Aktualisiert 07.11.2018 11:26

«Fett-weg-Spritze»

Nathalie Céline liess sich Doppelkinn wegmachen

Frauen unterziehen sich vermehrt Eingriffen, um ihr Doppelkinn loszuwerden. Darunter sind auch solche, die kaum Fett haben.

von
B. Zanni
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Mit dem Doppelkinn habe sie sich zu 99 Prozent wohl gefühlt, sagt die Thurgauer Lifestyle-Youtuberin Nathalie Céline.

Mit dem Doppelkinn habe sie sich zu 99 Prozent wohl gefühlt, sagt die Thurgauer Lifestyle-Youtuberin Nathalie Céline.

Nathalie Céline
Es habe nicht zum Rest ihres Körpers gepasst, erzählt sie.

Es habe nicht zum Rest ihres Körpers gepasst, erzählt sie.

Screenshot/Youtube
Mit dem neuen Kinn fühle sie sich zu 100 Prozent wohl.

Mit dem neuen Kinn fühle sie sich zu 100 Prozent wohl.

Screenshot/Youtube

«Es fühlt sich an wie Muskelkater am Kinn», beschreibt Lifestyle-Youtuberin Nathalie Céline das Gefühl nach ihrem Eingriff beim Beauty-Doc. Kürzlich liess sich die Thurgauerin ihr Doppelkinn entfernen – ein «Problemzönchen», wie sie ihren knapp 100'000 Followern in einem Video erzählte. «Ich habe mein Doppelkinn mit einer Fett-weg-Spritze entfernen lassen.» Dabei werde eine Flüssigkeit in die Fettzellen gespritzt, die die Fettzellen zerstöre, erklärt sie. «In vier bis sechs Wochen sind die Fettzellen im Körper abtransportiert.»

Mit ihrem Körper sei sie immer «megazufrieden» gewesen, so Nathalie Céline. «Aber ich fand halt immer, dass das Doppelkinn nicht zum Rest meines Körpers passt.» Jetzt fühle sie sich nicht mehr zu 99 Prozent, sondern zu 100 Prozent wohl.

Doppelkinn sei kaum vorhanden

In Beauty-Kliniken kostet der Kampf gegen das Doppelkinn je nach Behandlungsmethode (siehe Box) zwischen 300 und 3000 Franken. Vertreter von Beauty-Kliniken stellen fest, dass junge Frauen vermehrt eine Doppelkinn-Korrektur wünschen. Die Nachfrage nach Doppelkinn-Behandlungen habe sich in seiner Praxis in den letzten zwei Jahren verdoppelt, sagt David Kiermeir, ästhetischer Chirurg bei Kiermeir Aesthetics in Bern.

Die Patientinnen seien oft normalgewichtig und störten sich an geringen Fettablagerungen am Hals. «Durch die Verbreitung von Selfies sieht man sich immer häufiger auch von der Seite und entdeckt dadurch Imperfektionen im Profil, die früher beim Blick in den Spiegel von vorne nicht sichtbar waren», erklärt Kiermeir.

Auch die Klinik Delc in Biel verzeichnet eine doppelt so hohe Nachfrage. Pro Monat führt die Klinik 15 bis 20 solcher Behandlungen durch. «Viele junge Patientinnen haben praktisch kein Doppelkinn, stören sich aber trotzdem daran», sagt die medizinische Praxisassistentin Céline Wilome. Doch dies schreckt die Chirurgen nicht vor Eingriffen zurück. Auslöser seien Selfies, erklärt Wilome. «Die Patientinnen mögen es nicht, wenn sie ein leichtes Doppelkinn bekommen, wenn sie beim Posen den Kopf nach unten beugen.»

«Doppelkinn kann seinen Charme haben»

Auch in anderen Kliniken wird immer mehr Kinnfett abgesaugt. Pro Monat empfange er dafür mittlerweile rund zehn Patientinnen, sagt ein ästhetischer Chirurg, der anonym bleiben will. Meist handle es sich um normal- bis sogar untergewichtige junge Frauen ab 22 Jahren. «Viele Patientinnen sagen, dass sie bei Selfies in bestimmten Stellungen komisch aussehen und deshalb das Fettdepot in ihrem Kinn loswerden wollen.»

Manche junge Frauen gehen noch einen Schritt weiter. «Sie wollen nicht nur ein leichtes Doppelkinn entfernen, sondern auch den Unterkiefer und das Kinn in eine ästhetische Form bringen», sagt Kiermeir. Als Vorbild dienten ihnen teilweise Influencer wie etwa Alexis Ren. «Sie entspricht mit der Dreiecksform ihres Gesichts dem weiblichen Schönheitsideal – ein schmaler Unterkiefer läuft auf ein schlankes Kinn zu.»

Gesundheitspolitikerin Bea Heim (SP) beurteilt den Trend kritisch. «Etwa bei einer Liposuktion an den Beinen können Dellen, Schmerzen und Entzündungen die Folge sein», sagt sie. Es bleibe nur zu hoffen, dass die jungen Frauen über die Risiken der Doppelkinn-Eingriffe gut informiert würden. Bei allem Verständnis für den Wunsch, gängigen Schönheitsidealen zu entsprechen, so ganz nachvollziehen könne sie den Trend nicht. «Schönheitsvorstellungen sind wandelbar. Die Frage ist, ob man jedem Trend aufsitzen soll – ein Doppelkinn kann auch durchaus seinen Charme haben.»

(Video: Youtube / Nathalie Céline)

Handykonsum als Grund für Doppelkinn

Hartnäckig hält sich im Netz die Theorie, dass die ständige Nutzung von Mobiltelefon, Laptops und Tablets Doppelkinne begünstigen. Das Starren nach unten auf das Display solle dafür sorgen, dass die Halsmuskulatur erschlafft und sich zurückentwickelt. Das so genannte Tech-Neck-Syndrom stellen die von 20 Minuten kontaktierten Ärzte jedoch in Abrede. Ein Doppelkinn hänge etwa mit Übergewicht oder der genetischen Veranlagung zusammen.

Methoden gegen Doppelkinn

Fett-weg-Spritze (Injektionslipolyse)

Mit einer feinen Nadel wird ein Wirkstoff aus einem fettauflösenden Medikament und einem Vitamincocktail in das Unterhautfettgewebe gespritzt. Darauf baut der Organismus das überschüssige Fett über Leber und Lymphsystem ab.

Cool Sculpting (Kryolipolyse)

Das Fettgewebe wird stark heruntergekühlt. Die Fettzellen werden durch Abkühlung des Unterhautgewebes abgebaut.

Liposuktion

Das überschüssige Fett wird mit einer dünnen Kanüle abgesaugt.

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