Aktualisiert 23.03.2020 18:08

Wirtschafts-TickerJedes fünfte KMU stellt auf Kurzarbeit um

In unserem Wirtschafts-Ticker erfahren Sie alles rund um die Schweizer Wirtschaft während der Corona-Krise.

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Jedes fünfte Unternehmen hat bereits auf Kurzarbeit umgestellt, wie eine Umfrage des Marktplatzbetreibers Visable ergab.

Jedes fünfte Unternehmen hat bereits auf Kurzarbeit umgestellt, wie eine Umfrage des Marktplatzbetreibers Visable ergab.

Barbara Gindl
Am  21. März stellte McDonalds vorübergehend auch die McDrives und stellt den Lieferservice McDelivery ein.

Am 21. März stellte McDonalds vorübergehend auch die McDrives und stellt den Lieferservice McDelivery ein.

epa/Sascha Steinbach
Die Corona-Krise trifft die Airlines besonders hart. Air Canada streicht nun vorübergehend 5100 Stellen.

Die Corona-Krise trifft die Airlines besonders hart. Air Canada streicht nun vorübergehend 5100 Stellen.

epa/Andre Pichette

Jedes fünfte KMU stellt bereits auf Kurzarbeit um

Die Schweizer KMU werden durch die Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus hart getroffen. Jedes fünfte Unternehmen habe bereits auf Kurzarbeit umgestellt, wie eine Umfrage des Marktplatzbetreibers Visable ergab. Demnach rechnen knapp zwei Drittel der KMU (58%) mit kleinen Umsatzeinbussen und gar ein Viertel (25%) mit enormen Einbussen, wie es einer Mitteilung am Montag heisst. Als Hauptproblem wurde von den befragten Unternehmen die starke Verunsicherung der Kunden genannt. Dies sei von 71 Prozent der angegeben worden. Vermehre Krankheitsfälle im Betrieb wurden von 11 Prozent angeführt.

Mehr als die Hälfte habe auch bereits eine tiefere Nachfrage der Kunden gespürt, rund ein Viertel beklagt sich über Lieferengpässe bei der Beschaffung. Engpässe würden dabei eher aus Europa bemerkt, Umsatzprobleme wegen der Abhängigkeit vom chinesischen Markt würden hingegen weniger gespürt.

Schweizer Börse startet Woche mit neuem Kursrutsch

Trotz massiver Geldspritzen der US-Notenbank (Fed) ist die Schweizer Börse am Montag erneut abgesackt. Der SMI verlor am Montag 4,4 Prozent auf 8244 Zähler. Die Fed brachte zwar neue Massnahmen auf den Weg, mit denen unter anderem der Kreditfluss an Haushalte und kleine Firmen unterstützt werden soll. Anleger monierten aber, dass weitere breit angelegte Konjunkturhilfen notwendig seien, um die Wirtschaft vor einem Absturz zu bewahren.

Zu den grössten Verlierern gehörten deshalb die Aktien von Firmen, deren Erfolg stark von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängt. Der Personalvermittler Adecco brach fast zehn Prozent ein, währen der Elektrotechnikanbieter ABB knapp sieben Prozent an Wert verlor. Die Aktien des Augenheil-Unternehmens Alcon rauschten über zehn Prozent in die Tiefe. Vergleichsweise gut hielt sich der Aromenhersteller Givaudan mit einem Minus von 0,9 Prozent.

Bei den Nebenwerten legten Implenia 3,5 Prozent zu. Der Baukonzern schränkt aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der damit verbundenen behördlichen Massnahmen im mehreren Ländern die Arbeit auf Baustellen ein. Die im Bereich digitale Farbmanagementlösungen tätige Datacolor rechnet mit einer Beeinträchtigung durch die Seuche. Die Aktien gaben elf Prozent nach. (Reporter: Oliver Hirt redigiert von Georg Merziger)

MC Donalds macht komplett zu

Ab 21. März schliesst McDonald's vorübergehend auch die McDrives und stellt den Lieferservice McDelivery ein. Bereits am Montagabend, 16. März haben McDonald's Schweiz und seine Lizenznehmer sich auf freiwilliger Basis dafür entschieden,

das Take-away-Angebot in ihren Restaurants generell nicht mehr anzubieten.

Air Canada streicht 5100 Stellen

Die kanadische Fluggesellschaft will wegen der Coronavirus-Pandemie vorübergehend mehr als 5100 Stellen streichen, wie die Flugbegleitergewerkschaft erklärte. Bis mindestens Ende April seien die Entlassungen wirksam. Kürzlich hatte die Airline schon mitgeteilt, dass sie als Reaktion auf die Coronavirus-Krise schrittweise den Grossteil ihrer internationalen Flüge bis zum 31. März aussetzen werde.

Post schränkt Auslandspost ein

Wegen des Coronavirus fallen zahlreiche internationale Flüge aus. Deshalb nimmt die Schweizerische Post ab sofort in Postfilialen und Filialen mit Partnern keine Ausland-Briefe und -Pakete für zahlreiche Länder mehr entgegen. Für die restlichen Länder dauert der internationale Versand zudem länger als üblich.

Kunden können für den Versand in diese Länder derzeit noch die Express-Versandart «Urgent» nutzen. Geschäftskunden können Pakete weiterhin mit Swiss Post GLS versenden.

Bund erwartet deutliche Rezession

Die Schweiz dürfte im laufenden Jahr in eine Rezession fallen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geht von einer Schrumpfung von 1,5 Prozent aus.

Gegenüber der Dezember-Prognose ist das ein Minus von 2,8 Prozent. Gründe für die Schrumpfung der Wirtschaft sind laut Eric Scheidegger, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik im Seco, unter anderem der Rückgang des Konsums, ausbleibende Investitionen, erschwerte Transportbedingungen oder der starke Franken.

Im zweiten Semester sei eine Besserung zu erwarten, sagte Scheidegger. Nächstes Jahr sei ein Wachstum von 3,3 Prozent möglich. Diese Voraussagen sind mit Vorsicht zu geniessen, weil unklar ist, wie sich die Pandemie entwickelt und wie lange sie dauert. «Die Prognoseunsicherheit ist derzeit ausserordentlich hoch.» Es sei denkbar, dass sich der Konjunktureinbruch bis in das nächste Jahr hineinziehe.

Nationalbank lässt Leitzins unverändert bei -0,75 Prozent

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tastet die Zinsen nicht an und führt damit ihre expansive Geldpolitik fort. Doch das Coronavirus macht zusätzliche Massnahmen notwendig.

Konkret belässt die SNB ihren Leitzins sowie den Zins auf Sichtguthaben bei -0,75 Prozent, wie sie am Donnerstag im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung mitteilte.

In dieser ausserordentlichen Situation investiert die SNB nun auch «verstärkt» am Devisenmarkt, um zur Stabilisierung der Lage beizutragen.

So soll der Spielraum der Banken zur Kreditvergabe gelockert werden. Die SNB erhöht ab 1. April den Freibetrag, ab dem die Banken Negativzinsen entrichten müssen. Der sogenannte Freibetragsfaktor steigt dabei von 25 auf 30. (sda)

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