Stress privat: «Nachts lag ich am Boden und weinte»

Aktualisiert

Stress privat«Nachts lag ich am Boden und weinte»

Alle reden nur von seiner gescheiterten Ehe mit Melanie. Mit 20 Minuten Friday spricht Stress über Partys, Freunde, Schmerzen - und seine ganz persönliche Renaissance.

von
Martin Fischer

Melanie Winiger und Stress haben sich getrennt. Einen Tag vor dem Interview und Shooting mit seiner Entourage schickte sein Management die Pressemeldung. Ohne weiteren Kommentar. Jetzt sitzt der Rapper in einem Fotostudio in Zürich-Altstetten neben seinem Manager. Er tippt auf dem Blackberry rum, während seine Freunde Marc, M. A. M und Karolyn fürs Shooting von «20 Minuten Friday» geschminkt und gestylt werden.

Stress aka Andres Andrekson wirkt abwesend. «Ich bin einfach müde», versucht er zu erklären. «Wir hatten gestern Probe in Lausanne und sind danach noch nach Zürich gefahren. Es ist spät geworden.» Stress trägt ein schwarzes T-Shirt, und unter dem Ärmel blitzt auf dem linken Oberarm ein Tattoo hervor: «Melanie».

Stress, das Tattoo ...

Stress: Ich habe kein Problem damit. Ich behalte das. Ich finde es nichts Schlechtes, Menschen anzusehen, was sie erlebt haben. Tattoos zeigen, was einem viel bedeutet hat.

Melanie bleibt also Teil deines Lebens?

Sie ist meine beste Freundin. Daran ändert die Trennung nichts.

Aber?

Ich habe nicht mehr dazu zu sagen. Diese Sache ist privat und geht niemanden was an. Ich finde, wir waren immer recht grosszügig mit Informationen zu unserem Leben. Das gehört zu unseren Jobs. Und ich versuche so viel von mir zu geben, wie ich kann. Aber gewisse Momente im Leben muss jeder für sich allein haben.

So wie eure Trennung jetzt.

Für mich war immer klar, dass gewisse Dinge heilig sind. Und da muss sich niemand einmischen.

Ihr habt immer ziemlich offen über Privates geredet.

Wir haben gar nicht so viel erzählt. Haben wir je eine Homestory gemacht? Nein. Es ist so: Wenn du diesen Job machst, gehören dir nicht mehr 100 Prozent von dir selbst. Den Rest will ich so gut wie möglich beschützen.

Du hast noch ein anderes Tattoo, auf deiner Brust: «Will Over Pain».

Ja, das habe ich seit dem Sommer.

Was ist die Geschichte dahinter?

Ich wollte etwas finden, das symbolisiert, was ich durchgemacht habe. Es war ein schlimmes Jahr, wegen meinen Rückenproblemen. Ich musste lernen, mit den Schmerzen umzugehen und sie zu überwinden. Mit Willen kann man viel erreichen. Diese Erfahrung will ich nie vergessen. Das Tattoo erinnert mich jeden Tag daran, wenn ich in den Spiegel schaue.

Ist es dein neues Lebensmotto?

Absolut. Der Spruch stimmt für alles, was wir tun. Für die Musik, was auch immer ... Nichts ist einfach.

Beziehungen.

Ja, auch Beziehungen. Der Spruch ist übrigens teilweise von Melanie. Wir waren auf Ibiza in den Ferien vergangenes Jahr. Ich sagte: «Ich suche etwas, das über dem Schmerz steht.» Sie sagte: «Der Wille! Will Over Pain.»

Zuerst der Rücken, dann die Trennung. Hast du gerade die härteste Zeit deines Lebens durchgemacht?

Sicher eine der härtesten. Wegen des Rückens bin ich fast durchgedreht. Ich konnte nicht schlafen, laufen, liegen, kein Sex. Nichts. Nachts lag ich am Boden und weinte.

Was ging dir da durch den Kopf?

Das ist das Problem. Nichts! Nur die Schmerzen, ich war gefangen darin und sah keine Lösung. Das macht dich wahnsinnig. Ich war am Arsch. Ich habe vieles verschmutzt um mich herum.

Wie?

Ich war die ganze Zeit in einer Scheisslaune. Es war mir egal, was andere fühlten. Auch wenn sie mit mir gemeinsam in dieser Situation steckten. Ich hatte eine Beziehung mit dem Schmerz, die sogar intensiver wurde als alle anderen Beziehungen. Und das macht die anderen Beziehungen kaputt.

Das war dann auch hart für die Ehe.

Ja. Darüber singe ich in meiner neuen Single «Elle». Niemand meldet sich freiwillig für so eine Scheisszeit. Aber ich versuche, aus jeder Erfahrung zu lernen und immer weiterzugehen.

Wer stand dir in den letzten Wochen bei?

Meine Freunde. Ein paar Jungs. Mit Marc hatte ich viele private Gespräche, er war eine grosse Hilfe. Oder mein bester Freund Yvan, der früher fast alle Songs von mir produziert hat. Auch Roman, der alle meine Videos macht. Es ist schön zu merken, dass viele Leute, mit denen ich arbeite, meine Freunde geworden sind.

Was macht diese Leute aus?

Sie sind loyal, das ist mir sehr, sehr wichtig. Gerade im Musikbusiness und wenn man in der Öffentlichkeit steht. Ich suche meine Freunde sorgfältig aus. Es braucht sehr viel Zeit und viele Gespräche, um in mein Herz zu kommen. Ich habe um mich herum ein solides Grüppchen, vielleicht zehn enge Freunde, höchstens.

Was ist das Schönste, was ein Freund je für dich getan hat?

Hm, schwierig, also Karolyn ist mal in eine Schlägerei geraten wegen mir, weil einer blöd über mich geredet hat. Das war nicht gerade schlau, aber es ist schön zu merken, wenn jemand für dich einsteht. Das finde ich wunderbar. Denn gerade wenn du ein Promi bist, hat jeder irgendwie eine

Meinung über dich.

Du scheinst ein Typ zu sein, der gern mit seinen Kumpels um die Häuser zieht und Party macht.

Ja.

Wann das letzte Mal?

Vergangenes Wochenende, bevor ich eine Woche nach Ibiza ging. Ich war total betrunken und schlief nur drei Stunden. Am Morgen holte ich mit dem Taxi meinen Trainer ab, der mit mir nach Ibiza kam. Er sah mich an und sagte: «What the fuck is wrong with you?»

Work hard, party hard?

Ja, ich liebe dieses Motto! Es fühlt sich gut an zu feiern, wenn man vorher hart gearbeitet hat. Ich gehe immer ans Limit, das pusht mich. Man muss Vollgas geben. Ich kann nicht in der Sicherheitszone rumsitzen. Das habe ich auch von meinem Freund Marc gelernt.

Bezahlst du die Rechnungen im Club?

Wenn ich kann, teile ich gern.

Aber mit Geld muss man aufpassen. Das kann Beziehungen belasten. Ich sage meinen Freunden immer: «Wenn ihr Geld braucht, dann gebe ich euch welches.» Aber man darf nicht von anderen abhängig werden.

Wer bettelt am meisten um Geld?

Karolyn ist die Schlimmste. Sie sagt: «Ich brauche 500 Franken, ich muss meine Haare machen.» Dann sage ich: «Okay, ich kann dir Geld geben. Aber krieg deinen Scheiss auf die Reihe.» Karo und M. A. M sind ein bisschen in der Lehre bei mir. Ich predige ihnen immer wieder: «Leute, ihr müsst fokussiert und organisiert sein, wenn ihr was werden wollt.»

Wann gibt es Streit mit dir?

Wenn man mich für dumm verkaufen will. Wenn Sachen hinter meinem Rücken laufen. Meine Freunde können mit jedem Problem zu mir kommen. Läuft es scheisse, sag es mir, dann können wir reden, und vielleicht kann ich helfen. Dazu sind Freunde da, dass man ihnen sagen kann, wie man sich wirklich fühlt. Wenn jemand versucht, etwas zu verstecken und sich zu verstellen, das geht mir auf die Nerven.

Hast du deine Freunde schon mal verletzt?

Sicher. Ich denke manchmal zu sehr nur an mich. Ich habe dieses Bild im Kopf, dass ich in einer Maschine sitze, die nicht angehalten werden kann. Sie muss weiterlaufen, vorwärts, egal wie. Dann kann es vorkommen, dass ich nicht genug auf die Leute um mich herum achte. Ich habe manchmal das Problem, dass ich nicht loslassen kann. Und bin dann so in Gedanken versunken, dass ich die anderen nicht mehr bemerke, was verletzend sein kann. Ich würde gern lernen, besser loslassen zu können. Ich arbeite daran. Es wird immer besser.

Wann bist du lieber allein?

Ich bin nicht so oft allein, aber ich brauche schon ab und zu Zeit für mich, es hilft mir, mich zu finden. Zu spüren, was ich denke. Ist man immer von Leuten umgeben, hört man sich selbst nicht mehr reden. Immer schwirren Meinungen um einen rum. Ich will mich hinstellen und sagen können: «Hey, das bin ich, und das denke ich. Wenn es euch nicht passt, okay. Wenn es passt, auch okay.»

In der aktuellen Ausgabe von «20 Minuten Friday» präsentiert Stress die neue Kollektion seines Mode-Labels Bear Inc. Als Model fungiert der Rapper gleich selbst, zusammen mit seiner Entourage.

Auf seinem fünften Studioalbum «Renaissance II» geht Stress neue Wege: In den 16 Tracks mit Rockriffs, Partysongs, 80s-Synthies, Autotune und grossen Balladen lebt er sich voll aus.

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