Nahost-Konflikt: Meinungen der Schweizer Juden sind vielfältig
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Nahost-Konflikt: Meinungen der Schweizer Juden sind vielfältig

Die Meinungen der Schweizer Juden zum Nahost-Konflikt seien vielfältig. Doch öffentlich würden sie oft in eine Position gedrängt, für Israel Stellung zu nehmen, sagt der Chefredaktor der jüdischen Zeitung «Tachles», Yves Kugelmann.

Juden müssten oft Pauschalhaftung für die Ereignisse im Nahen Osten übernehmen, sagte Kugelmann in einem Interview mit dem «Tages- Anzeiger» am Dienstag. Zwischen jüdischen Schweizern und Israeli werde dabei kaum ein Unterschied gemacht. Und so müssten sich Schweizer Juden dauernd zum israelichen Vorgehen rechtfertigen.

Die öffentlichen Reaktionen von offiziellen israelischen und jüdischen Stellen widerspiegelten jedoch in keiner Weise die Vielfalt der Meinungen innerhalb der jüdischen Gemeinde, sagte Kugelmann weiter. Die Diskussion unter den Juden in der Schweiz über Israel werde sehr intensiv und kontrovers, wenn auch nicht laut geführt.

Praktisch alle Juden stünden zwar absolut für das Existenzrecht Israels ein. Doch viele unterstützten auch einen Palästinenserstaat- allerdings nicht um jeden Preis. Denn die Juden in der Schweiz hätten oft Familie oder Freunde in Israel, und Israel sei für sie auch so etwas wie die letzte Zuflucht.

Und so zeigt sich Kugelmann auch in Bezug auf den aktuellen Krieg zwischen Israel und Libanon diplomatisch. Seine Reaktion auf die Bilder der Zerstörung und der Opfer sei «negativ auf alle Seiten hin». Doch er könne die israelische Haltung gegenüber Libanon leichter nachvollziehen als jene gegenüber den Palästinensern. (sda)

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