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Nati-Delegierter Lämmli: «Hatte Angst, dass Spieler durchdrehen»

Der Schweizer Nationalmannschafts-Delegierte Ernst Lämmli zieht eine äusserst positive Zwischenbilanz nach der ersten Vorbereitungsphase. «Es lief alles hervorragend ab, doch jetzt ist es gut, dass ein Pause kommt. Einige sind am Anschlag.»

Während zweier Wochen bereitete sich das Schweizer Nationalteam auf Schweizer Boden auf die WM-Endrunde in Deutschland vor, ehe sie am 8. Juni nach Bad Bertrich fliegt und dort die Vorbereitung mit den letzten Trainingseinheiten abschliesst. Die feierliche «Nacht des Schweizer Fussballs» in Bern bildete am 22. Mai den Beginn des Schweizer Camps, zwei Trainings am nächsten Mittwoch in Freienbach schliessen die intensive Phase nach drei anstrengenden Testspielen ab. «Es war sehr gut, so lange als möglich in der Schweiz zu bleiben und ein kompaktes Programm durchzuziehen», sagt Ernst Lämmli, der täglich bei der Mannschaft weilte und auch Vergleiche zu früheren Camps ziehen kann.

Herr Lämmli, wie bilanzieren Sie die erste Phase des Camps in Feusisberg?

«Es herrschte jederzeit eine absolut positive Grundeinstellung, sowohl in der Mannschaft als auch im Staff. Ich war zu Beginn einverstanden mit dem intensiven Programm und den drei Testspielen, hatte aber gegen Schluss doch einigen Respekt, dass es nicht überbordet. Das Mass der körperlichen Anforderung ist jetzt jedenfalls erreicht und die zweieinhalbtägige Pause kommt im besten Moment.»

Was meinen Sie mit überborden?

«Also die ganze Phase mit den drei Spielen gegen zumindest zwei sehr starke Gegner und die Reisen nach Basel, Genf und zurück nach Zürich zerrten schon bei allen an der Substanz. Es waren zuletzt einige am Anschlag. Bei zwei, drei Spielern hatte ich gegen China sogar Angst, dass sie durchdrehen.»

Was ist für Sie anders als vor zwei Jahren vor der EM in Portugal?

«Das ist für mich ein ganz extremer Unterschied. Vor allem die Zusammensetzung des Teams. Vor zwei Jahren hatte es auch noch ältere Spieler dabei, jetzt sind fast nur noch junge dabei mit sehr grossem Entwicklungspotenzial. Und die Euphorie ist wesentlich grösser als vor Portugal. Das Team strahlt viel mehr Selbstbewusstsein aus. Vor zwei Jahren musste man noch Bedenken haben, wenn der Gegner in Führung ging, jetzt habe ich stets das gute Gefühl, dass eine positive Reaktion kommt.»

Und was erwarten Sie von der WM in Deutschland?

«Die Erwartungshaltung ist beinahe grenzenlos, wenn man die Fans und das Umfeld sieht. Aber man darf nie vergessen, dass uns eine Weltmeisterschaft bevorsteht. Die Spieler können das bestimmt realistisch einschätzen, sonst werden die Trainer schon entsprechend einwirken. Die Mannschaft hat aber eine sehr gute Entwicklung hinter sich. Charakterlich und auch punkto Verhalten auf und neben dem Platz. Ich glaube, sie hat in der Türkei noch entscheidend hinzugelernt und lässt sich auf keine Randale auf dem Platz mehr ein.»

Ihre Zielsetzung in Deutschland?

«Ich bin nicht euphorisch, aber auch kein Schwarzmaler. Sicherlich wäre auch ich enttäuscht, wenn wir schon nach den Gruppenspielen nach Hause reisen müssten. Es wird aber schon schwer. Bei Frankreich wissen wir, woran wir sind. Vor Togo habe ich sehr grossen Respekt, die können in einen Spielrausch geraten, wenn es ihnen zu Beginn gut läuft. Und Südkorea ist eine Spur stärker als China. Resultatmässig ist es für uns bisher sehr gut gelaufen, doch das 4:1 gegen China darf nicht überbewertet werden. Bei zwei Toren hatten wir Glück, dass sie überhaupt zählen.»

(si)

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