Aktualisiert 02.01.2010 13:01

Betrügerischer Arzt«Nasendoktor» versteckte sich in den Alpen

Er war ein erfolgreicher Schönheitschirurg und wurde zu einem der meistgesuchten Kriminellen der USA. Nach fünfjähriger Flucht wurde Mark Weinberger aufgespürt – in einem Zelt am Fuss des Mont Blanc.

von
pbl
In diesem Zelt hielt sich Mark Weinberger versteckt. (Bild: Keystone)

In diesem Zelt hielt sich Mark Weinberger versteckt. (Bild: Keystone)

Mark Weinberger war die Verkörperung des amerikanischen Traums. Der 46-jährige Hals-, Nasen- und Ohrenarzt besass eine eigene Praxis für Schönheitschirurgie in Merrillville im Staat Indiana. Laut seiner Frau Michelle verdiente er 200 000 Dollar pro Woche. Davon leistete sich der «Nasendoktor», wie er genannt wurde, eine Luxusvilla, eine Privatjacht, einen Chauffeur, einen persönlichen Trainer, Dienstboten und Köche. Zehn Tage pro Monat nahm er frei, um das Leben zu geniessen.

Die Probleme begannen im Oktober 2002, als eine von Weinberger behandelte Frau an Speiseröhrenkrebs starb. Ihr Anwalt reichte Beschwerde beim Versicherungsamt von Indiana ein: Der Arzt habe den Krebs nicht diagnostiziert, dafür aber eine unnötige Nasenoperation vorgenommen, die von der Krankenkasse der Frau bezahlt wurde. In der Folge meldeten sich Dutzende Patienten, die ebenfalls über unnötige Operationen klagten.

22 Fälle von Versicherungsbetrug

Der «Nasendoktor» wurde 2006 in 22 Fällen von Versicherungsbetrug angeklagt, hinzu kamen rund 300 Zivilklagen von Patienten. Da war Mark Weinberger bereits seit zwei Jahren verschwunden. Im Herbst 2004 hatte er Michelle zu ihrem 30. Geburtstag eine Reise mit seiner Jacht nach Mykonos geschenkt. Eines Morgens erwachte sie allein im Bett. Ihr Mann hatte sich abgesetzt mit Geld, das er auf dem Schiff versteckt hatte.

Das FBI setzte Weinberger auf die Liste der meistgesuchten Kriminellen. Doch die Fahndung blieb jahrelang erfolglos. Bis ein Bergführer in den italienischen Alpen Mitte Dezember die Carabinieri informierte: Ein Mann übernachte auf 2000 Meter Höhe am Südhang des Mont Blanc in einem Zelt, bei Temperaturen bis minus 18 Grad. Er ernährte sich von Konserven und Trockennahrung und trank geschmolzenen Schnee.

Missglückter Selbstmordversuch

Zwei Offiziere der Carabinieri suchten den mysteriösen Mann auf und brachten ihn nach Courmayeur im Aostatal. Er wolle «ein Leben in der Wildnis leben», versuchte sich der Unbekannte gemäss dem «Guardian» herauszureden. Als sich herausstellte, dass es sich um den gesuchten Mark Weinberger handelte, rammte er sich ein Messer in den Hals. Doch er verfehlte die Arterie und wurde in ein Spital in Turin gebracht.

Am 24. Dezember akzeptierte ein Gericht das amerikanische Auslieferungsgesuch. Nun muss der Justizminister entscheiden, ob der «Nasendoktor» tatsächlich ausgeliefert wird. Seine Praxis wurde längst versteigert – es stellte sich heraus, dass der vermeintliche Erfolgsarzt 5,7 Millionen Dollar Schulden hatte.

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