Aktualisiert 20.10.2011 16:45

Kosovo-KonfliktNATO geht gegen serbische Blockade vor

Im Norden des Kosovos kämpften NATO-Truppen gegen Strassensperren der Serben. Es kam zu einem Gerangel und lautstarken Auseinandersetzungen.

Im Norden des Kosovo kam es erneut zu Zusammenstössen zwischen NATO-Truppen und Serben.

Im Norden des Kosovo kam es erneut zu Zusammenstössen zwischen NATO-Truppen und Serben.

Die NATO-Soldaten rückten in Schutzanzügen und mit Pfefferspray gegen Hunderte von Serben vor, die mit Lastwagen, Felsbrocken und Baumstämmen eine Strasse etwa zehn Kilometer nordwestlich der geteilten Stadt Mitrovica blockiert hatten. Die Serben antworteten mit einer Sitzblockade.

Ein Sprecher der von der NATO geführten 5000 Soldaten starken Kosovo-Friedensmission sagte, ein Teil der Barrikade sei geräumt, die Auseinandersetzungen dauerten aber noch an. Die Serben versuchten, die Barrikaden zu verstärken, während serbische Führer ihre Leute aufriefen, friedlich zu bleiben. Die serbische Beamtin Slavisa Ristic sagte, die Serben würden wenn nötig einen Monat lang auf den Barrikaden bleiben. «Wir werden nicht gehen, bevor sie abgezogen sind», sagte sie.

Keinen Kommentar zu Verletzten

NATO-Sprecher Frank Martins sagte, die Friedenstruppe übe zusammen mit EU-Polizei die «volle Kontrolle» über die Region aus. Sie sei in der Lage, die Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Die Meldung, dass acht Soldaten verletzt worden seien, kommentierte er nicht.

Mit ihren Sperren und Sitzblockaden wollen die Serben verhindern, dass die albanisch-dominierte Regierung ihre Kontrolle auf überwiegend von Serben bewohnte Gebiete ausdehnt. Im Juli hatten die albanischen Behörden zwei Grenzstationen besetzt, um eine Handelsblockade gegen Serbien durchzusetzen. Die Folge waren wütende Proteste und Blockaden der örtlichen Serben.

Kosovo-Serben und NATO werden sich nicht einig

Bei einem Treffen am Mittwoch hatten die Führer der Kosovo-Serben die Forderung der NATO nach voller Bewegungsfreiheit erneut abgelehnt. Die Sperren würden nur für Friedenstruppen und humanitäre Hilfe geöffnet. Sie baten um Hilfe Serbiens. Dessen Präsident Boris Tadic forderte Zurückhaltung von beiden Seiten. Er mutmasste, dass die örtlichen Führer von Nationalisten aus Belgrad beeinflusst seien. Tadic warnte die Serben, «nicht um jeden Preis Gewalt anzuwenden, da dies zu einer Katastrophe führen würde».

Die NATO hatte Serbiens Truppen 1999 aus dem Kosovo vertrieben, nachdem diese brutal gegen albanische Separatisten vorgegangen waren. 2008 erklärte sich der Kosovo für unabhängig, was die Serben aber nicht anerkennen.

(dapd)

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