Nationalpark-Luchs flüchtet nach Italien
Aktualisiert

Nationalpark-Luchs flüchtet nach Italien

Der im Winter im Schweizerischen Nationalpark in die Kastenfalle gegangene Luchs stammt aus dem Tössstock. Unterdessen ist das besenderte Tier weit in die Italienischen Alpen abgewandert.

Wie der Schweizerische Nationalpark am Montag mitteilte, ergaben Gen-Proben den Herkunftsort des 24 Kilo schweren Männchens. Er ist ein Jungtier von «Nema» und «Turo», die weiterhin am Tössstock leben.

2006 wurde dort der im Februar im Nationalpark gefangene und besendert wieder freigesetzte Luchs geboren. Zwischen November 2006 und Februar 2007 konnte dieser Jungluchs zusammen mit einem Geschwister und der Mutter drei Mal mittels Fotofallen nachgewiesen werden.

Weite Wanderschaft

Im September 2007 wurde er im St. Galler Rheintal fotografiert, als er auf der für Jungtiere typischen Wanderschaft war. In den folgenden beiden Monaten entfernte er sich ungewöhnlich weit weg vom ständigen Luchsareal und erreichte das Engadin.

Den Winter verbrachte der Jungluchs im Nationalpark am gedeckten Tisch. Er riss Gemsen und Rothirsche. Mitte März setzte er seine Wanderung fort und gelangte über Bormio und Valfurva in die Val di Sole (Trentino) und zum Deutschnonsberg (Südtirol).

Nicht illegal ausgesetzt

Hierauf drang er bis zur Brentagruppe vor, an deren östlichem Abhang er sich gemäss Nationalparkangaben derzeit aufhält, mitten im Kernareal der dortigen Braunbärenpopulation. Damit hat sich der Luchs 200 Kilometer Luftlinie von seinem Geburtsort und 80 Kilometer vom Fangplatz im Park entfernt.

Die dokumentierte Wanderung des Jungluchses vom Tössstock bis tief in die Italienischen Ostalpen ist die ausgedehnteste, die bisher von einem Luchs im Alpenraum nachgezeichnet wurde. Das überraschende Auftreten des Luchses im Engadin führte zu Spekulationen über eine illegale Aussetzung. Die Analysen widerlegen dies nun.

(sda)

Deine Meinung