Aktualisiert 30.04.2015 07:47

Frankenschock

Nationalbank schreibt 30 Milliarden Franken Verlust

Die Schweizerische Nationalbank weist für das erste Quartal einen Verlust von 30 Milliarden Franken aus. Nach dem Mindestkurs-Aus sind die Fremdwährungsbestände in Franken weniger wert.

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sda/sas
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) weist für das erste Quartal 2015 einen Verlust von 30,0 Mrd. Franken aus. Nach Aufhebung des Euro-Mindestkurses betrug allein der Verlust auf den Fremdwährungspositionen 29,3 Mrd. Franken. Der Quartalsverlust folgt auf den Rekordgewinn von 38 Milliarden Franken im vergangenen Jahr.

Ein markantes Minus der SNB war erwartet worden, nachdem die Nationalbank am 15. Januar den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro aufgehoben hatte. Dies führte zu einer Aufwertung des Frankens und entsprechend zu wechselkursbedingten Verlusten auf sämtlichen Anlagewährungen, wie die Nationalbank schreibt. Anders gesagt: Die Fremdwährungsbestände der Nationalbank sind in Franken gerechnet weniger wert.

Grossteil der Währungsreserven in Euro

Ende des ersten Quartals waren 42 Prozent der SNB-Devisenreserven in Euro, 32 Prozent in US-Dollar, 8 Prozent in Yen und 7 Prozent in Pfund. In ihrer Bilanz hat die Nationalbank derzeit Eurobestände von 213 Milliarden, was zum Zeitpunkt der Umrechnung (Eurokurs 1,0452) einem Wert von 223 Milliarden Franken entsprach. Zum Vergleich: Ende 2014 hatte die SNB Euro-Bestände von 196 Milliarden in den Büchern, was damals zum Kurs von 1.20 Franken 236 Milliarden Franken entsprach.

Auf dem Goldbestand resultierte ein Bewertungsverlust von einer Milliarde Franken, wie die SNB am Donnerstag mitteilte. Der Goldbestand der SNB hat derzeit einen Wert von 38,6 Mrd. Franken.

Kursgewinne auf Zinspapiere

Für das erste Quartal 2015 betrugen die wechselkursbedingten Verluste insgesamt 41,1 Milliarden Franken. Zugleich verbuchte die SNB aus den Fremdwährungsanlagen Zinserträge von 1,6 Mrd. Franken und Dividenden von 0,3 Mrd. Franken.

Das allgemein tiefere Zinsniveau führte zudem zu Kursgewinnen von 3,7 Mrd. Fr. auf den Zinspapieren. Die Beteiligungspapiere profitierten vom günstigen Börsenumfeld und trugen mit 6,2 Mrd. Franken zum Erfolg bei.

Kantone zittern um Geld

Bliebe das SNB-Ergebnis bis Ende Jahr bei einem Minus in der aktuellen Grössenordnung, würde das für die Kantone nichts Gutes bedeuten. Sie müssten auf die Gewinnausschüttung verzichten. Die Ausschüttungsreserve beträgt derzeit 27,5 Mrd. Franken. Dieser Betrag würde vom aktuellen Minus von 29 Mrd. vollumfänglich aufgefressen.

Welches SNB-Gesamtresultat für 2015 zu erwarten ist, lässt sich nur bedingt abschätzen, da das Ergebnis überwiegend von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte abhängig ist.

Gestützt auf den Rekordgewinn von 2014 hatte die SNB zusätzlich zur ordentlichen Ausschüttung von einer Milliarde Franken für das vergangene Jahr eine weitere Ausschüttung in derselben Höhe an Bund und Kantone entrichtet.

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