Nationalbank: Zinsniveau ist zu tief
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Nationalbank: Zinsniveau ist zu tief

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird noch weitere Zinserhöhungen vornehmen, um mittelfristig Preisstabilität zu garantieren, sagte SNB-Präsident Jean-Pierre Roth im Interview.

Wo dieser «neutrale Punkt» liege, hänge von den künftigen Inflationsprognosen ab, sagte Roth gegenüber der «Finanz und Wirtschaft» vom Mittwoch. Dass weitere Massnahmen seitens der SNB nötig seien, wüssten die Märkte; dies sei auch bereits in die Geldmarktsätze eingeflossen.

Roth stellte der Geldpolitik der letzten Jahre ein gutes Zeugnis aus: «Hätten wir die Zinsen nicht bereits Mitte 2004 erhöht, wären wir heute mit einer explosiven konjunkturellen Situation konfrontiert.» Dank dem «Normalisierungsmanöver» wachse nun die Wirtschaft kräftig, die Preisstabilität sei gesichert und die Aussichten seien gut.

Ein gewisses Anziehen der Inflation erwartet Roth für den September, wenn der Effekt der tieferen Erdölpreise nicht mehr wirkt: «Die inflationäre Tendenz bleibt trotzdem moderat.» Günstig auf die Preisstabilität wirke sich der Wettbewerbsdruck aus.

Die derzeit tiefe Bewertung des Schweizer Frankens steht für Roth allerdings im Widerspruch mit den fundamentalen Wirtschaftsdaten. Sollte die Frankenschwäche die Inflation nähren, so wäre eine Zinserhöhung notwendig, sagte Roth: «Das ist normale Geldpolitik, keine Wechselkurspolitik.»

Roth warnte erneut auch «Carry Traders», die sich in schwachen Währungen verschulden und das Geld in hochverzinslichen Währungen anlegen. Das sei in jedem Fall eine Spekulation: «Es ist gefährlich und falsch zu glauben, dass es kein Risiko gibt.» Eine Korrektur der Wechselkurse falle oft harsch aus und könne auch überschiessen.

(sda)

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