Aktualisiert 05.08.2019 16:00

Verbannung aus Parks

Naht Rettung für Thuner Glacevelos?

Um ihre neuen Pächter vor der Konkurrenz zu schützen, will die Stadt Thun die Glacevelos aus den Parks verbannen. Eine SP-Stadträtin macht sich nun für die mobilen Eisverkäufer stark.

von
sul

Die Thuner Glacevelos geraten in Bedrängnis: Die Stadt will den beiden Anbietern Lukas Külling und Markus Später keine Verkaufsbewilligung mehr für den Schaudau- und den Bonstettenpark sowie für das Camping Gwatt erteilen. Begründung: Die neuen Pächter, deren Angebot ganzjährig und auch bei schlechtem Wetter bestehe, sollen im Sommer vor der Konkurrenz geschützt werden. Gegen den Entscheid der Stadt wehren sich Külling und Später mit einer Unterschriftensammlung.

Nun erhalten die beliebten Glaceverkäufer Unterstützung aus der Politik: SP-Stadträtin Alice Kropf (46) wird am 22. August ein Postulat im Parlament einreichen, in dem sie den Gemeinderat auffordert, vom geplanten Verbot abzusehen. «Dass die Stadt die Glacevelos aus den Parks vertreiben will, ist für mich vollkommen unverständlich», sagt Kropf. Die Erfrischung aus den mobilen Kühlboxen sei für alle erschwinglich, leicht zugänglich und deshalb besonders wertvoll für die Thuner Parks. Zudem führten die Glacevelos in ihrem Sortiment hausgemachtes, aus regionalen Produkten hergestelltes Eis, was für eine Angebotsvielfalt neben der verbreiteten Industrieglace sorge.

«Einschätzung der Stadt ist weltfremd»

Das Argument, dass die Glacevelos für die neuen Betreiber geschäftsschädigend sein könnten, hält Kropf für absurd. So klaffe zwischen der Klientel des Schlosses Schadau, wo man diverse Coupes für 11 Franken (Gross: 14.50 Franken) oder zwei Glace-Kugeln für acht Franken geniessen könne, und jener der Glacevelos eine «Riesen-Diskrepanz». Folglich handle es sich nicht um einander konkurrierende, sondern sich ergänzende Angebote. «Die Einschätzung der Stadt ist schlicht weltfremd», so Kropf.

Die Politikerin betont weiter, dass auch die Glacevelos ein Betriebsrisiko zu tragen hätten. «Auch sie erleiden Verluste bei Schlechtwetter-Perioden, auch sie investieren auf eigene Rechnung in ein Verpflegungsangebot und sind für die Instandhaltung der Velos und Kühlanlagen verantwortlich.» Hinzu kämen Fixkosten für die Lagergarage und die Gebühren für die Velos an die Stadt. «Die Ungleichbehandlung ist nicht zu rechtfertigen», so die SP-Frau.

1 / 3
Die Stadt will Lukas Külling keine Bewilligung mehr für den Glaceverkauf im Schadau- und Bonstettenpark sowie im Gwatt Camping erteilen.

Die Stadt will Lukas Külling keine Bewilligung mehr für den Glaceverkauf im Schadau- und Bonstettenpark sowie im Gwatt Camping erteilen.

sul
Dasselbe Schicksal würde Konkurrent Markus Später ereilen.

Dasselbe Schicksal würde Konkurrent Markus Später ereilen.

sul
Gegen den Entscheid der Stadt Thun wehren sich die beiden mit einer Unterschriftensammlung.

Gegen den Entscheid der Stadt Thun wehren sich die beiden mit einer Unterschriftensammlung.

Facebook

Schloss Schadau und TCS sehen kein Problem

Interessant: Auch die Pächter selbst sehen in den mobilen Eisverkäufern keine Gefahr für ihr Geschäft. Im Bewerbungsverfahren um die Pacht seien die Glacevelos kein Thema gewesen, sagt Roger Lehmann, Geschäftsführer im Hotel-Restaurant Schadau. «Da wir erst nächstes Jahr ein Take-Away-Konzept erarbeiten, sehe ich in ihnen derzeit eher eine Ergänzung als eine Konkurrenz.» Ähnlich klingt es beim TCS Schweiz, dem Betreiber des Gwatt-Campings, wo es auch einen Kiosk mit Glacen gibt. Auf die Stadt habe man keinerlei Druck ausgeübt, sagt Sprecher Laurent Pignot auf Anfrage. Weil das Hauptangebot der beiden Player – Glace beim einen, Camping beim anderen – grundverschieden sei, sehe man in den Glacevelos auch keine Konkurrenz.

Obschon das rechtliche Gehör am 5. August geendet hat, wollen Külling und Später bis im November – dann wird Kropfs Vorstoss im Parlament voraussichtlich behandelt – weiter Unterschriften sammeln. Damit, so Külling, wolle man den Stadträtinnen und Stadträten vor Augen führen, wie wichtig der Bevölkerung der Verbleib der Glacevelos in den Parks sei.

Fehler gefunden?Jetzt melden.