Länger schlafen – Nationalrätin fordert nach Pandemie-Erfahrungen späteren Schulstart
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Länger schlafenNationalrätin fordert nach Pandemie-Erfahrungen späteren Schulstart

Im Homeschooling hat sich gezeigt: Können Schüler länger schlafen, steigen Leistung und Lebensqualität. Daraus müssen Lehren für die Schule im Normalbetrieb gezogen werden, fordert Franziska Roth.

von
Thomas Obrecht
Christina Pirskanen
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Die erste Covid-Welle im Frühjahr 2020 führte zu landesweiten Schliessungen der Schulen – der Unterricht musste per Homeschooling weitergeführt werden. Eine neue Studie der Universität Zürich zeigt, dass Zürcher Gymnasiasten dank Fernunterricht durchschnittlich 75 Minuten länger schlafen konnten.

Die erste Covid-Welle im Frühjahr 2020 führte zu landesweiten Schliessungen der Schulen – der Unterricht musste per Homeschooling weitergeführt werden. Eine neue Studie der Universität Zürich zeigt, dass Zürcher Gymnasiasten dank Fernunterricht durchschnittlich 75 Minuten länger schlafen konnten.

AFP
«Gleichzeitig stieg ihre Lebensqualität signifikant und der Konsum von Alkohol sowie Koffein sank», sagt Co-Studienleiter Oskar Jenni, UZH-Professor für Entwicklungspädiatrie.  Die Befunde der Studie sprächen klar dafür, die morgendliche Schulstartzeit zu verschieben.

«Gleichzeitig stieg ihre Lebensqualität signifikant und der Konsum von Alkohol sowie Koffein sank», sagt Co-Studienleiter Oskar Jenni, UZH-Professor für Entwicklungspädiatrie. Die Befunde der Studie sprächen klar dafür, die morgendliche Schulstartzeit zu verschieben.

Tamedia
SP-Nationalrätin Franziska Roth fordert nun, dass diese Erkenntnisse aus Pandemiezeiten auch für die Zukunft mitgenommen werden. «Die Pandemie war für das Schulwesen sozusagen ein grosser flächendeckender Versuch», sagt sie.

SP-Nationalrätin Franziska Roth fordert nun, dass diese Erkenntnisse aus Pandemiezeiten auch für die Zukunft mitgenommen werden. «Die Pandemie war für das Schulwesen sozusagen ein grosser flächendeckender Versuch», sagt sie.

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Darum gehts

  • Aus einer Studie der Universität Zürich geht hervor, dass Zürcher Gymnasiasten während des Fernunterrichts im Lockdown vom späteren Aufstehen profitiert haben.

  • Durch den Wegfall des Schulwegs konnten sie durchschnittlich 75 Minuten länger schlafen – das wirkte sich positiv auf das gesundheitliche Wohlbefinden aus.

  • Für SP-Nationalrätin Franziska Roth ist klar: «Es ist dringend nötig, den Schulstart nach hinten zu verlegen.»

  • Etwas vorsichtiger mit der Forderung sind Dagmar Rösler vom Lehrerverband und Lucius Hartmann vom Verein der Schweizer Gymnasiallehrer und -lehrerinnen.

  • Sie befürchten eine Abnahme der Konzentration am Nachmittag oder aber die fehlende Zeit für Freizeitaktivitäten.

Seit der Pandemie hat sich der Alltag für Schüler und Schülerinnen massiv verändert: Die erste Covid-Welle im Frühjahr 2020 führte zu landesweiten Schliessungen der Schulen – der Unterricht musste per Homeschooling weitergeführt werden.

Mehrere Studien kamen zum Schluss, dass bei Jugendlichen während dieser Zeit depressive Symptome und Angstzustände zunahmen und die Lebenszufriedenheit, -qualität und körperliche Aktivität abnahm. Aber es gibt auch positive Aspekte des Fernunterrichts: Eine neue Studie der Universität Zürich (UZH) zeigt, dass Zürcher Gymnasiasten durch den Wegfall des Schulwegs länger schlafen konnten. Dadurch sei das gesundheitliche Wohlbefinden der Jugendlichen gestiegen.

Pandemie als flächendeckender Versuch

«Die Schülerinnen und Schüler schliefen während des Lockdowns rund 75 Minuten länger. Gleichzeitig stieg ihre Lebensqualität signifikant und der Konsum von Alkohol sowie Koffein sank», sagt Co-Studienleiter Oskar Jenni, UZH-Professor für Entwicklungspädiatrie. Frühe Schulanfangszeiten stünden im Konflikt mit den biologisch bedingten, verspäteten Schlafzeiten von jungen Menschen. Die Befunde der Studie würden klar dafür sprechen, die morgendliche Schulstartzeit zu verschieben, damit die Schüler und Schülerinnen länger schlafen könnten.

Dass dies nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine Notwendigkeit darstellt, findet SP-Nationalrätin, Lehrerin und Heilpädagogin Franziska Roth. Ihrer Ansicht nach müsse diese Chance jetzt gepackt werden, um wissenschaftlich fundierte Veränderungen im Schulwesen anzustreben: «Die Pandemie war für das Schulwesen sozusagen ein grosser flächendeckender Versuch, wobei es Schade wäre, würden daraus resultierende positive Effekte nicht für die Zukunft mitgenommen.»

«Vorbereitung auf die Arbeitswelt»

«Eine zeitliche Verschiebung des Schulstarts ist grundsätzlich prüfenswert. Fraglich ist jedoch, ob dadurch die Qualität des Unterrichts und die Vorbereitung auf die Arbeitswelt wirklich langfristig verbessert werden», sagt Dagmar Rösler, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrerverbands Schweiz. Teilweise seien auch die morgendlichen Lektionen die produktivsten und es zeige sich gerade bei Randlektionen nachmittags eine deutliche Konzentrationsabnahme.

Ein späterer Schulstart und die damit verbundene Verschiebung der Schulzeit in den späteren Nachmittag könnte diesen negativen Effekt eventuell weiter befördern, so Rösler. Weiter gehöre das Frühaufstehen zum späteren Arbeitsalltag dazu, weshalb dies auch zur Vorbereitung in der Berufswelt dazugehöre. «Ein Pilotversuch in einer Schule wäre aber ganz sicher spannend», sagt Rösler.

Teilnahme an Freizeitaktivitäten möglicherweise gefährdet

Auch Lucius Hartmann, Präsident des Vereins Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und -lehrer, steht der Verschiebung der Unterrichtsstunden in den Nachmittag kritisch gegenüber: «Den Schulen liegt die gesellschaftliche Integration der Schüler am Herzen. Durch ausgedehnte Unterrichtszeiten am Nachmittag ist die aktuelle Teilnahme an Freizeitaktivitäten gefährdet.» Sollte ein entsprechendes Vorhaben umgesetzt werden, verlange dies ein gesamtgesellschaftliches Umdenken, so Hartmann.

Im Grundsatz sind sich aber beide einig: Eine entsprechende Anpassung ist denkbar, lässt dies das schulische Umfeld zu und liegt entsprechende wissenschaftliche Abstützung vor.

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