Aktualisiert

Nackte auf dem Aletschgletscher

Wenn das Wetter mitspielt, posieren am Wochenende ein paar hundert Nackte auf dem Aletschgletscher für den bekannten US-Fotografen Spencer Tunick. Nur wenige Politiker wollen bei der Aufklärungs-Aktion gegen den Klimawandel mitmachen.

Bei dieser «puerilen Pseudo-Kunst» wolle er nicht Ötzi spielen, sagte der Walliser SVP-Nationalrat Oskar Freysinger gegenüber der Tageszeitung «Le Matin» und der «SonntagsZeitung». Andere wie die Berner Grüne Franziska Teuscher oder der Tessiner SP-Politiker Fabio Pedrina wollen nicht in Verdacht geraten, die Aktion für den Wahlkampf zu nutzen.

Eben gerade weil er in den Nationalrat will, macht der Zürcher Junge- Grüne- Gemeinderat Bastien Girod laut eigenem Bekunden mit. Mit Blüttlen hat er Erfahrung: kürzlich protestierte er einzig mit einem Nummernschild bekleidet gegen angeblich menschenverachtende Verhaftungsmethoden der Zürcher Stadtpolizei, wie die «SonntagsZeitung» berichtete.

Masse Mensch

Die Umweltorganisation Greenpeace, die mit der Aktion auf die Verletzlichkeit von Gletschern und Menschen aufmerksam machen will, hat zwar die eidgenössischen Räte ausdrücklich auf den Gletscher geladen, aber hat das danach «nicht weiter verfolgt».

Tunicks Aktionen beruhten auf Anonymität und Masse, sagt Greenpeace-Sprecher Yves Zenger, und seien nicht dazu angetan, dass sich Politiker damit profilieren könnten. Seit 1992 fotografiert Spencer Tunick nackte Menschenmassen an öffentlichen Orten. Vergangenen Mai stellte er in Mexiko-Stadt mit 18 000 Teilnehmern einen Rekord auf.

Nur nicht festfrieren

Wieviele Menschen am Wochenende den Vierstunden-Marsch auf den Aletschgletscher auf sich nehmen, um sich für den Klimaschutz zu entblössen, ist noch unklar. Laut Zenger hätten 1500 Freiwillige Interesse bekundet, doch rechneten die Organisatoren, dass höchstens ein paar hundert die Sache auch durchziehen.

«Ab 50 Leuten kommt die Aktion zustande», so der Greenpeace-Sprecher. Im Abstand von zwei Stunden werden zwei verschiedene Installationssujets geschossen. Nackt seien die Teilnehmer dabei nur kurz. Ausserdem sorge Greenpeace für Socken und Kissen, damit die Posierenden nicht am Boden festfrieren.

Verschiebedaten bei Wetterpech sind der 19., der 25. und der 26. August.

(sda)

Deine Meinung