Aktualisiert 19.06.2012 20:18

Strengere Regel

Natelortung droht ausser Kontrolle zu geraten

Handys oder Digicams können Nutzer auf den Meter genau orten. Nun warnen Experten und fordern Regeln.

von
jeb
Personenortung mit dem Handy.

Personenortung mit dem Handy.

Auf Schritt und Tritt überwacht: Dank Ortungstechnologie in Smartphones, Laptops, Navigationssystemen und modernen Digitalkameras kann auf den Meter genau gemessen werden, wo wir uns gerade befinden. Neben der Satellitenortung durch GPS gibt es heute mehr als ein Dutzend Technologien, die indirekt die Personenortung zulassen.

Datenschützer sind besorgt

Nun warnt eine neue Studie vom Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) vor dem Verlust der Kontrolle. «Gewisse Applikationen greifen auf Ortungsdaten zu, ohne dass der Nutzer davon weiss», erklärt Studienleiter Lorenz Hilty, Professor für Informatik an der Universität Zürich. Die neuen Technologien machen auch dem Datenschützer Bruno Bäriswil sorgen: «Jeder hat das Recht, sich im öffentlichen Raum unbeobachtet zu bewegen und darf selbst bestimmen, wer ihn orten darf.» Dies garantiere die Verfassung.

In der Kritik stehen vor allem Social-Media-Applikationen mit Firmensitz im Ausland. Sie garantieren das «Recht auf Vergessen» nicht und es droht die Gefahr, dass die Daten missbraucht werden. «In der Schweiz hat man gute rechtliche Grundlagen, um seine Daten zu schützen», so Hilty. Das nützt aber wenig, wenn man die Rechtsverletzung im Inland nicht anklagen kann. Deshalb fordern die Studienverfasser, dass die Schweizer Politik sich des Themas annimmt. Ausserdem empfehlen sie, die Medienkompetenz der Jugendlichen zu fördern.

(jeb/sda)

Herr Hilty, hat Geotagging auch Vorteile?

Lorenz Hilty*: Handyortungen in einem Notfall sind für die Rettungsdienste eine grosse Erleichterung. Auch Demenzkranke können mit GPS überwacht werden. Künftig werden wir mit dem Handy unsere Bustickets begleichen, da die zurückgelegte Strecke berechnet werden kann.

Wie stehts um ortsbezogene Werbung?

Im Geotagging liegt für die Werbung grosses Potenzial. Sie wird vermehrt Ortungstechnologien verwenden und Kunden ansprechen, wenn diese direkt vor dem Produkt stehen. Spaziere ich an einer Pizzeria vorbei, werde ich auf Aktionen hingewiesen.

Und im Privatbereich?

Es gibt Apps, die Gleichinteressierte im näheren Umkreis orten können. Ein ideales Flirttool.

*Prof. Lorenz Hilty ist Autor der Studie «Geographische Wegmarken in der Cyberwelt».

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