Schneckenplage: Nacktschnecken bringen Frau zu Fall

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SchneckenplageNacktschnecken bringen Frau zu Fall

Weil der Boden mit Nacktschnecken übersät ist, weigert sich eine Zeitungsverträgerin, weiterhin auszuliefern. Auch der Rest der Schweiz kämpft mit der Schneckenplage.

von
vro

«So etwas habe ich noch nie erlebt.» Annemarie Bär, Gebietsleiterin Uri und Schwyz der Presto Pressevertriebs AG, sieht sich zunehmend mit Beschwerden ihrer Zeitungsverträger konfrontiert. Der Grund: zu viele Schnecken. «Die kriechen an Hauswänden hoch, über Briefkästen und fressen manchmal sogar die Kleber weg, die auf die zuzustellende Zeitung hinweisen», sagt Bär zur «Neuen Luzerner Zeitung». Sie habe die Touren selbst schon gemacht und Wege gesehen, bei denen es kaum noch ein Durchkommen gegeben habe.

Eine von Bärs Zeitungsverträgerinnen musste die Schneckenplage kürzlich am eigenen Leib erfahren. Als sie vergangenen Freitag in einem Quartier in Schwyz die Zeitung verteilen sollte, rutschte sie auf einem Gartenweg auf den Schnecken aus. Seither weigert sie sich, im Quartier weiterhin die Zeitungen zu verteilen. Den Hauseigentümern schien das Problem nicht bewusst gewesen zu sein. Das liegt daran, dass die Nacktschnecke, die im Quartier ihr Unwesen treibt, nachtaktiv ist. Trotzdem müssen sie jetzt auf die gewöhnliche Postzustellung warten, um die Nachrichten lesen zu können.

«Im Moment sind wir gegen die Schnecken machtlos»

Doch nicht nur den Schwyzer Schnecken geht es momentan besonders gut. «In den letzten Wochen waren die Bedingungen für die rund 200 Schneckenarten in der Schweiz sehr gut», sagt Schneckenexperte Jörg Rüetschi vom WWF zu 20 Minuten. Auch der milde Winter habe dazu beigetragen, dass die Schneckendichte bereits im Frühling ziemlich hoch war. Ausserdem habe es kaum Hitzeperioden gegeben, die den Schneckenbestand reduziert hätten. «Im Moment hat es tonnenweise Spanische Wegschnecken, das höre ich von allen Seiten.»

Gegen die derzeitige Plage könne man nur wenig machen. «Mit Schneckenzäunen kann die Zuwanderung in die Gemüsegärten zumindest gestoppt werden, im Grossen und Ganzen sind wir momentan allerdings machtlos», sagt Rüetschi. Besonders die Spanische Wegschnecke lebe bei den aktuellen Bedingungen besonders gut.

Laut Rüetschi sind wir an der Invasion dieser braunen Nacktschnecke auch selbst schuld. «Sie wurde vor rund 60 Jahren in die Schweiz eingeschleppt und breitet sich noch immer aus. Den Höhepunkt haben wir leider noch nicht erreicht.» Die Spanische Wegschnecke wütet nachts aber nicht nur in Gemüsegärten, sondern tut auch Positives: Sie beseitigt tote Artgenossen und Hundekot.

Alternative: «Rent en Ent» oder Schneckenweitwurf

Wer trotzdem nicht ganz kampflos aufgeben will, kann auch zu etwas ungewöhnlicheren Mitteln greifen. Unter dem Namen «Rent en Ent» bietet Pia Öchslin aus Lauerz etwa Mietenten an, die den Garten von den Weichtieren befreien sollen. Für die quakenden Schädlingsvernichter sind die Schnecken eine Delikatesse. Ausserdem gilt die Devise, dass die Weichtiere bei einem Schneckenweitwurf kaum mehr in den Garten zurückkehren.

Nicht jeder sieht Schnecken als eklige, schleimige Weichtiere an. Haben Sie in Ihrem Garten besonders herzige Exemplare? Machen Sie ein Foto davon und schicken Sie es uns mit dem Formular!

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