NATO-geführte Truppe übernimmt Kontrolle in Afghanistans Süden
Aktualisiert

NATO-geführte Truppe übernimmt Kontrolle in Afghanistans Süden

Trotz der anhaltenden Gewalt hat die NATO am Montag das Kommando über den unruhigen Süden Afghanistans übernommen. NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sprach von einem «historischen Tag» für das Bündnis.

«Das ist eine der grössten Herausforderungen, die die NATO jemals übernommen hat», sagt er. Die Übernahmezeremonie fand am Montag in einem Stützpunkt in Kandahar statt.

Der britische Kommandant des NATO-Kontingents, Generalleutnant David Richards, erklärte: «Die NATO ist hier für lange Zeit, so lange wie die Regierung und das Volk von Afghanistan auf unsere Hilfe angewiesen sind.»

Taliban-Sprecher Kari Mohammad Jousif Achmadi sagte dagegen, die NATO begehe mit der Ausweitung der ISAF in den Süden einen «grossen Fehler». Der Wechsel des Kommandos von den Koalitionstruppen zur ISAF «wird unseren Krieg in der Region nicht verändern». Achmadi wertete die Übergabe der Verantwortung als Rückzug der Amerikaner.

Taliban drohen

Taliban-Kommandant Mullah Dadullah drohte mit Angriffen auf die NATO. «Hunderte unserer Selbstmordbomber warten auf die NATO- Soldaten», sagte Dadullah der Nachrichtenagentur Reuters über Satelliten-Telefon an einen unbekannten Ort in Afghanistan. Der Kampf werde bis zum Rückzug der ausländischen Truppen weiter gehen.

Die vornehmlich aus Grossbritannien, Kanada und den Niederlanden kommenden mehr als 8000 Nato-Soldaten hatten in den vergangenen Monaten bereits Stellungen im Süden eingenommen. Sie waren bereits in heftige Kämpfe gegen die Taliban und - vereinzelt - mit ihnen verbündeten Drogenbanden verwickelt.

Seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban vor mehr als viereinhalb Jahren hatten die von den USA befehligten Koalitionstruppen die Verantwortung für Südafghanistan.

Die mit einem UNO-Mandat ausgestattete Internationale Sicherheitstruppe in Afghanistan (ISAF) operierte bislang nur im Norden, im Westen und in der Hauptstadt Kabul. Bis Jahresende will die ISAF auch das Kommando im unruhigen Osten Afghanistans übernehmen und damit dann im ganzen Land präsent sein.

Operation «Mountain Thrust» beendet

Mit der Kommandoübernahme durch die ISAF endete zugleich die Operation «Mountain Thrust» (»Vorstoss in die Berge») der US- geführten Truppen im Süden.

Seit Mitte Mai waren mehr als 10 000 Soldaten gegen die Taliban eingesetzt worden. Mehr als 900 Menschen starben seitdem bei Kämpfen und Anschlägen, darunter hunderte Rebellen, aber auch mehr als 35 ausländische Soldaten.

Am Montag wurden in Dschalalabad bei einem Bombenanschlag auf den Gouverneur der ostafghanischen Provinz Nangarhar 5 Polizisten und 3 Zivilisten getötet. 16 Menschen seien verletzt worden, sagte der zuständige Polizeichef. Gouverneur Gul Agha Schirsai blieb unverletzt. (sda)

Die ISAF:

MANDAT

Die Isaf soll die afghanische Regierung beim Wiederaufbau des Landes und der Einführung rechtsstaatlicher Verhältnisse unterstützen. Sie patrouilliert im Land, leitet Wiederaufbauprojekte, bildet Armee sowie Polizei aus und betreibt den internationalen Flughafen von Kabul.

Die Nato-Truppe beteiligt sich zwar nicht an der Verfolgung von Taliban- und El-Kaida-Kämpfern, die Ausweitung ihres Mandats kann aber dazu führen, dass sie ihre Waffen zur Verhinderung von Angriffen einsetzt.

Struktur

Die Isaf ist bereits in Kabul sowie im Norden und Westen Afghanistans eingesetzt. Nach der Ausweitung auf den Süden gehören ihr 18 000 Soldaten aus 37 Nationen an. Darunter sind auch Nicht- Nato-Länder wie Albanien oder Neuseeland. Die grössten Kontingente stellen:

GROSSBRITANNIEN: 5500 Soldaten, davon 4500 in der südafghanischen Provinz Helmand und 1000 im Isaf-Hauptquartier in Kabul. Der Haupteinsatz soll drei Jahre dauern.

KANADA: 2300 Soldaten, die in der Provinz Kandahar konzentriert sind. Das Land wechselt sich im Süden mit Grossbritannien und den Niederlanden im Kommando ab.

NIEDERLANDE: 1400 Soldaten in der benachbarten Provinz Urusgan. Die Truppe wird um 200 Mann aufgestockt, wenn sie das Kommando im regionalen Hauptquartier in Kandahar übernimmt. Kleinere niederländische Verbände operieren im Norden und in Kabul. Der Einsatz soll zwei Jahre dauern.

DEUTSCHLAND: Kommandiert den Einsatz im Norden mit 2800 Soldaten, die in Masar-i-Scharif, Faisabad und Kundus eingesetzt sind. Die Bundeswehr ist auch in Kabul präsent.

ITALIEN: 1300 Soldaten. Führt die Isaf im Westen mit einem Stützpunkt in Herat.

SPANIEN: Bis zu 700 Soldaten in Herat und Kala-i-Naw. Das Ende des Einsatzes ist nicht festgelegt.

FRANKREICH: Weniger als 1000 Soldaten um Kabul und anderen Orten. Kein Einsatzende bestimmt.

USA: Bis zu 2000 Isaf-Soldaten, die im westafghanischen Fahra, am Flughafen Kandahar und in der südafghanischen Provinz Sabul eingesetzt sind.

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