Kommentar: Nati-Angebot führte Schläpfer ins Verderben
Aktualisiert

KommentarNati-Angebot führte Schläpfer ins Verderben

Kevin Schläpfer muss sich ohne den EHC Biel weniger Sorgen machen als der EHC Biel ohne Kevin Schläpfer.

von
Marcel Allemann
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Entlassen: Der EHC Biel trennt sich von Kulttrainer Kevin Schläpfer.

Entlassen: Der EHC Biel trennt sich von Kulttrainer Kevin Schläpfer.

Keystone/Ennio Leanza
Nach einem starken Saisonstart haben die Bieler zuletzt neun von zehn Spielen verloren und sind unter den Trennstrich gerutscht.

Nach einem starken Saisonstart haben die Bieler zuletzt neun von zehn Spielen verloren und sind unter den Trennstrich gerutscht.

Daniela Frutiger
Im Oktober 2015 wäre Schläpfer liebend gerne Nationaltrainer geworden, doch die Seeländer liessen ihn nicht ziehen. Unter Tränen verkündete er, dass er die Nati nicht übernehmen dürfe.

Im Oktober 2015 wäre Schläpfer liebend gerne Nationaltrainer geworden, doch die Seeländer liessen ihn nicht ziehen. Unter Tränen verkündete er, dass er die Nati nicht übernehmen dürfe.

Keystone/Peter Klaunzer

Die 2:3-Heimpleite am Freitag gegen die SCL Tigers und der blutleere 1:5-Auftritt am Samstag gegen die ZSC Lions waren zu viel. Die Entlassung von Kevin Schläpfer war daher keine Überraschung mehr. Und trotzdem ist es irgendwie ein Schock. Denn Schläpfer war nicht irgendein Trainer. Sondern schon seit seinen Aktivzeiten der Bieler Hockeygott.

Und daneben auch einer der zuletzt erfolgreichsten Coaches in der NLA, der eine höchst bescheidene Bieler Mannschaft zwischen 2012 und 2015 sensationell dreimal in die Playoffs führte. Er wurde damit zum legitimen Nachfolger von Arno Del Curto als grosse Schweizer Trainer-Persönlichkeit.

Schläpfers Untergang begann wegen der Nati

Doch die Ansprüche sind in Biel gestiegen, seit die Equipe in die schmucke Tissot-Arena eingezogen ist und sich der Verein die teure NHL-Legende Jonas Hiller als Torhüter leistet. Nachdem die Mannschaft mit einer Niederlagenserie Anfang Oktober von Rang 3 auf Position 9 durchgereicht worden war, begannen die üblichen Mechanismen in diesem Geschäft zu greifen. Der Druck seitens Sponsoren und Fans wurde zu gross. Umso mehr, da bereits die letzte Saison im sportlichen Fiasko des Playout-Finals endete.

Der Untergang von Kevin Schläpfer begann vor einem Jahr, als Swiss Ice Hockey ihn unbedingt als neuen Nationaltrainer wollte, Biel jedoch sein Veto einlegte und Schläpfer mit einer Gehaltserhöhung abspeiste. Der Unruhefaktor war gross, vieles geriet ausser Kontrolle. Es bleibt unvergessen, wie Schläpfer damals an der Medienkonferenz in Tränen ausbrach. Das stiess nicht überall auf Verständnis. Dabei war Schläpfer einfach nur authentisch und echt. Weil er sich nie verstellte, immer sich selber blieb, hat der Basler eben auch immer wieder polarisiert.

Eishockey ohne Kevin Schläpfer ist unvorstellbar

Das Ende seiner Trainer-Karriere ist diese Entlassung für Kevin Schläpfer nicht. Im Gegenteil: Er wird im letzten Jahr mehr über den Trainerberuf und den Umgang mit einer Mannschaft gelernt haben, als in den sechs Jahren davor. Und der 46-Jährige dürfte gestärkt aus diesem Lehrstück hervorgehen. Eishockey ohne Kevin Schläpfer ist auf längere Dauer genauso unvorstellbar wie Kevin Schläpfer ohne Eishockey. Wo und wann auch immer in der NLA ein Trainer gefeuert wird, wird auch automatisch Schläpfers Name als möglicher Nachfolger auftauchen.

Doch eines ist seit diesem Montag anders. Der EHC Biel ist ohne Schläpfer von einer äusserst spannenden zu einer ziemlich langweiligen Hockey-Organisation geworden. Dagegen helfen weder ein neues Stadion noch Jonas Hiller im Tor.

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