Aktualisiert 01.10.2010 05:22

Cybermobbing

Nationalrätin fordert Sonderbeauftragten

CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer fordert einen eidgenössischen Mobbing- und Cyberbullying-Beauftragten: «Wir müssen handeln, bevor es zum ersten Selbstmord kommt.»

von
Désirée Pomper

Cyberbullying gerät weltweit immer mehr ausser Kontrolle. Die digitalen Gewalttaten, verübt zwischen Pausenplatz und Internet, fordern regelmässig Todesopfer: Erst diese Woche stürzte sich ein 18-jähriger Student im US-Staat New Jersey von einer Brücke, nachdem Kommilitonen ihn beim Sex mit einem Mann gefilmt und die Aufnahmen ins Netz gestellt hatten.

Doch auch in der Schweiz kam es allein in diesem Monat zu mindestens drei schockierenden Cybermobbingfällen (siehe Box). Sie ereigneten sich laut CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer allesamt in der Deutschschweiz. «Es dürfte in jeder Schulklasse mindestens ein Kind geben, das von schwerem Cybermobbing betroffen ist», so Schmid-Federer.

Mit dramatischen Konsequenzen für die soziale und schulische Entwicklung. «Der Bund muss handeln, bevor es zum ersten Suizidfall wegen Cybermobbing in der Schweiz kommt», sagt Schmid-Federer. Deshalb verlangt sie vom Bundesrat in einer heute eingereichten Motion, einen eidgenössischen Mobbing- und Cyberbullying-Beauftragten einzusetzen.

«Es braucht dringend eine nationale Stelle, die Cybermobbing effizient bekämpft», so Schmid-Federer. Deren Aufgabe wäre es, aufgrund einer koordinierten Datenerhebung eine wirksame Strategie zu entwickeln. Dies könne etwa die Gründung einer Ombudsstelle sein oder effektivere Präventionsprogramme an Schulen: «So wie die Zahnputzfrau braucht es einen Internetaufklärer, der die Schüler über die Gefahren im Internet aufklärt.»

In Pornopose im Netzwerk

Kollegen hackten das Netzwerkprofil einer 14-Jährigen. Sie schnitten den Kopf auf ihrem Profilfoto aus und ersetzten diesen durch das Gesicht einer Pornodarstellerin, auf welches ein Mann ejakuliert. Unter Hobbys fügten die Hacker «Ich bin sexgeil» ein. Nichts ahnend ging die Jugendliche am nächsten Tag in die Schule, wo sie als Schlampe betitelt wurde. Niemand glaubte ihr, dass ihr Profil gehackt wurde. Das Mädchen befindet sich in psychologischer Betreuung.

Sexvideo ins Internet gestellt

Nachdem sich ein 14-jähriges Mädchen diesen Monat von ihrem Freund getrennt hatte, stellte dieser ein Sexvideo, das die beiden zeigt, ins Internet. Nichts ahnend ging sie am nächsten Tag zur Schule. Die Mitschüler riefen ihr «Schlampe» nach. Nachdem das ganze Dorf, vom Bäcker bis zur Kioskfrau, das Video gesehen hatte, wurde der Druck zu gross. Die Schülerin, die sich in psychologischer Behandlung befindet, muss mit ihrer Familie wegziehen.

In der Garderobe nackt gefilmt

Ein 12-Jähriger besuchte vor wenigen Wochen ein Schwimmbad. Als er sich in der Garderobe umzog, filmten Jugendliche seine Genitalien. Das Video wurde auf einem sozialen Netzwerk hochgeladen und mit Sprüchen wie «Ich bin schwul und scharf auf meinen Lehrer» versehen. Der Bub hat ­inzwischen die Schule gewechselt. Er befindet sich in psychologischer Behandlung.

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