Aus für Zuschlag?: Nachts sollen Züge und Busse fahren wie am Tag
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Aus für Zuschlag?Nachts sollen Züge und Busse fahren wie am Tag

Das grösste Nachtnetz der Schweiz soll noch grösser werden. Der Nachtzuschlag steht zur Diskussion. Auch Bern und Basel wälzen Ausbaupläne.

von
Stefan Ehrbar
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Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) prüft einen Ausbau des Nachtnetzes. In einem Bericht ist die Rede von einer Angleichung des Nachtangebots ans Tagesnetz. (Bild: Nachtbusse am Zürcher Bellevue)

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) prüft einen Ausbau des Nachtnetzes. In einem Bericht ist die Rede von einer Angleichung des Nachtangebots ans Tagesnetz. (Bild: Nachtbusse am Zürcher Bellevue)

stadt-zuerich.ch/VBZ
Das heutige System komme an seine Grenzen, sagt ZVV-Sprecher Caspar Frey. Alle Nachtzüge und Nachtbusse kämen gleichzeitig am Hauptbahnhof und Bellevue zusammen.

Das heutige System komme an seine Grenzen, sagt ZVV-Sprecher Caspar Frey. Alle Nachtzüge und Nachtbusse kämen gleichzeitig am Hauptbahnhof und Bellevue zusammen.

ZVV
Ein Ausbau sei nur möglich, wenn diese Strukturen grundlegend überdacht würden, so der ZVV-Sprecher. Das Netz soll aber weiterhin nur an Wochenenden in Betrieb sein.

Ein Ausbau sei nur möglich, wenn diese Strukturen grundlegend überdacht würden, so der ZVV-Sprecher. Das Netz soll aber weiterhin nur an Wochenenden in Betrieb sein.

Keystone/Alessandro Della Valle

Das Nachtnetz des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) erstreckt sich über mehrere Kantone und transportiert in einer durchschnittlichen Wochenend-Nacht über 15'000 Leute. Nun soll es deutlich ausgebaut werden. Dem ZVV schwebt vor, dass die Nachtzüge und -busse ähnlich fahren sollen wie tagsüber. Heute besteht das Nachtnetz aus sieben stündlich fahrenden Nachtzuglinien. Zudem fahren Nachtbuslinien im Umland stündlich, in der Stadt Zürich alle 30 Minuten.

Eine Angleichung ans Tagesnetz würde mehr Linien und häufiger verkehrende Züge und Busse bedeuten. Zum Vergleich: Das Tagesnetz des ZVV besteht aus 28 S-Bahn-Linien, die alle 30 Minuten fahren. Die Ausbaupläne, die der ZVV für den Zeitraum ab 2021 prüft, begründet Sprecher Caspar Frey damit, dass das heutige System an seine Grenzen stosse.

Nachtzuschlag auf Prüfstand

Alle städtischen Nachtbuslinien träfen etwa zur selben Zeit am Bellevue zusammen. Dasselbe gelte für die Nacht-S-Bahnen am Hauptbahnhof. «Ein Ausbau des Nachtnetzes ist eigentlich nur noch möglich, wenn die Strukturen grundlegend überdacht werden.» Der Ausbau könnte mit einem ausgedünnten Tagesangebot erreicht werden, sagt Frey. Bevor sich der ZVV an die Planung des neuen Netzes macht, muss der Kantonsrat die Strategie genehmigen.

Mit den Ausbauplänen soll auch der heute existierende Nachtzuschlag von 5 Franken geprüft werden. Ein neues Konzept würde neue Überlegungen zur Finanzierung verlangen, sagt ZVV-Sprecher Frey. Heute muss das Nachtnetz kostendeckend betrieben werden. «Eine Neubeurteilung würde bedeuten, dass die Kriterien Kostendeckung und Nachtzuschlag überprüft werden. Schliesslich sind das die zentralen Punkte bei der Finanzierung.» Zurzeit stehe der Nachtzuschlag aber noch nicht zur Diskussion.

Weiterhin nur am Wochenende

Nach wie vor soll das Nachtnetz nur am Wochenende und vor Feiertagen in Betrieb sein. Unter der Woche wird ein Angebot bis nach Mitternacht angeboten, danach finanziert es der Kanton nicht mehr. Die Kosten für einen 24-Stunden-Betrieb wären hoch. Auf Ende 2017 und Ende 2018 führen die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) etwa je einen neuen letzten Kurs auf den Buslinien 46 und 62 vor 1 Uhr ein. Das kostet 80'000 Franken im Jahr – und ist nur dank der hohen Auslastung möglich.

Ähnlich verfährt Bern. Ab Dezember werden Trams und Busse, die über den Bahnhof verkehren, eine Stunde länger fahren. Da es sich um einen Ausbau des fahrplanmässigen Angebots handelt, werde er durch den Kanton Bern finanziert, sagt Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer. Auch dieser Ausbau ist auf die Nächte vor dem Samstag und dem Sonntag beschränkt. Sollten neue Nacht-Verbindungen ins Auge gefasst werden, müssten sie primär über den Ausbau des regulären Angebots eingeführt werden, sagt Meyer.

Auch der Tarifverbund Nordwestschweiz betreibt ein Nachtnetz mit Bus- und Tramlinien und Nachtzügen an Wochenenden. Im Gegensatz zu anderen Nachtnetzen muss im Netz rund um Basel kein Nachtzuschlag bezahlt werden. Zurzeit sei ein Ausbau kein Thema, sagt Marc Keller vom Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt. «Mittel- bis langfristig steht der Kanton Basel-Stadt einer Optimierung des Nachtnetzes aber offen gegenüber.»

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