Serie A: Napoli ist Leader – Sarri will keine «Blasphemie»

Aktualisiert

Serie ANapoli ist Leader – Sarri will keine «Blasphemie»

Historisches tut sich in der Serie A: Napoli ist zum ersten Mal seit den Zeiten von Maradona wieder Leader. Dank Higuaín ... und San Gennaro.

von
Sandro Compagno

Vor dem Spitzenspiel gegen Inter Mailand hatte die «Gazzetta Sportiva», die Sonntagsausgabe der rosaroten Sportbibel, eine Umfrage unter Primarschülern in Neapel gemacht und sie nach ihren Gedanken und Gefühlen vor dem grossen Spiel befragt. Ein Giovanni erklärt, er habe seinem Vater gesagt, er wolle «einen Irokesen wie Hamsik, wenn Napoli gewinnt». Eine Carmen wird zitiert: «Napoli muss gewinnen, sonst sagt mein Vater wieder viele hässliche Wörter und schreit herum und am besten spricht man einen ganzen Tag nicht mehr mit ihm.» Und ein Bub namens Agrippino erzählt, er werde am Montag vor dem Spiel «niederknien und San Gennaro um Hilfe bitten».

Zweimal Alu in der Nachspielzeit

San Gennaro, der Stadtheilige Neapels, muss die Gebete des kleinen Agrippino erhört haben. 2:1 führte die SSC Napoli nach einem Doppelschlag von Gonzalo Higuaín und dem Anschlusstreffer von Adem Ljaji. Nach der Ampelkarte gegen Yuto Nagatomo spielten die Süditaliener zudem in Überzahl. Doch in der Nachspielzeit liess der heilige Gennaro gleich zwei Schüsse Inter Mailands an der Torumrandung abprallen, einmal unterstützt durch einen starken Reflex von Goalie Pepe Reina.

Es war nicht zu eruieren, ob der Lärm der 55'000 im Stadio Sao Paolo nach dem Schlusspfiff nach 94 Minuten mehr ein Freudenschrei oder ein Seufzer der Erleichterung war. Tatsache ist, dass Napoli erstmals seit 1990 allein an der Spitze der Serie A steht. Für die jüngeren Leser (also, die Zielgruppe von 20 Minuten): Von 1984 bis 1991 spielte ein etwas untersetzter Argentinier namens Diego Armando Maradona am Fusse des Vesuv und führte die Società Sportiva Calcio 1987 und 1990 zu ihren beiden Meisterschaften.

Higuaín vier Kilo leichter und stark wie nie

Heute ist es wieder ein Argentinier, die die Fans am Vesuv träumen lässt: Gonzalo Higuaín. Seit der argentinische Stürmer 2013 von Real Madrid nach Neapel wechselte, erfüllt er die Erwartungen. 53 Tore schoss der 27-Jährige in den vergangenen zwei Spielzeiten wettbewerbsübergreifend. Doch unter Trainer Maurizio Sarri hat er sein Niveau noch einmal gesteigert. Seine Doublette im Spitzenspiel waren die Saisontore Nr. 11 und 12, zum achten Mal in Serie traf er in einem Heimspiel. (Maradona schaffte neun.) Dieser Höhenflug soll auch mit einem veränderten Ernährungsplan zusammenhängen: Statt saftigen Steaks steht Fisch auf dem Mittagstisch. Der argentinischen Sportzeitung «Olé» sagte Higuaín im Sommer, er habe vier Kilo abgenommen.

Sarri: «Wir sind noch nicht mal sicher!»

Am Vesuv hoffen sie auf den ersten «Scudetto» seit 1990, nicht nur die Fans, auch die Spieler. «Es ist legitim, zu träumen», sagt Higuaín. Doch davon will Trainer Maurizio Sarri nichts hören. «Der Scudetto ist ein Fluch. Zwingt mich nicht zur Blasphemie!», sagte der 56-Jährige nach dem Spiel und rechnete vor, dass die bislang gewonnenen 31 Punkte noch nicht einmal für den Klassenerhalt reichen. Und damit das auch jedem seiner Spieler klar wird, kündigte der «Mister» an, dass er am Dienstag nicht feiern, sondern die letzten 20 Minuten thematisieren werde, als zehn Interisti mächtig Druck machten: «Meine Spieler bekommen einen ordentlichen Zusammenschiss.» Und ja, er sagte wörtlich «Cazziatone» ...

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