Nationalbank: «Rütli» der Geldordnung
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Nationalbank: «Rütli» der Geldordnung

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren 100.Geburtstag mit einem Festakt in der Zürcher Tonhalle gefeiert. Dabei würdigte Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey die Leistungen und die Politik der Notenbank.

Die SNB sorge klug, umsichtig und erfolgreich für Preis- und Geldwertstabilität und damit für das Gedeihen der Wirtschaft, das soziale Wohlergehen und den sozialen Frieden. Die Nationalbank sei sozusagen ein «Rütli» der gemeinsamen Geldordnung, sagte die Bundespräsidentin. Vor zahlreichen geladenen Gästen, darunter dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, erinnerte sie an das Währungschaos mit mehr als 800 Münzsorten bei der Gründung der heutigen Eidgenossenschaft 1848.

Der Tätigkeit der SNB sei wirtschaftliche wie soziale Stabilität zu verdanken, sagte die SP-Bundesrätin. Das Geld behalte seinen Wert, auch wenn die Märkte volatil und die geopolitische Lage instabil seien. Preisstabilität sei eine Form der Sozialpolitik. Calmy-Rey würdigte auch die Rolle der SNB bei der Aufarbeitung der dunklen Seiten der Schweizer Geschichte im Zweiten Weltkrieg im Zusammenhang mit Holocaust-Geldern und Goldkäufen. Die SNB habe ihre Verantwortung letztlich wahrgenommen und an der Herstellung möglichst grosser Gerechtigkeit mitgewirkt. Besonders hob sie dabei den Einsatz des damaligen SNB-Präsidenten Hans Meier hervor.

Der gute Ruf sowie Integrität und Professionalität ihres Finanzplatzes seien ein Trumpf der Schweiz, sagte Calmy-Rey. Man müsse aber wachsam bleiben. Sie setze sich resolut dafür ein, dass die Schweiz im Kampf gegen Geldwäscherei und Terrorfinanzierung eine Vorreiterrolle spiele. Dies gelte auch für die Abwehr von Potentatengeldern.

SNB-Präsident Roth zeigte zwei Konstanten der 100-jährigen SNB-Geschichte auf: das Streben nach Stabilität und den Respekt vor den Regeln geld- und währungspolitischer Disziplin. Dies habe über all die Jahre eine kohärente Geldpolitik erlaubt, sei aber nicht immer einfach gewesen. Auch wenn Fehler passiert seien, sei die Bilanz insgesamt positiv. Die Schweiz erlebe derzeit eine Hochkonjunktur, es herrsche fast Vollbeschäftigung, die Wirtschaftsaussichten seien günstig, und seit 1994 herrsche Preisstabilität, sagte Roth.

Die Kaufkraft des Frankens habe nicht im erwünschten Mass erhalten werden können. Das allgemeine Preisniveau sei seit 1907 im Schnitt um jährlich 2,5 Prozent gestiegen. Sichtbarer Beweis der monetären Stabilität der Schweiz sei, dass die Münzen ihrer 1850 geschaffenen Währung noch heute täglich gebraucht würden, sagte Roth. (dapd)

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