info: oldbellhotel.co.uk. Die beliebtesten Spukhotels: hauntedrooms.co.uk. Das Spuk-Mekka: Im Gruselkabinett London Dungeon gibts blutige Geschichten über England, mit Schauspielern und Special Effects.

Deine Meinung