Alertswiss 2.0: Nationale Alarm-App warnt Volk ab 2017 vor Terror
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Alertswiss 2.0Nationale Alarm-App warnt Volk ab 2017 vor Terror

Bei Terror oder Katastrophen will der Bund die Bevölkerung per Push-Meldung warnen. Nun werden Details zum Alarm-System bekannt. Setzt Bern auf die falsche Technologie?

von
S. Spaeth
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Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) sucht einen Hersteller für eine Alarm-App, die im Herbst 2017 für iOS- und Android-Geräte in Betrieb geht.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) sucht einen Hersteller für eine Alarm-App, die im Herbst 2017 für iOS- und Android-Geräte in Betrieb geht.

Die App warnt die Bevölkerung etwa bei Terroranschlägen, ...

Die App warnt die Bevölkerung etwa bei Terroranschlägen, ...

Keystone/Ennio Leanza
... Hochwasser, ...

... Hochwasser, ...

Keystone/Walter Bieri

Eine giftige Chemiewolke in der Region Basel, eine Flutwelle im Rhonetal, ein Terroranschlag: Vor derartigen Gefahren will der Bund die Bevölkerung in Zukunft per App warnen. Nach den Anschlägen von München hiess es beim Bund, man prüfe ein Alarmsystem.

Nun bringen Recherchen von 20 Minuten erste Details ans Licht. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) sucht einen Hersteller für eine Alarm-App, die im Herbst 2017 für iOS- und Android-Geräte in Betrieb geht.

«Die Bevölkerung soll künftig nicht mehr nur über Sirenen und Radio alarmiert werden», heisst es in der Ausschreibung des Projekts. Stattdessen sollen die Leute in allen Phasen eines Ereignisses regional unterschiedliche Informationen per Push-Meldung erhalten. Zudem plant der Bund, die neue Warn-App im Vergleich mit den bisherigen Radiomeldungen oder dem Sirenenalarm häufiger einzusetzen.

Warn-App kostet über 230'000 Franken

Der Bund hat den Auftrag nach den Richtlinien der Welthandelsorganisation (WTO) ausgeschrieben. Das ist für Aufträge mit einem Wert von über 230'000 Franken obligatorisch. «Das finanzielle Volumen des ausgeschriebenen Auftrags ist nicht vorgängig definiert und hängt von den Angeboten ab», sagt Babs-Sprecher Kurt Münger zu 20 Minuten.

Das Babs gehe jedoch davon aus, dass der Auftrag Kosten von mehr als 230'000 Franken verursache, weshalb man eine WTO-Ausschreibung publiziert habe. Der Hersteller muss die App programmieren und den Betrieb bis 2022 sicherstellen.

Ist die Warn-App eine Reaktion auf die Terroranschläge der jüngerer Zeit? Das Babs verneint. Eine Ausschreibung nach WTO-Kriterien erfordere einen erheblichen Aufwand. «Als kurzfristige Reaktion auf die Terroranschläge in jüngerer Zeit wäre eine solche Ausschreibung allein aus zeitlichen Gründen gar nicht möglich gewesen», sagt Münger.

Setzt der Bund auf die falsche Technologie?

Dass der Bund für sein neues Alarmsystem auf eine App setzt, sieht Verivox-Telekomexperte Ralf Beyeler skeptisch: «Der Bund setzt auf eine Technologie, die im Krisenfall das Mobilfunknetz zu stark belastet. Folglich setzt der Bund auf die falsche Technologie.» Der Grund: Im Krisenfall ist die Netzbelastung sowieso schon viel höher als üblich, womit die Gefahr eines Ausfalls des Mobilfunknetzes steigt.

Als geeigneter betrachtet Beyeler darum eine Lösung per sogenanntem Cell Broadcast Service (CB). Dabei senden die Netzbetreiber im Auftrag des Bundes Nachrichten an alle Geräte, die an bestimmten Mobilfunkantennen eingeloggt sind. Ein solches System wird in Japan zur Erdbebenwarnung verwendet.

«Die Smartphone-Hersteller können ihre Geräte neu so ausrüsten, dass automatisch der richtige CB-Kanal aktiviert wird, sobald jemand das Gerät in der Schweiz installiert», so Beyeler. Beim Bund heisst es, der Versand von SMS- oder CB-Meldungen sei zurzeit kein prioritärer Auftrag und sei daher weder Gegenstand der aktuellen Ausschreibung noch konkret geplant.

Vorsorge-Massnahmen treffen

Basis fürs neue Warnsystem des Bundes ist die Alertswiss 1.0. Die von der Zürcher Firma Ubique Engineering entwickelte App ist seit 2015 in Betrieb und soll die Bevölkerung motivieren, vorsorgliche Massnahmen zu treffen, um beispielsweise bei Hochwasser die Schäden zu minimieren.

Gekostet hat das Tool den Bund exakt 148'304 Franken. Bis jetzt wurde die App 38'000-mal heruntergeladen. Mit der alertfähigen Version 2.0 plant der Bund sowohl den Nutzen als auch die Anzahl Downloads zu erhöhen.

Hohe Anforderungen an Hersteller

In Rahmen der WTO können sich auch ausländische Hersteller für den Auftrag des Bundes bewerben, wie das Babs bestätigt. An seinen Lieferanten stellt der Bund allerdings hohe Anforderungen: So müssen sich die am Projekt beteiligten Mitarbeiter u.a. einer Sicherheitsüberprüfung durch das VBS unterziehen. Dies zu bestehen ist laut Babs-Sprecher Kurt Münger auch für ausländische Anbieter möglich. Der Bund will den Auftrag im Frühjahr 2017 vergeben.

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