Aktualisiert 28.03.2019 10:45

Zoff im Nachtleben

Nachtbürgermeister soll Gewaltexzesse stoppen

Basel hat an den Wochenenden an gewissen Hotspots ein Problem mit Gewalttaten. Wäre das Amt eines Nachtbürgermeisters die Lösung für Basel? Die Idee stösst auf Zustimmung.

von
jes

Dieses Video zeigt eine Szene aus einer Schlägerei, wie sie sich kürzlich vor dem Vice-Club in Basel zugezogen hat.

Auch 2018 hat die Stadt Basel im schweizweiten Vergleich die Nase in Sachen Gewaltdelikte vorn. Wie aus den Zahlen des Bundesamts für Statistik hervorgeht, wurden pro 1000 Einwohner 12,6 solcher Tatbestände verzeichnet. Gleichzeitig hat die Stadt die höchste Polizeidichte, wie aus dem kantonalen Vergleich des Statistik-Portal Statista hervorgeht.

Nicht unwesentlich für die hohen Zahlen sind Gewalttaten, die sich im Basler Nachtleben abspielen. Erst kürzlich machten Videos von Schlägereien die Runde, die am Wochenende zu später Stunde vor Basler Clubs aufgenommen wurden.

Doch was kann gegen diese Gewaltakte unternommen werden? Für Thomas Kessler, Berater in Sicherheitsfragen, macht es Sinn, das Problem im Kontext der Nachtgesellschaft anzuschauen: «Die Szene, also Clubs, Beizen und Kulturveranstalter, soll sich engagieren. Für mehr Lebensqualität bräuchte das Nachtleben einen kulturellen Kompass, bei dem neben dem Spass auch Umgangsformen und Zivilcourage im Vordergrund stehen», sagt der ehemalige Stadtplaner und Drogendelegierte.

Erster Nachtbürgermeister in Amsterdam

Wie ein solcher Kompass in etwa aussehen könnte, zeigt die niederländische Metropole Amsterdam: Seit 2012 gibt es dort das offizielle Amt des Nachtbürgermeisters. Was zunächst etwas seltsam klingt, scheint jedoch zu funktionieren: So berichteten verschiedene Medien, dass die Beschwerden wegen Gewalt und Alkoholexzessen an den Brennpunkten zurückgegangen seien.

Roland Frank, Leiter der Stadtteilentwicklung, gibt gegenüber 20 Minuten an, dass in Basel bereits über das Konzept nachgedacht wurde: «Einen Nachtbürgermeister als Vermittler zwischen Anwohnenden, Clubbetreibenden und Behörden gibt es in Basel nicht. Die Idee wurde erstmals im Rahmen der zweiten Basler Nachtung 2015 aufgeworfen. Damals hat der erste Nachtbürgermeister aus Amsterdam seine Erfahrungen geschildert. Konkreter wurde die Idee für Basel nicht weiterverfolgt.»

«Spannender Ansatz»

Ob das Konzept des Nachtbürgermeisters nach den Ergebnissen der aktuellen Kriminalstatistik wieder aufgenommen wird, wird sich zeigen. SP-Fraktionspräsident Thomas Gander hält es für einen «spannenden Ansatz» und nennt bereits erste konkrete Punkte: «Die Erwartungen an diese Person wären unglaublich hoch. Man müsste sich fragen, ob der Nachtbürgermeister eine neutrale Instanz oder parteiisch sein soll. Zudem müsste die Stelle finanziert und strukturell in den Kanton eingebunden sein.»

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