Fall Kampusch: Nataschas Mutter ist keine Mitschuldige

Aktualisiert

Fall KampuschNataschas Mutter ist keine Mitschuldige

Ein ehemaliger Richter hatte Brigitta Sirny beschuldigt, an der Entführung ihrer Tochter Natascha Kampusch beteiligt gewesen zu sein. Zu Unrecht, wie nun ein Grazer Gericht entschied.

Der pensionierte Richter Martin Wabl, der früher mit dem Fall Kampusch betraut war, hatte gegenüber Medien und Behörden Natascha Kampuschs Mutter Brigitta Sirny mehrmals Mitschuld an der Entführung und dem sexuellen Missbrauch ihrer damals zehnjährigen Tochter unterstellt. Sirny bestritt diese Vorwürfe energisch - und klagte.

Nun hat sie den Zivilprozess gegen Martin Wabl gewonnen. Somit darf Wabl nicht länger behaupten, Sirny sei am Verschwinden ihrer Tochter mitschuldig. Wie der Onlinedienst «oe24.at» weiss, heisst es im Urteil, dass Wabl «zu keiner Zeit auch nur über einigermassen zureichende Anhaltspunkte für einen begründeten Verdacht» verfügte.

«Selbstüberschätzung des Beklagten»

Der Wahrheitsbeweis für seine Äusserungen sei Wabl «vollkommen misslungen», ist weiter zu lesen. Daher sei er verpflichtet «die bereits oftmals wiederholten Behauptungen zu unterlassen». Generell ist im Urteil von einer «Selbstüberschätzung des Beklagten» die Rede.

Wabl hat nun vier Wochen Zeit, um gegen dieses Urteil Berufung einzulegen. Er wird mit den gesamten Verfahrenskosten belastet.

Natascha und Vater Kampusch als Zeugen

Ludwig Koch, Nataschas Vater, hatte als Zeuge im Prozess behauptet, er könne nicht sagen, ob er den Entführer Wolfgang Priklopil gekannt habe - und er bezweifelte auch, dass Sirny dies mit Bestimmtheit ausschliessen könne. Er schilderte, dass Sirny am Tag von Nataschas Verschwinden bereits eine Anzeige erstattet hatte, bevor sie ihn anrief. «Das hat mich im Nachhinein verwundert», so Koch. Anders als ihr Vater entlastete Natascha Kampusch ihre Mutter aus dem Zeugenstand heraus.

Während dem Prozess zeigten sich allerdings drei andere Zeugen sehr kritisch gegenüber Sirny. Einer davon ist der ehemalige Chef des Wiener Sicherheitsbüros Max Edelbacher. Edelbacher behauptet nämlich, bei Kampusch handle es sich um ein missbrauchtes Kind. Er beschreibt Sirny als umtriebig, als Frau mit vielen Männerbekanntschaften.

(kle)

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