Nick Hayek: «Nationalbank soll mehr Geld drucken»
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Nick Hayek«Nationalbank soll mehr Geld drucken»

Die Sorge um den starken Schweizer Franken wächst. Wirtschaftskapitäne und Experten schlagen Alarm und setzen die Nationalbank unter Druck. Erste Tourismus-Kantone gehen selber in die Offensive.

von
feb
Swatch-Chef Nick Hayek verlangt, dass die Nationalbank an den Devisenmärkten interveniert.

Swatch-Chef Nick Hayek verlangt, dass die Nationalbank an den Devisenmärkten interveniert.

Nachdem der Euro und der Dollar zum Franken am Freitag neue Tiefstwerte erreicht haben, verlangt Swatch-Group-Chef Nick Hayek von der Schweizer Nationalbank, im Kampf gegen die Frankenstärke eine höhere Inflation in Kauf zu nehmen und mehr Geld zu drucken. «Der Schaden wäre geringer als derjenige, den der harte Franken im Export und Tourismus anrichtet», sagt Hayek im Interview mit der «SonntagsZeitung».

Trotz des Verlustes von 10,8 Milliarden Franken im ersten Halbjahr müsse die SNB erneut an den Devisenmärkten intervenieren. «Die Nationalbank kann jederzeit Geld drucken. Sie hat immer genügend Geld, um zu intervenieren.»

Experten schlagen Alarm

Experten blasen ins gleiche Horn. Der Chefökonom der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung, Heiner Flassbeck, fordert die Schweiz auf, den starken Schweizer Franken zu stoppen: «Die Schweizer Exportfirmen werden geradezu vom Markt gefegt, wenn der Franken weiter erstarkt», erklärt er im Interview mit der «NZZ am Sonntag». Die Deutschen würden nur darauf warten, den Schweizer Firmen Aufträge wegzuschnappen. «Keine vernünftige Volkswirtschaft der Welt kann dies zulassen.» Wenn man warte, bis der Franken zum Euro bei 1:1 stehe, sei es für viele Schweizer Exportfirmen zu spät.

Flassbeck rät der Schweiz, dasselbe zu tun, wie sie 1978 schon gemacht hat: «Man muss ein Wechselkursziel auf Teufel komm raus verteidigen und sagen: Mehr Aufwertung lassen wir nicht zu.» Wenn man dies konsequent verfolge, wüssten die Märkte, dass die Schweizerische Nationalbank es ernst meine.

Graubünden startet Tourismus-Offensive

Unter dem starken Schweizer Franken leidet auch der Tourismus. Der Kanton Graubünden geht deshalb in die Offensive. Der Bündner Volkswirtschaftsdirektor Hansjörg Trachsel sagt, sein Kanton sei bereit, sich wegen des starken Schweizer Frankens finanziell bei Tourismusprojekten zu engagieren, sofern die Bergbahnen und der Hotelierverein mitmachten. Derzeit liefen Gespräche.

Da den Ferienregionen neben der Frankenstärke auch noch das schlechte Wetter Sorgen macht, versuchen die Bündner zusammen mit dem Tessin und dem Wallis die Familien mit einer Aktion zu locken: Kinder unter zwölf Jahren können in Begleitung eines Erwachsenen gratis übernachten. «Wenn der Bund jetzt Massnahmen ergreifen würde, wirkten diese frühestens im kommenden Jahr», sagt Trachsel im Interview mit der «SonntagsZeitung».

Schweizer Reisekonzerne kontern mit tagesaktuellen Preisen

Auch die Reisebranche ist betroffen. Weil infolge der Frankenstärke immer mehr Kunden auf ausländischen Internetseiten buchen, wollen Schweizer Reisekonzerne künftig vermehrt tagesaktuelle Preise anbieten. Kunden sollen im Reisebüro Flug, Hotel, Mietwagen und Zusatzleistungen wie Ausflüge, Theatertickets oder Transfers zu aktuellen Preisen und Wechselkursen im Paket geschnürt buchen können.

Die Angebotspalette und die Kombinationsmöglichkeiten sollen wesentlich breiter werden als bisher – und die Preise gleich tief wie im Internet. «Wir wollen das sogenannte ‹dynamic packing› im kommenden Jahr einführen», sagt Hotelplan-Suisse-Chef Thomas Stirnimann. Das Konzept, derzeit im Testlauf, umfasse neben den Direkt-Marken Denner-Reisen und Migros-Ferien auch Hotelplan, Travelhouse und das Geschäft in Italien.

Auch die Konkurrenz arbeitet an ihrer IT. Tui Suisse und Kuoni bauen ihre Möglichkeiten für tagesaktuelle Buchungspakete laut der «SonntagsZeitung» aus. Der Erfolg der neuen IT-Systeme steht und fällt bei allen Anbietern mit der Vernetzung der Datenbanken. Diese sollen innerhalb kürzester Zeit diverse Pakete mit den einzelnen Reisebestandteilen ausspucken.

Dringliche Franken-Konferenz einberufen

Die Frankenstärke sorgt in der Politik für Hektik. Der Bundesrat unterbricht kommende Woche die Sommerferien für eine dringliche Telefonkonferenz zur Frankenstärke. Laut Informationen der «SonntagsZeitung» soll die Dauer für Kurzarbeitsbezüge erneut verlängert werden. Thema sind auch Hilfen für Exportwirtschaft und Tourismus.

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