Neuland: Nasa will den Amerikanern Europa näherbringen
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NeulandNasa will den Amerikanern Europa näherbringen

Die US-Raumfahrtbehörde plant, eine Sonde auf dem Jupitermond Europa zu landen. Dort soll es fliessendes Wasser geben: eine Voraussetzung für Leben.

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jcg
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Der zweitinnerste Jupitermond Europa soll mittels einer Sonde erforscht werden. Auf dem Planeten gibt es flüssiges Wasser, was eine Grundvoraussetzung für mögliches Leben ist.

Der zweitinnerste Jupitermond Europa soll mittels einer Sonde erforscht werden. Auf dem Planeten gibt es flüssiges Wasser, was eine Grundvoraussetzung für mögliches Leben ist.

NASA
Noch ist die Gestalt der Sonde nicht bestimmt. Ein vielversprechendes Projekt ist Europa Clipper. Dabei soll die Sonde nicht auf dem Mond landen, sondern auf rund 45 Vorbeiflügen kostengünstig Daten über die Beschaffenheit Europas sammeln.

Noch ist die Gestalt der Sonde nicht bestimmt. Ein vielversprechendes Projekt ist Europa Clipper. Dabei soll die Sonde nicht auf dem Mond landen, sondern auf rund 45 Vorbeiflügen kostengünstig Daten über die Beschaffenheit Europas sammeln.

NASA
Die Jupiter-Sonde Galileo sammelte bereits in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahren Daten über Jupiter. Deshalb weiss man, dass es auf dem Planeten viel Wasser gibt.

Die Jupiter-Sonde Galileo sammelte bereits in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahren Daten über Jupiter. Deshalb weiss man, dass es auf dem Planeten viel Wasser gibt.

NASA

Auf dem Erdmond und dem Saturnmond Titan sind Raumschiffe der Nasa bereits gelandet, nun soll der zweitinnerste Jupitermond mit einer Sonde genauer unter die Lupe genommen werden. Dies kündigte Nasa-Chef Charles Bolden im Rahmen seiner Ansprache zur Lage der US-Raumfahrtbehörde in Cape Canaveral an.

Der Europa genannte Jupitermond hat einen Durchmesser von 3121 Kilometern und ist damit etwas kleiner als der Mond. Er ist rund 630 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Unter seiner gefrorenen Oberfläche soll sich ein riesiger Ozean verbergen, der möglicherweise zwei- bis dreimal so viel Wasser enthält, wie es auf der Erde gibt. Und in diesem flüssigen Wasser könnte sich Leben entwickelt haben.

Boeing CST-100

Dieses Wasser dürfte auch für die mysteriösen braunen Striche verantwortlich sein, die charakteristisch für das Aussehen des Mondes sind. Wissenschaftler vermuten, dass sie entstehen, wenn durch Risse im Eis dreckiges Wasser an die Oberfläche gelangt und dort wieder gefriert.

Gigantische Gezeitenkräfte

Verantwortlich dafür ist laut Forschern die Anziehungskraft des Jupiters, des grössten Planeten unseres Sonnensystems. Diese führt zu Gezeiten auf Europa, die deutlich stärker sind als die durch unseren Mond auf der Erde verursachten Ebbe und Flut. Dadurch wird der Mond derart durchgeknetet, dass immer wieder Risse im Eis einstehen. Die Gezeitenströme produzieren auch so viel Reibungshitze, dass das Wasser unter der Eiskruste flüssig bleibt.

Am nächsten kam Europa bisher die Nasa-Raumsonde Galileo, die 1989 gestartet wurde, um die vier galileischen Jupitermonde zu erkunden. Die Monde Io, Europa, Ganymed und Calisto werden so genannt, weil sie 1610 vom italienischen Universalgelehrten Galileo Galilei erstmals beschrieben wurden. Das Wissen um die verborgenen Ozeane auf Europa haben die Wissenschaftler den Daten zu verdanken, die Galileo in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre gesammelt hatte. Wann die neue Raumsonde Richtung Europa starten soll, ist noch nicht bestimmt. Es dürfte aber noch rund 10 Jahre dauern.

Noch ist die genaue Gestalt der Sonde nämlich nicht festgelegt. Am vielversprechendsten ist das Konzept Europa Clipper. Dabei soll eine Sonde innerhalb von drei Jahren 45-mal an Europa vorbeifliegen und dabei auf kostengünstige Weise möglichst viel über den Mond erfahren.

519 Millionen mehr für die Nasa

Die künftige Mission ist Bestandteil des Nasa-Budgets 2016, das US-Präsident Barack Obama dem Kongress am Montag zur Genehmigung vorgelegt hat. Insgesamt soll die Nasa für ihre Aktivitäten 18,5 Milliarden Dollar für das Fiskaljahr erhalten. Das sind 519 Millionen mehr als 2015, was Insider dahingehend deuten, dass der Präsident die viel beklagte Geldnot der Nasa endlich anerkennt. 30 Millionen Dollar des Budgets sind für die Entwicklung der Europa-Mission reserviert. Im Budget 2015 hatte der Kongress bereits 100 Millionen Dollar für Vorprojekte einer Europa-Sonde gesprochen.

Deutlich mehr Geld soll 2016 in die Partnerschaft mit Boeing und SpaceX fliessen. 1,24 Milliarden oder 54 Prozent mehr als 2015 sollen die beiden Privatfirmen für die Entwicklung und den Betrieb ihrer Personentransporter zur Internationalen Raumstation ISS erhalten. Diese sollen 2017 erstmals fliegen und die Abhängigkeit der Nasa von den russischen Sojus-Raumschiffen beenden. Weniger Geld gibt es dagegen für den Bau der Orion-Kapsel, die dereinst Menschen auf den Mars bringen soll.

Gar nichts mehr gibt es schliesslich für den Methusalem unter den Mars-Rovern. Opportunity, der seit 11 Jahren den Mars erkundet, litt in den letzten Monaten zunehmend unter Altersgebrechen. So lässt sich zum Beispiel der Flash-Speicher des Rovers immer schlechter löschen und neu beschreiben. Allerdings sah bereits das Budget 2015 keine Gelder mehr für den kleinen Roboter vor, der ursprünglich nur drei Monate aktiv sein sollte. Trotzdem fand die Nasa Mittel und Wege, den Ausdauersportler am Leben zu erhalten. Es wird sich zeigen, ob Curiosity auch nach dem 1. Oktober 2015, wenn das neue Budget greift, einen funktionstüchtigen Kameraden auf dem Mars haben wird.

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