SNB-Informationspolitik : Nationalbank-Chef erhält Nachhilfe
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SNB-Informationspolitik Nationalbank-Chef erhält Nachhilfe

Soll die Nationalbank Klartext reden und wie im Fall CS einen Kurssturz der Aktie riskieren? Zu dieser Frage liegt SNB-Chef Thomas Jordan nun eine Studie aus dem eigenen Haus vor.

von
Balz Bruppacher
Mit dem Bericht über die Stabilität der Grossbanken hat die Nationalbank mit ihrem Chef Thomas Jordan für eine Überreaktion an den Märkten gesorgt.

Mit dem Bericht über die Stabilität der Grossbanken hat die Nationalbank mit ihrem Chef Thomas Jordan für eine Überreaktion an den Märkten gesorgt.

Als Überreaktion der Märkte bezeichneten SNB-Präsident Thomas Jordan und sein Vize Jean-Pierre Danthine den Kurssturz der CS-Aktie von 10 Prozent am vergangenen 14. Juni. An diesem Tag hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihren Stabilitätsbericht veröffentlicht, mit einer kaum verhüllten Aufforderung an die Credit Suisse (CS), rasch für mehr hartes Eigenkapital zu sorgen. Seither wird über Inhalt und Form dieser Botschaft diskutiert und gestritten.

Wie lassen sich Überreaktionen der Märkte auf Ankündigungen von Notenbanken reduzieren? Genau zu dieser Frage liegt jetzt eine 60-seitige wissenschaftliche Studie aus dem eigenen Haus auf dem Tisch der Währungshüter. Das SNB-Working-Paper steht aber nicht im Zusammenhang mit dem Fall CS. Der Nationalbank-Ökonom Romain Baeriswyl und seine französische Kollegin Camille Cornand haben ihre Untersuchungen vielmehr schon im vergangenen Mai abgeschlossen. Vorangegangen waren theoretische Abklärungen und ein umfangreicher Laborversuch mit Studierenden an der Universität Strassburg.

Die Forscher nahmen zwei Methoden unter die Lupe, mit denen Notenbanken Überreaktionen auf ihre öffentlichen Informationen in den Griff bekommen können. Die «teilweise Öffentlichkeit», bei der nur ein eingeschränkter Kreis von Marktteilnehmern mit den Informationen bedient wird. Und die «teilweise Transparenz», bei der alle Marktteilnehmer informiert werden.

Selektive Infos kaum unter Kontrolle zu halten

Weder die theoretische Untersuchung noch das Labor-Experiment führten zu einem klaren Resultat, welche der beiden Strategien die bessere ist. «Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor», ist man in Anlehnung an Goethe versucht zu sagen. Die Autoren geben dennoch eine Empfehlung ab. Und zwar für die «teilweise Transparenz». Zum einen sei diese einfacher umzusetzen als die «teilweise Öffentlichkeit». Denn im heutigen Medienzeitalter seien wichtige Informationen nicht unter Kontrolle zu halten, auch wenn diese zunächst nur an einen eingeschränkten Teilnehmerkreis gingen. Zum anderen verstosse die «teilweise Öffentlichkeit» gegen die Gebote von Gleichbehandlung und Fairness.

Um Überreaktionen der Märkte auf ihre öffentlichen Stellungnahmen zu vermeiden, sollten Notenbanken deshalb besser den Inhalt sorgfältig formulieren, statt den Empfängerkreis einzuschränken, raten die beiden Ökonomen. Die Studie bezeichnet die Kontrolle von Überreaktionen als wichtige und herausfordernde Aufgabe der Notenbanken. Erwähnt wird unter anderem das Beispiel von Devisenmarktinterventionen, wo Notenbanken oft bewusst für Unklarheit sorgen. Diese Strategie befolgt auch die SNB, indem sie die Summe der Interventionen nur einmal pro Jahr im Jahresbericht veröffentlicht. Beim Konzept zur Verteidigung des Euro-Mindestkurses lässt die Nationalbank die Märkte ebenfalls bewusst im Ungewissen.

Jordan: Zu viele Infos können auch Verwirrung stiften

Ob und welche Lehren Jordan und Co. aus der Studie ziehen, ist nicht bekannt. Noch im Gang ist die Überprüfung der Vorabinformation der Medien über den Stabilitätsbericht. Sie sorgte wegen mutmasslicher Insidergeschäfte mit CS-Titeln für Kritik. Hinweise auf die Überzeugungen Jordans sind einer Rede des damaligen Direktoriumsmitglieds von 2007 zu entnehmen. «Wir setzen alles daran, uns möglichst deutlich und verständlich auszudrücken und Konfusion zu vermeiden», versicherte Jordan damals. Transparenz und Kommunikation könnten sich allerdings dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens nicht entziehen. Mehr Offenheit bedeute nicht zwangsläufig eine Verbesserung. Zu viel Information könne auch Verwirrung stiften und unerwünschte Reaktionen auf den Märkten auslösen.

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