Nahost: Schärfere Kontrollen nach Selbstmord-Attentat
Aktualisiert

Nahost: Schärfere Kontrollen nach Selbstmord-Attentat

Beim ersten Selbstmordanschlag seit gut drei Wochen sind gestern am Grenzübergang Eres vier Personen getötet worden. Nach dem Anschlag wurde der Grenzübergang gesperrt und die Kontrollen verstärkt.

Eine palästinensische Selbstmordattentäterin, Mutter zweier Kinder, hat am Grenzübergang Eres zwischen Israel und dem Gazastreifen vier israelische Sicherheitskräfte mit in den Tod gerissen. Bei dem ersten Selbstmordanschlag im Nahen Osten seit fast drei Wochen wurden nach Militärangaben zudem sieben Menschen verletzt, darunter auch mehrere Palästinenser. Zu der Tat bekannten sich in einer gemeinsamen Erklärung die Hamas und die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden.

Bei der Attentäterin handelte es sich dem Bekennerschreiben zufolge um eine 22 Jahre alte Hamas-Kämpferin und zweifache Mutter aus Gaza-Stadt. Der geistliche Führer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, erklärte, mit ihr habe seine Organisation am Mittwoch erstmals eine Frau für einen Selbstmordanschlag eingesetzt. «Das ist ein Zeichen dafür, dass der Widerstand weitergehen wird», sagte er. Der Heilige Krieg sei «eine Verpflichtung für alle Muslime, Männer und Frauen».

Die Attentäterin erklärte den Grenzposten nach Angaben von Militärsprecherin Scharon Feingold bei der Kontrolle am Mittwochmorgen, der Metalldetektor werde bei ihr anschlagen, weil sie nach einem Beinbruch eine Schraube trage. Sie sei daraufhin zur Durchsuchung in einen Nebenraum geführt worden, wo sie die Bombe gezündet habe.

Die israelische Regierung verurteilte die Bluttat scharf und kündigte an, den Grenzübergang Eres für mehrere Tage für Palästinenser abzuriegeln. Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kureia lehnte es ab, die Tat zu verurteilen. Er erklärte lediglich, das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser führe zu «mehr Eskalation auf beiden Seiten». Aussenminister Nabil Schaath verurteilte die anhaltende Gewalt, äusserte sich jedoch nicht direkt zu dem jüngsten Anschlag.

Der Selbstmordanschlag war der erste seit dem 25. Dezember, als an einer Bushaltestelle in Tel Aviv vier Menschen getötet wurden. Eres ist der wichtigste Grenzübergang zwischen Israel und dem Gazastreifen. Von dort gelangen täglich etwa 6.000 Palästinenser zur Arbeit nach Israel.

Zwtl: Britischer Student erliegt Schussverletzungen

Palästinensische Heckenschützen nahmen am Dienstagabend vor einer jüdischen Siedlung nahe Ramallah im Westjordanland ein Fahrzeug unter Beschuss. Dabei wurde ein Israeli getötet, zwei seiner Landsleute wurden verletzt, wie die Streitkräfte mitteilten. Kurz zuvor erschossen israelische Soldaten im Gazastreifen einen Palästinenser.

Ein britischer Student erlag am Dienstag seinen Verletzungen, die ihm im April ein israelischer Soldat im Gazastreifen zugefügt hatte. Der 22-jährige Tom Hurndall starb nach neun Monaten im Koma, wie seine Familie am Mittwoch mitteilte. Ein israelischer Soldat soll Hurndall angeschossen haben, als dieser im Flüchtlingslager Rafah Kinder vor einem Panzer in Sicherheit bringen wollte. Der Student engagierte sich in der propalästinensischen Internationalen Solidaritätsbewegung (ISM).

Der irische Aussenminister Brian Cowen reiste unterdessen zu einer Vermittlungsmission in den Nahen Osten. Er will dort nach Angaben der Europäischen Union unter anderem mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und Aussenminister Silvan Schalom zusammentreffen. Irland hat seit Jahresbeginn die EU-Ratspräsidentschaft inne. (dapd)

Deine Meinung