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Parlamentarier-ReiseNacktscanner-Eklat empört Pakistan

Ein «Freundschaftsbesuch» von pakistanischen Politikern in den USA endete mit einem Fiasko: Sie verweigerten eine verschärfte Kontrolle auf dem Flughafen von Washington und werden nun daheim wie Helden gefeiert.

von
pbl
Einsatz eines Ganzkörper-Scanners auf dem Flughafen Boston.

Einsatz eines Ganzkörper-Scanners auf dem Flughafen Boston.

«Die Menschen sollten dankbar sein. Ihr habt sie so stolz gemacht», sagte Hamid Mir, Gastgeber einer der populärsten Talkshows im pakistanischen Fernsehen, als er vier der sechs Abgeordneten am Dienstag in seiner Sendung hatte. Die von Senator Abbas Khan Afridi geleitete Delegation sollte eigentlich die USA besuchen, um die Freundschaft zwischen den beiden Ländern zu stärken. Auf dem Programm standen ein Treffen mit Richard Holbrooke, dem Sondergesandten von Präsident Barack Obama für Afghanistan und Pakistan, sowie Besuche im Pentagon und beim Nationalen Sicherheitsrat.

Zum Eklat aber kam es laut einem Bericht der «New York Times» am letzten Sonntag, als die Gruppe von Washington nach New Orleans reisen wollte. Auf dem Ronald Reagan National Airport wurden die Parlamentarier aufgefordert, sich einer zusätzlichen Kontrolle in einem Ganzkörper- oder Nacktscanner zu unterziehen. Sie weigerten sich und liessen den geplanten Flug sausen. «Bei einem Körperscan fühlt man sich nackt, und damit wird das ganze Land entblösst», sagte Akhunzada Chitan, ein Mitglied der Delegation.

Keine «VIP-Kultur»

Die sorgsam geplante Reise endete dadurch mit einem PR-Fiasko für die USA, die sich intensiv bemühen, die heiklen Beziehungen zu Pakistan zu verbessern. Die Parlamentarier wurden von der Botschaft in Islamabad gezielt ausgewählt. Sie stammen aus den unterentwickelten und isolierten Stammesgebieten, wo die pakistanische Armee gegen die Taliban kämpft und der Hass auf die Amerikaner besonders gross ist. Ihnen sollte gezeigt werden, dass sie Vereinigten Staaten ein echter Verbündeter sind.

Dieser Schuss ging nach hinten los. «Wir sind enttäuscht, dass sich die Gruppe durch die Sicherheitsmassnahmen beleidigt fühlte, denen sich tausende Amerikaner und Besucher täglich unterziehen müssen», sagte Larry Schwartz, Kommunikationsberater der Botschaft, der «New York Times». Zwei weitere Beamte sagten der Zeitung, man habe die Delegation im Vorfeld auf die Möglichkeit verschärfter Kontrollen hingewiesen und gewarnt, es gebe in den USA keine «VIP-Kultur» mit Vorzugsbehandlung für Politiker.

Wegen USA-Reise bedroht

Pakistan gehört zu den 14 überwiegend muslimischen Ländern, deren Staatsbürger sich seit dem gescheiterten Anschlag auf ein Flugzeug an Weihnachten verschärften Kontrollen unterziehen müssen. Die Massnahme wurde weitherum als beleidigend empfunden für ein Land, das die USA als Verbündeten bezeichnen. Für die «New York Times» war der Protest der Politiker auf dem Washingtoner Flughafen denn auch in erster Linie ein Versuch, die Wählerschaft in der Heimat zufriedenzustellen.

«Unsere Leute waren sehr verstört, als sie von unserer Reise nach Amerika hörten», bestätigte Senator Afridi in der Talkshow. «Wir wurden deswegen bedroht, doch wir gingen das Risiko ein, um herauszufinden, ob Amerika tatsächlich an der Lösung unserer Probleme interessiert ist.» Die von den USA bezahlten 200 Dollar pro Tag für Unterkunft und Verpflegung werde man erstatten, «kein Problem», sagte Afridi, der mit Zement handelt – und einen brandneuen Hummer fährt, made in USA.

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