Schlüpfrige Auktionen: Nacktfotos bringen eBay ins Schwitzen
Aktualisiert

Schlüpfrige AuktionenNacktfotos bringen eBay ins Schwitzen

Auf eBay verkaufen private Anbieter eindeutige Fotos von Frauen und Mädchen, obwohl dies gegen die AGB verstösst. Lange tolerierte es die Auktionsplattform – jetzt soll Schluss sein.

von
Roman Rey
Der künstlerische Wert und die Volljährigkeit der Models sind bei den Bildern auf eBay nicht immer gesichert.

Der künstlerische Wert und die Volljährigkeit der Models sind bei den Bildern auf eBay nicht immer gesichert.

«Als Aktfotografie bezeichnet man ein Genre der künstlerischen Fotografie, dessen Thema die Darstellung des nackten oder teilweise nackten menschlichen Körpers ist,» kann man auf Wikipedia nachlesen. Solche Aufnahmen erfreuen sich nicht nur bei Kunst-Fans grosser Beliebtheit – auf der deutschen Seite der Auktionsplattform eBay existiert eine eigene Rubrik dafür. Vieles, was man dort findet, kann man aber beim besten Willen nicht als Kunst bezeichnen. Ab einem Euro werden hier billige, amateurhafte Nackt-Aufnahmen von Frauen und manchmal auch minderjährigen Mädchen angeboten.

Über die Kategorien «Antiquitäten & Kunst», «Fotografie & Fotokunst ab 1970» landet der Kunde in der Schmuddelecke der Online-Plattform. Gemäss Jugendschützern ist die Volljährigkeit gewisser Models nicht nur zweifelhaft, schreibt die «Süddeutsche Zeitung». Es seien Kinder, die hier ihre blanke Brust in die Kamera halten. Dabei handle es sich aber nicht um Kinderpornografie. Wenn Minderjährige «unnatürlich geschlechtsbetonte Körperhaltungen einnehmen» sprechen die Experten von Jugendschutz.net von «Posenbildern». Neun Auktionen hat Jugendschutz.net im Februar bereits gemeldet, manche wegen eines «Verstosses gegen Straf- oder Jugendschutzbestimmungen».

Die AGB erlauben es eigentlich gar nicht

Gemäss den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von eBay hätte es gar nie so weit kommen dürfen. «Pornos, Erotikdarstellungen als Bilder oder Fotos, privat erstellte Erotikaufnahmen sind verboten», steht da. Ausdrücklich ausgeschlossen ist «jegliche Art von Angebot, das darauf ausgelegt ist, den Betrachter sexuell zu erregen.» Genau nahm eBay seine eigenen Richtlinien bislang nicht. Viele Bilder sind amateurhafte Erotikaufnahmen, manche wirken wie Privat- oder sogar Voyeur-Fotos.

Nicht nur bei diesen Bildern stellen sich einige Fragen: Hat das Mädchen eingewilligt, auf eBay nackt zu erscheinen? Achtet der Verkäufer die Rechte des Fotografen? Folgt er dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag und macht kein pornografisches Material Minderjährigen zugänglich? Auf Anfrage der «Süddeutschen Zeitung» schwiegen viele Händler, die wenigen Antworten deuten nicht darauf hin, dass sich die Verkäufer mit der rechtlichen Situation auseinandersetzen.

Bei ricardo.ch kein Problem

Die Recherche der «Süddeutschen Zeitung» hat die Plattform aufgerüttelt – jetzt will eBay aufräumen. Damit es für Händler schwieriger wird, erotische Fotos zu verkaufen, werden für die Rubrik «Akt & Erotik» Mindestpreise eingeführt. Gewerbliche Händler müssen demnach künftig fünf Euro oder mehr verlangen, Privatanbieter mindestens zehn Euro. Viele der problematischen Fotos gingen für weniger Geld über den virtuellen Ladentisch. Wie eBay gegenüber 20 Minuten Online bestätigt, wurden fehlbare Hänlder verwarnt oder gesperrt, ausserdem gab es eine manuelle Löschaktion: Von 13'000 Angeboten seien noch 3500 online geblieben.

Bei ricardo.ch, dem Schweizer Pendant zu eBay, scheinen heikle Nacktbilder kein grosses Problem darzustellen. Schmuddelige Bilder findet man hier keine. «Wir sehen uns als Familienplattform, deshalb haben wir relativ strenge Richtlinien,» sagt Barbara Zimmermann von Ricardo.ch gegenüber 20 Minuten online. Pornografische oder sexuelle Inhalte würden sofort gelöscht. «Nackte Haut erlauben wir nur, wenn es sich um künstlerische Werke handelt, die familientauglich sind.»

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