Aargau: Nacktkünstler gehen wegen Busse vor Gericht
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AargauNacktkünstler gehen wegen Busse vor Gericht

Thomas Zollinger sorgt mit seinen Nacktkunst-Performances für Schlagzeilen. Nun geht er wegen einer Vorführung vor Gericht.

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wed
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Für diese Aufführung auf einer Wiese in Schöftland AG wurden Thomas Zollinger und seine Nacktkünstler-Kollegen gebüsst.

Für diese Aufführung auf einer Wiese in Schöftland AG wurden Thomas Zollinger und seine Nacktkünstler-Kollegen gebüsst.

Die Aufführung fand auf einem privaten Landstück statt. Eine Person, die 250 Meter daneben wohnt, hatte jedoch etwas dagegen und rief die Polizei. Nun gehen die Nacktkünstler vor Gericht gegen die Busse vor.

Die Aufführung fand auf einem privaten Landstück statt. Eine Person, die 250 Meter daneben wohnt, hatte jedoch etwas dagegen und rief die Polizei. Nun gehen die Nacktkünstler vor Gericht gegen die Busse vor.

Mit seinen Nackt-Performances sorgte Zollinger unter anderem in Zürich und Bild für Aufsehen.

Mit seinen Nackt-Performances sorgte Zollinger unter anderem in Zürich und Bild für Aufsehen.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Mitten in der Stadt Zürich sorgten Ende August 2018 mehrere Nacktkünstler mit Performances für Aufsehen. Das Projekt des Schweizer Künstlers Thomas Zollinger wurde von der Stadt bewilligt und ging ohne Probleme über die Bühne. Deutlich mehr Ärger handelte er sich hingegen für eine Aufführung mit dem Titel «Nudeland» ein, die im kleinen Rahmen in der Aargauer Gemeinde Schöftland durchgeführt wurde.

An einem Sonntag im August 2017 versammelte sich Zollinger mit fünf weiteren Nacktkünstlern auf einer Wiese. Darunter auch Künstler Bruno Schlatter, der sich als «König Bruno der Erste und der Letzte» inszeniert und dem das abgelegene Land laut Zollinger gehört. «König Bruno führt dort immer wieder Kunstaktionen durch – er nennt die Fläche anarchistische Monarchie Noseland», erklärt Zollinger.

«Nacktheit selber ist kein Straftatbestand»

Nach rund 45 Minuten wurde die Aufführung dann aber abgebrochen. Eine Person störte sich an den Performances der sechs Nackten. «Die Person wohnte rund 250 Meter entfernt und rief die Polizei.» Zwei Beamte seien dann aufgetaucht und hätten 100-Franken-Bussen gegen fünf der Nacktkünstler ausgestellt – inklusive Initiant Zollinger. «König Bruno bekam keine Busse, weil er zwar nackt war, aber noch einen Umhang trug», sagt Zollinger, der in Biel lebt.

Die Begründung der Busse: Wer in der Öffentlichkeit wegen ungebührlichem Verhaltens oder Bettelns Ärgernis erregt, werde bestraft. Für Zollinger unverständlich: «Erstens ist Nacktheit selber kein Straftatbestand und zweitens schon gar nicht im Zusammenhang mit Kunst.» Besonders nicht in einer Zeit, in der gewünscht werde, dass Kunst irritiere und zum Nachdenken anrege.

Erlassung der Busse und bewilligte Aufführung als Forderung

Aus diesem Grund gingen Zollinger und zwei Frauen, die an der Aufführung beteiligt waren, gegen die Busse vor. Bei der Einspracheverhandlung mit dem Gemeinderat von Schöftland hatten sie aber keinen Erfolg – sie hielten laut Zollinger am Strafbefehl und an der Busse fest. «Aus diesem Grund haben wir die Beschwerde an die nächste Instanz weitergezogen und wollen erreichen, dass am 11. Januar vor dem Bezirksgericht Kulm die Busse zurückgezogen wird», sagt Zollinger.

Er fordere den Totalbetrag über 160 Franken für ungültig zu erklären, ihm eine Umtriebsentschädigung von 200 Franken auszuzahlen und dass der Gemeinderat Schöftland in den nächsten zwei Jahren ein Gesuch für die zweistündige Aufführung von «Nudeland» auf dem gleichen Grundstück bewillige.

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