Nachtleben: Nachtlokale in Meiringen dürfen länger öffnen
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NachtlebenNachtlokale in Meiringen dürfen länger öffnen

Das Nachtleben in den Berner Wintersportorten scheint nicht mehr das zu sein, was es mal war: Wegen zurückgehenden Besucherzahlen wagt Meiringen ein Experiment.

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aha/smü
Am Abend patrouillieren in Adelboden jeweils Sicherheitsleute der Broncos, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Am Abend patrouillieren in Adelboden jeweils Sicherheitsleute der Broncos, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Keystone/Peter Schneider

Für die Touristen nur das Beste: Weil Wintersportorte die Gästezahlen in die Höhe treiben wollen, greifen sie zu neuen Mitteln: So stimmte die Bevölkerung von Zermatt kürzlich über ein strengeres Polizeireglement ab. Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit sollte verboten werden, ebenso sollten Jugendliche unter 16 Jahren eine Ausgehsperre erhalten. Damit wollten Hoteliers den Nachtlärm eindämmen, um mehr Gäste anzulocken. Diese Forderungen kamen nicht durch, jedoch wird nun das Betteln und die Strassenprostitution verboten.

Im Berner Wintersportort Meiringen verfolgt man im Kampf gegen schwindende Gästezahlen die umgekehrte Strategie: Die Regeln werden gelockert. Ab dem 1. Januar 2016 kann in Nachtlokalen an den Wochenenden zwei Stunden länger gefeiert werden. «Hat es genug Leute in den Lokalen, können die Betreiber entscheiden, bis um fünf Uhr geöffnet zu bleiben», erklärt Susanne Huggler, Gemeinderätin von Meiringen.

Die Gemeinde erhofft sich dadurch, einerseits Mehreinnahmen für die Wirtschaft zu generieren, andererseits soll so die Lärmbelastung der Anwohner vermindert werden. «Ist ein Lokal bis fünf Uhr geöffnet, gehen die Leute gestaffelt heim und nicht alle auf einmal», so Huggler.

Widerstand wird nicht erwartet

Man rechne nicht damit, dass die Überzeitbewilligung jedes Wochenende genutzt wird. Die Betreiber müssen immer abwägen, ob die dadurch entstehenden Mehrkosten es wert sind, sagt Huggler. Denn die Lokale müssen für die Sicherheitsdienste bezahlen, die immer bis 30 Minuten nach Schliessung des Lokals vor Ort seien.

Angst vor Beschwerden aus der Bevölkerung hat man keine: «Der Versuchsbetrieb war ein grosses Anliegen von allen beteiligten Parteien.» Der Versuchsbetrieb ist vorläufig auf ein Jahr befristet. «Nach einer Winter- und Sommersaison werten wir den Versuch dann aus und entscheiden, wie weiter verfahren werden soll», sagt Huggler.

Ruhigere Nächte in Adelboden und Grindelwald

In anderen Berner Wintersportorten will man sich nicht auf ein Experiment wie in Meiringen einlassen. So scheiterte etwa in Adelboden die Anfrage eines Clubbetreibers für eine solche Überzeitbewilligung. Die Gemeinde setzt lieber auf Lärmeindämmung durch einen privaten Sicherheitsdienst. Seit dieser vor einigen Jahren eingeführt wurde, seien die Klagen zurückgegangen. Ein möglicher Grund dafür könnte aber auch das Zurückgehen des Nachtlebens sein: «Das Nachtleben ist nicht mehr dasselbe wie vor zehn Jahren», sagt Jolanda Lauber, Gemeindeschreiberin Adelbodens.

Auch in Grindelwald schwindet das Nachtleben. Dort setzt man ebenfalls schon länger auf private Sicherheitsdienste. «An den Wochenenden patrouillieren jeweils zwei Männer durch das Dorf, bei speziellen Anlässen wie etwa Silvester sind es auch mal mehr», sagt Rolf Bähler, Leiter der Sicherheit in Grindelwald. Daneben stellten Nachtlokale selbst Sicherheitsleute an. «Das System hat sich bewährt, die Lärmklagen sind zurückgegangen, deshalb behalten wir das so bei.»

Ähnlich tönt es in Wengen: «Je nach Bedarf patroullieren mehr oder weniger Personen. Während dem Lauberhornrennen ist selbstverständlich auch die Kapo im Einsatz», so Christian Wyss, Präsident der Sicherheitskommission. Ansonsten habe die Gemeinde nicht vor, die Sicherheitsvorkehrungen oder das Reglement anzupassen. «Es wurde in den letzten Jahren eher ruhiger», so Wyss. Er könne aber verstehen, wieso Zermatt das Reglement verschärft habe. Das Alkoholverbot wäre aber etwas weit gegangen.

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