Aktualisiert 17.08.2012 12:04

Vinzens die Anti-Miss

«Nacktfotos? Ich würde es wieder tun»

Porno-Gerüchte, finanzieller Ruin oder komplette Erfolglosigkeit: Nadine Vinzens musste schon einiges über sich lesen. Im Interview mit 20 Minuten Friday redet die Ex-Miss Tacheles.

von
Lucien Esseiva

Nacktfotos, Führerschein weg, weil sie angetrunken am Steuer sass, und eine Affäre mit Jesse Metcalfe, dem heissen Gärtner aus «Desperate Housewives»: Nadine Vinzens, 28, passt nicht so recht ins Bild der braven Miss Schweiz. Das liegt daran, dass sie macht, was sie will, und gnadenlos positiv denkt.

Worst Dressed? Ein Kompliment für Nadine

Die Miss Schweiz 2002 fasst es sogar als Kompliment auf, wenn sie von der amerikanischen «Cosmopolitan» in die Liste der am schlechtesten angezogenen Prominenten gewählt wird, wie vergangenes Jahr geschehen.

Seit Jahren versucht die Bündnerin, sich als Schauspielerin einen Namen zu machen. Trotz Ausbildung an der renommierten Lee–Strasberg–Schauspielschule in L.A. hat es nur für Kurzauftritte in Werbespots und Sitcoms gereicht. Doch jetzt, endlich, scheint sich ihre Hartnäckigkeit auszuzahlen: Mit zwei Filmen ist Nadine Vinzens dieses Jahr in den Schweizer Kinos zu sehen. Für ihre Hauptrolle als zugedröhntes Partygirl in «Mary & Johnny» gabs sogar Lob von der NZZ.

«Missenmassaker» bei Vinzens und Buri

Entschuldigung fällig

In «Das Missen Massaker», der Horrorkomödie von Michael Steiner, zeigt sie nun ihr komödiantisches Talent. Regisseur Steiner ist des Lobes voll und erklärt, warum er die viel belächelte Miss gecastet hat: «Mich interessiert nicht, was irgendwelche Miesepeter mal geschrieben oder gesagt haben. Nachdem die Kritiker meinen Film gesehen haben, können sie sich bei Nadine entschuldigen.»

20 Minuten Friday: Nadine, ist es dir eigentlich egal, was die Leute von dir denken?

Absolut! Würde mich die Kritik oder die Meinung der anderen stören, dann könnte ich ja gleich meine Sachen packen und mich in einer Alphütte verkriechen.

Prallt Kritik völlig an dir ab?

Die meisten Sachen, die über mich geschrieben werden, lese ich gar nicht. Aber wenn ich dann über einen fiesen Artikel stolpere, tut mir das schon weh.

Zum Beispiel?

Als geschrieben wurde, ich würde Pornos drehen. Diese Schagzeile hat mich getroffen, denn sie war absurd und falsch.

Warum bist du vor fünf Jahren nach Los Angeles gezogen, um Schauspielerin zu werden?

Davon habe ich schon als Kind geträumt. Und ich werde bestimmt auch in zehn Jahren noch in L.A. sein.

Wie lebst du da?

Ich habe einen Loft in Hollywood, ein Auto und gute Freunde. Mein Leben ist nicht glamourös, aber ich liebe es.

Es heisst, du hättest kein Geld mehr, dass es dir in Amerika nicht läuft. Was sagst du dazu?

Völliger Unsinn! Es läuft sogar sehr gut. Ich habe in «CSI NY» gespielt und werde für Werbekampagnen gebucht, die in Hochglanzmagazinen wie «Vogue» oder «Elle» erscheinen. Und soeben habe ich einen TV-Spot für Visa-Karten abgedreht.

Als Schauspielerin hat man dich aber nie ernst genommen.

Das kann ich mir auch nicht erklären.

Vielleicht weil du den Durchbruch auch nach fünf Jahren in Amerika nicht geschafft hast?

Was heisst schon Durchbruch? Jeder kleine Schritt nach vorn ist für mich ein Erfolg. Meine Arbeit, mein Leben machen mich glücklich. Das ist es doch, was zählt.

Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden. Für deine Hauptrolle in «Mary & Johnny» hast du super Kritiken bekommen.

Ich habe hart an meiner Karriere als Schauspielerin gearbeitet und viel investiert. Es macht mich stolz, dass jetzt auch die anderen mein Talent erkennen.

Du hast einen ziemlich langen Atem, andere hätten längst aufgegeben. Warum du nicht?

Weil ich an mich glaube und mich vor niemandem zu rechtfertigen brauche. Ich bin zu 100 Prozent von mir und meiner Arbeit überzeugt. Kritiker wird es immer geben. Wichtig ist, dass ich damit umgehen kann, der Rest ist mir egal.

Bereust du etwas von dem, was du gemacht hast?

Ich bereue gar nichts. Weder dass ich Miss Schweiz war, noch dass ich nach Amerika gegangen bin. Alles, was ich gemacht habe, hat mich dahin gebracht, wo ich heute stehe. Aber natürlich habe ich auch Unsinn angestellt, besonders als ich noch jünger war.

Zum Beispiel dein Nacktshooting für das Porno-Magazin «Girls Gone Wild»?

Das ist kein Porno-Magazin! Jesses! Wie die Medien das aufgebauscht haben, war krass!

Hattest du keine Angst vor den Reaktionen?

Nein. Ich würde es wieder machen. Ich habe mich zwar nackt fotografieren lassen, aber wirklich gesehen hat man nichts. Porno ist eine ganz andere Ecke.

Hast du Berater, die dir bei deiner Karriere helfen?

Ich habe ein Management. Aber eigentlich treffe ich alle wichtigen Entscheidungen selber. So habe ich die absolute Kontrolle über mein Leben, das ist mir wichtig. Das gibt mir Freiheit.

Die US-«Cosmopolitan» hat dich für dein Chanel-Kleid am Zurich Film Festival vergangenes Jahr auf die «Worst Dressed»-Liste gesetzt.

Das ist doch cool! Ich gehe in Zürich an einen Anlass und lande danach in einem amerikanischen Hochglanzmagazin.

Hörst du überhaupt auf irgendjemanden?

Nur auf Vertrauenspersonen wie etwa meine Familie oder enge Freunde.

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