Finanzkrise: Nationalbank-Präsident gegen Boni-Obergrenze
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FinanzkriseNationalbank-Präsident gegen Boni-Obergrenze

Nationalbank-Präsident Jean-Pierre Roth warnt vor allzu rigiden politischen Eingriffen bei Vergütungen und Boni für Bank-Manager. Staatliche Vorgaben erachtet er als kontraproduktiv.

Die Definition einer Obergrenze wäre «unvernünftig», sagte Roth in einem Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Samstag: «Die Gefahr ist, dass die Talente, die keine marktkonformen Entschädigungen erhalten, zu Banken ins Ausland wechseln oder zu nicht regulierten Instituten.»

Roth betonte, dass die Schweiz in dieser Frage nicht im Alleingang vorgehen dürfe. Der Schweizer Finanzplatz könne nur richtig funktionieren, «wenn unsere Banken gleich lange Spiesse haben wie ihre ausländischen Konkurrenten», sagte der Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

«Übertreibungen müssen korrigiert werden, aber im Einklang mit dem Ausland», sagte Roth. Es sei Sache der Eidg. Bankenkkommission (EBK) darauf zu achten, dass die Entschädigungen der UBS im Rahmen blieben. Kritiker des UBS-Rettungspakets hatten moniert, dass die Auflagen zur Salärpolitik zu vage seien.

«Marktkonformes» Hilfspaket

Roth verteidigte die Massnahmen als «marktkonform» - auch den hohen Zins von 12,5 Prozent, den der Bund für seine Pflichtwandelanleihe in Höhe von 6 Mrd. Franken verlangt. Denn es handle sich nicht um einen normalen Kredit, sondern um eine Kapitalbeteiligung. «Ein Aktionär darf eine höhere Verzinsung erwarten als ein Kreditgeber.»

Roth zeigte sich überzeugt, dass das Paket mit einem Gesamtvolumen von 68 Mrd. Fr. zur Beruhigung beitrage: «Heute sind positive Zeichen zu erkennen. Wir sehen, dass im Bankensektor ein bisschen Vertrauen zurückkommt.» Für ihn sei aber auch klar, «dass eine Wirkung nur zu erzielen ist, wenn nicht am Einsatz der Mittel gespart wird».

G10-Notenbankchefs orientiert

Der oberste Währungshüter der Schweiz wies die Kritik zurück, dass Nationalbank und Bund auf politischen Druck der europäischen Länder reagiert hätten. Er habe die Notenbankgouverneure der G10- Staaten bereits an der Herbsttagung des Währungsfonds Mitte Oktober in Washington über die Pläne der Schweiz orientiert.

Die SNB sei bereits im Mai bereit gewesen, sagte Roth. Als sich die Krise im Herbst 2007 zugespitzt habe, sei die Überwachung von UBS und CS verschärft worden. Ebenso sei die Zusammenarbeit mit der EBK intensiviert worden. Das Finanzdepartement wurde im Frühling in die Pläne der SNB eingeweiht, die UBS war nicht informiert.

Zwei Szenarien aufgegleist

Laut Roth war für die SNB «von Anfang an klar, dass im Fall der UBS eine Konsolidierung nur durch eine Abtrennung der illiquiden Positionen und eine Rekapitalisierung zu erreichen sein würde».

Zwei Szenarien wurden diskutiert: eine endgültige Auslagerung der Problempositionen aus der UBS-Bilanz oder eine nur vorübergehende Entlastung. Als sich die Lage im September erneut dramatisch zugespitzt habe, sei klar geworden, dass nur die erste Variante Erfolgschancen haben würde, erläuterte Roth.

Düstere Wirtschaftsaussichten

Dass es mit der Wirtschaft trotz aller Hilfsmassnahmen immer schneller bergab geht, bereitet auch Roth Sorgen: «Die Lage hat sich spürbar verschlechtert, weil die Finanzkrise die Realwirtschaft doch deutlich erfasst.» Zur Frage, ob die Schweiz in eine Rezession abgleiten werde, wollte er sich nicht äussern.

«Wir tun alles, was möglich ist, um die Wirtschaft vor steigenden Zinsen zu bewahren», sagte Roth weiter. «Wir sehen, dass das Vertrauen langsam wieder wächst und sich die Zinssätze in den letzten Tagen nach unten korrigiert haben. Zwar nicht so schnell wie in der Vergangenheit, aber die Richtung stimmt.»

(sda)

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