Finanzkrise: Nationalbank-Vize fährt Kantonalbanken an den Karren
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FinanzkriseNationalbank-Vize fährt Kantonalbanken an den Karren

Nationalbank-Vizepräsident Philipp Hildebrand kritisiert das Verhalten der Kantonalbanken in der Finanzkrise scharf. Er fordert, dass sie Kantonalbanken die Jagd auf UBS stoppen.

Mit der Hortung von Geldern und aggressiver Kundenwerbung verhielten sich die Staatsbanken aus Sicht des Steuerzahlers absurd. Hildebrand regte deshalb einen Ehrenkodex an.

In einem Interview der Zeitung «Sonntag» ging der Vizepräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) mit den Kantonalbanken ungewöhnlich scharf ins Gericht. «Es kann doch nicht sein, dass Bund und Nationalbank dem Schweizer Finanzplatz mit Milliarden unter die Arme greifen und die Kantone über ihre Banken das Gegenteil bewirken», sagte er zur aggressiven Kundenwerbung der Kantonalbanken und fügte hinzu: «Das ist aus Sicht des Steuerzahlers absurd (...).»

Hildebrand regte an, dass die Kantonalbanken und weitere Banken einen Ehrenkodex im Interesse des Finanzplatzes aufstellen sollten. Dieser würde besagen, dass man destabilisierendes Verhalten unterlasse, unter den Banken wieder Geld ausleihe und bei der Abwebung von Kunden Zurückhaltung übe. «In Notzeiten müssen alle am selben Strick ziehen», forderte der SNB-Vizepräsident. Die Nationalbank wäre bereit, für einen solchen Ehrenkodex ihre guten Dienste anzubieten. Ihre Verantwortung müssten aber vor allem die Bankiervereinigung und der Kantonalbankenverband wahrnehmen.

Der Vorstoss Hildebrands erfolgt vor dem Hintergrund des massiven Geldabflusses von der von Bund und Nationalbank mit 68 Milliarden Franken unterstützten Grossbank UBS zu den Kantonalbanken. Zudem erschweren die Kantonalbanken mit ihrer Zurückhaltung beim Ausleihen von Geldern auf dem Interbankenmarkt die Geldpolitik der Nationalbank. Sie verfügen gemäss Hildebrand über sehr grosse Liquidität, horteten das Geld aber lieber, als es einer anderen Bank auszuleihen. «Hier braucht es ein Umdenken», forderte der Notenbanker.

Hildebrand wandte sich aber auch mit deutlichen Worten an die UBS selber. Der Vertrauensschwund der Grossbank, der nicht abgestritten werden könne, müsse so vehement wie möglich adressiert werden. Gerade weil der Staat eingreife, sei es wichtig, dass nicht nur der Staat handle, sondern die oberste UBS-Führung selbst die Vertrauensproblematik vollumfänglich angehe. Und zwar mit den Kunden, mit den Schweizer Bürgern und auch mit der Politik. Die Frage nach dem Wie beantwortete der SNB-Vize: «Indem sie bescheiden und ehrlich auftritt, die Probleme nicht schönredet, sondern die Lage klar darstellt.» Vor allem müsse die UBS eine klare Strategie haben und darlegen, wie man sie umsetzen wolle.

Die UBS habe sich in der Vergangenheit nicht immer intensiv genug um das Vertrauen der Kunden und Bürger gekümmert. Dafür erhalte sie die Quittung. Zur Frage der Boni nannte Hildebrand zwei Prinzipien: Erstens komme eine reine Umsatzbeteiligung nicht in Frage. Und zweitens dürften die Boni nicht sofort zum Manager gehen, sondern müssten zu grossen Teilen in der Firma bleiben, und zwar über mehrere Jahre hinweg. Eine dritte Komponente sei die absolute Höhe der Boni. Hier sei ein Sensorium für die Kultur einer Gesellschaft nötig, was als anständig gelte und was nicht.

Düster äusserte sich Hildebrand zum Verlauf der Krise. Sie werde relevanter, weil die Weltwirtschaft vor einem Abschwung stehe. Auch die Schweiz werde sich dem weltweiten Trend nicht entziehen können. Die Frage sei nur, wir stark es die Schweiz treffen werde. (dapd)

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