Aktualisiert 17.03.2011 18:14

Spiel-CheckNanos für gut befunden

Offenbar hat die Migros vorgesorgt, um einen Nano-Skandal zu vermeiden. Kinderarbeit, giftige Substanzen, Sicherheitsrisiken? Nichts. Selbst der Konsumentenschutz ist überrascht.

von
Elisabeth Rizzi

Migros wiederholt offenbar die Fehler der Credit Suisse nicht. Die Grossbank verteilte vor der Euro 2008 gratis Fussbälle. Das war eine sympathische Goodwill-Aktien. Doch, sie wurden auch in Kinderarbeit hergestellt. In dieses Fettnäpfchen wollte Migros nicht treten: Der orange Detailhändler hat bei seiner Nano-Aktion nun so genau auf die Produktions- und Umweltbedingungen geachtet, dass Kritiker nichts finden, das zu beanstanden wäre. Über 50 Millionen Nanos hat die Migros inzwischen verteilt.

Zwar werden die Nanos und die Multibox in China fabriziert. Und das Stickeralbum stammt aus Italien. Doch erfüllt die Migros die vom Spielwarenverband empfohlene BSCI-Zertifizierung zur Sicherstellung von sozialverträglichen Arbeitsbedingungen. Die Einhaltung wird laut Migros-Sprecherin Monika Weibel vorranging durch die drei Firmen SGS aus der Schweiz, InterTek aus Deutschland und STR aus den USA überwacht.

Bei Lego erprobt

Auch beim Sicherheitsaspekt hat sich der Detailhändler gegenüber unwillkommenen Skandalen punkto Weichmachern, schädlichen Farbstoffen etc. abgesichert. Das Aussenmaterial besteht aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS). Dieses Material hat sich bereits jahrzehntelang bei Legosteinen bewährt. Die Kugeln im Innern besteht aus Metall.

Peter Stauffer vom Kunststoffverband Schweiz findet: «ABS ist einfach und umweltgerecht zu verarbeiten. Als einziges gilt zu beachten, dass beim Einfärben entsprechend der Lebensmittelverordnung kompatible Farben verwendet werden. Denn es kann geschehen, dass Kinder Nanos in den Mund nehmen.» Auch die Entsorgung im Hauskehricht sei umwelttechnisch unbedenklich.

Punkto Gesundheitsverträglichkeit hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nichts zu beanstanden. «Das BAG hat die Prüfberichte einsehen können und als in Ordnung befunden», so BAG-Sprecherin Nora Meyer. Die Nanos seien nach der europäischen Normreihe EN71 zur Garantie der Sicherheit geprüft worden.

Selbst aus der Tatsache, dass Nanos leicht verschluckt werden können, kann der Migros kein Strick gedreht werden. Im Februar war ein Vierjähriger im Spital gelandet, weil er einen Nano verschluckt hatte. «Die Verpackung für die Nano-Kapseln sind korrekt mit dem gemäss Spielzeugverordnung vorgegebenen Warnhinweis beschriftet – das heisst mit dem Logo ‚Nicht für Kinder unter 3 Jahren geeignet, enthält verschluckbare Kleinteile'», so Meyer.

«löbliche Ausnahme»

Bei der Stiftung für Konsumentenschutz warnt zwar Geschäftsleiterin Sara Stalder: «Was wir wissen ist, dass alle Billigspielzeuge – dazu zählen wir in diesem Fall auch die Nanos, die ja gratis abgegeben werden – risikoreicher sind, als andere.» Das gelte insbesondere für Spielzeuge, die im Osten produziert würden. «Vergangenen Winter wurde bei einem Test der Verbraucherzentrale Deutschland ein weiteres Mal klar, dass Spielzeuge sehr belastet sind mit Stoffen wie Weichmacher, Farbe, Gerüche, die gesundheitsgefährdend sind», sagt sie.

Allerdings gibt selbst sie sich versöhnlich: «Es ist bei solchen Werbeaktionen die grosse und löbliche Ausnahme, dass die Werbeartikel nach ökologischen und sozialen Standards hergestellt werden und damit auch nachhaltig sind», sagt Stadler.

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