Afghanistan: NATO erobert Opium-Land

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Internationale Truppen, unterstützt von der afghanischen Armee, haben am dritten Tag der Grossoffensive militärische Erfolge vermeldet. Nachdem auch mehrere Zivilisten umgekommen sind, sollen die Massnahmen zu deren Schutz verstärkt werden.

Die Bezirke Mardscha und Nad Ali in der unruhigen Provinz Helmand würden fast ganz von den gemischten Truppenverbänden kontrolliert, sagte der afghanische General Aminullah Patiani am Montag. Die radikal-islamischen Taliban hätten die Gegend um Mardscha und Nad Ali geräumt, sagte Patiani, der auf afghanischer Seite den Einsatz der einheimischen und internationalen Truppen führt. Es gebe jedoch weiterhin die Gefahr von versteckten Sprengsätzen.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, General Mohammmed Sahir Asimi, sagte, afghanische Truppen hätten Mardscha unter Kontrolle. Es gebe «sporadische Feuergefechte». Der Einsatz stehe kurz vor dem Abschluss.

In einigen Dörfern um die Stadt Mardscha stünden die Truppen allerdings unter Beschuss, sagte der Sprecher der US-Marineinfanteristen Abe Sipe. Insgesamt seien die Soldaten auf wenig Gegenwehr gestossen, in einigen Orten versuchten die Taliban jedoch, ihre Stellungen zu halten.

Weiterer ausländischer Soldat umgekommen

Rund 15 000 Soldaten sind an dem in der Nacht zum Samstag begonnenen Einsatz «Muschtarak» (Gemeinsam) in der Provinz Helmand beteiligt, darunter 4400 afghanische Soldaten. Ziel der grössten Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor gut acht Jahren ist es, die Rebellen aus der Region Mardscha, einem der grössten Opium-Anbaugebiete der Welt, zu vertreiben.

Die NATO-Truppe ISAF teilte am Montag mit, ein weiterer ausländischer Soldat sei in Südafghanistan ums Leben gekommen - ohne jedoch auszuführen, ob dieser im Rahmen der Offensive starb. Auch die Nationalität wurde nicht mitgeteilt. Bisher kamen mindestens zwei NATO-Soldaten bei dem Grosseinsatz ums Leben, ein Brite und ein US-Soldat.

Zweite Phase in Vorbereitung

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums verlief die erste Phase der Offensive «planmässig». Die nächste Etappe, in der sich die Einheiten vor Ort festsetzten und Infrastruktur wie Stützpunkte und Brücken errichteten, habe begonnen. Auch der nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, James Jones, sagte, die Offensive gegen die Taliban komme «gut» voran.

Der Erfolg des Einsatzes sei erst in einem Jahr abzuschätzen, sagte der britische Generalstabschef, Jock Stirrup, dem Sender BBC. Die Soldaten bräuchten Zeit, um die Einheimischen davon zu überzeugen, die Regierung in Kabul zu akzeptieren.

Zivilisten unter den Opfern - Drohnenangriff

Der britische Generalstabschef, Jock Stirrup wertete den Tod mehrerer Zivilisten bei einem fehlgeschlagenen Raketenangriff als ein «sehr schwerer Rückschlag» für die internationalen Truppen. Das afghanische Innenministerium gab die Zahl der Zivilisten, die bei dem Vorfall in Nad Ali getötet worden waren, am Montag mit neun an. Am Sonntag war zunächst die Rede von zwölf getöteten Zivilisten gewesen. Bei drei Todesopfern soll es sich aber um Taliban-Kämpfer handeln.

Die Internationale Schutztruppe ISAF tötete am Montag erneut versehentlich Zivilisten. Die NATO-geführte ISAF teilte mit, bei einem Luftangriff in der Provinz Kandahar seien fünf Zivilisten getötet und zwei weitere verletzt worden. Das Bombardement sei nicht Teil der Operation «Muschtarak» in der benachbarten Provinz Helmand gewesen.

Unbeteiligte besser schützen

Nach dem Tod von Zivilisten wollen Regierung und Militärs Unbeteiligte besser schützen. Der afghanische Innenminister Mohammad Hanif Atmar kündigte am Montag an, man werde auf den Einsatz von schwerer Artillerie verzichten. Ausserdem wolle die Regierung einen Radiosender im Kampfgebiet installieren, um Zivilisten besser zu informieren.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sprach den Familien der zivilen Todesopfern sein Beileid aus. Rasmussen sei über die Todesfälle «sehr betrübt», sagte NATO-Sprecherin Carmen Romero am Montag in Brüssel. Die NATO wolle «weiterhin alles tun, um das Risiko für die Zivilbevölkerung zu minimieren». (sda)

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