Pussy Riot: Nadeschda muss im Straflager bleiben
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Pussy RiotNadeschda muss im Straflager bleiben

Ein russisches Gericht hat die Freilassung von Nadeschda Tolokonnikowa auf Bewährung abgelehnt. Das Mitglied der Protestband Pussy Riot muss den Rest ihrer zweijährigen Haftstrafe absitzen.

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gux/jcg

Ein Gericht in Mordowien hat am Freitag die Berufung von Nadeschda Tolokonnikowa abgewiesen. Gemäss der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti verwies die Richterin darauf, dass Tolokonnikowa mehrmals gegen die Haftordnung verstossen habe und dass für eine bedingte Strafaussetzung gutes Benehmen im Gefängnis entscheidend sei. Dass die Verurteilte ein minderjähriges Kind habe, sei schon bei der Verhängung der Strafe berücksichtigt worden.

Die Anwälte der Frau hatten das Gericht aufgefordert, ihre Mandantin vorzeitig aus der Haft zu entlassen, damit sie sich um ihre fünfjährige Tochter kümmern könne. Zudem seien Gefängnisbeamte offenbar nicht in der Lage, für angemessene Haftbedingungen zu sorgen, um Tolokonnikowas ständige Kopfschmerzern zu behandeln, sagte Anwalt Dmitri Dinse.

Die Anhörung ist von den Medien mit grossem Interesse verfolgt worden. Dutzende Journalisten reisten an das Gericht in Subowa Poljana in der Provinz Mordowien, wo sich Straflager aus der Zeit der Sowjetunion befinden.

Russische Medien wie «Echo.msk.ru» berichten, dass vor Gericht ein Psychiater erschienen sei, der darlegte, dass das Kind von Tolokonnikowa sich ohne Mutter nicht gesund entwickeln könne.

Aktivisten hatten heute am Gericht überdies eine Petition eingereicht, in der sie die Freilassung des Pussy-Riot-Mitglieds forderten.

Bei der Anhörung sagte Tolokonnikowa, die Strafkolonie sei gegen ihren Antrag auf vorzeitige Entlassung, da sie «keine Reue gezeigt» habe. Das Zeigen von Reue ist nach russischem Gesetz zwar keine Voraussetzung für eine vorzeitige Haftentlassung. Das Gericht soll aber bei seiner Entscheidung Berichte über das Verhalten des Verurteilten in der Haft berücksichtigen.

Die Strafkolonie verwies gegenüber dem Gericht auf eine Strafe, die sich Tolokonnikowa eingefangen habe, weil sie einen Gefängnisbeamten während eines Krankenhausaufenthalts nicht gegrüsst habe. Zudem sei sich einmal gerügt worden, weil sie sich geweigert habe, zu einem Spaziergang nach draussen zu gehen, als sie in einem Moskauer Gefängnis inhaftiert war.

Klagen in einer Socke

Wie «Svoboda.org» im Liveticker von der Verhandlung schrieb, waren die Haftbedingungen im Straflager und Tolokonnikowas Klagen darüber ein Thema vor Gericht.

So soll sie sich im April 2012 bei ihrem Anwalt über die Haftbedingungen beklagt haben - auf einem Zettel,der in einer Socke herausgeschmuggelt worden war. Sie beschrieb darin offenbar Misshandlungen an Insassinnen und die schlechte Versorgung.

Tolokonnikowa war im vergangenen Sommer wegen einer spektakulären Protestaktion gegen Präsident Wladimir Putin zusammen mit zwei anderen Mitgliedern der russischen Punkband zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Marija Aljochina sitzt noch in Lagerhaft. Das dritte Mitglied, Jekaterina Samuzewitsch, war später auf Bewährung freigelassen worden.

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