Operation «Mushtarak»: NATO-Offensive läuft nicht so wie sie soll

Aktualisiert

Operation «Mushtarak»NATO-Offensive läuft nicht so wie sie soll

Zwei Tage nach dem Beginn ihrer Grossoffensive im Süden Afghanistans haben internationale und afghanische Truppen nach eigenen Angaben den Grossteil der umkämpften Region unter ihre Kontrolle gebracht. Der militärische Erfolg hat seinen Preis: Die Zahl der getöteten ausländischen Soldaten erhöhte sich auf mindestens sieben.

US-Marines tragen einen verwundeten Kameraden zu einem wartenden Helikopter in der der Stadt Mardscha.

US-Marines tragen einen verwundeten Kameraden zu einem wartenden Helikopter in der der Stadt Mardscha.

Die NATO-Truppe ISAF teilte am Montag mit, ein weiterer ausländischer Soldat sei in Südafghanistan ums Leben gekommen - ohne jedoch auszuführen, ob dieser im Rahmen der Offensive starb. Auch die Nationalität wurde nicht mitgeteilt.

Zuvor hatte die NATO den Tod von sechs ausländischen Soldaten in Südafghanistan seit Beginn der Offensive mitgeteilt - vier US- Soldaten und zwei Briten. Auf afghanischer Seite kamen mindestens 27 Menschen ums Leben, darunter mindestens 12 Zivilisten bei einem irrtümlichen Raketenbeschuss ihres Hauses.

Umkämpfte Bezirke nahezu unter Kontrolle

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums verlief die erste Phase der Offensive «planmässig». Die nächste Etappe, in der sich die Einheiten vor Ort festsetzten und Infrastruktur wie Stützpunkte und Brücken errichteten, habe bereits begonnen. Auch der afghanische General Aminullah Patiani malte am Montag vor Journalisten ein positives Bild: Die Bezirke Mardscha und Nad Ali in der Unruheprovinz Helmand würden nahezu gänzlich von Soldaten kontrolliert, die radikalislamischen Taliban hätten die Gegend verlassen.

Demgegenüber berichtete die «Washington Post», die starke Gegenwehr der Taliban habe die US-Marine-Infanteristen zu sehr vorsichtigem Vorrücken gezwungen. Manchmal habe es Stunden gedauert, um einige hundert Meter weiter zu kommen.

Die «New York Times» schrieb von heftigen Kämpfen am Sonntag in der Gegend um Mardscha. Es stiessen immer mehr Truppen in die Stadt vor. Die Suche nach Aufständischen und Waffenverstecken sei verstärkt worden. Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmad erklärte, die Koalitionstruppen hätten keine Gebiete in der Region Mardscha von den Aufständischen eingenommen.

Offensive könnte länger dauern

US-Brigadegeneral Lawrence (Larry) Nicholson räumte gegenüber dem US-Fernsehsender CBS am Sonntag ein, die Operation könne möglicherweise noch 30 Tage dauern. Es werde zwar eine sehr lange und mühsame Aufgabe sein, aber er sei «sehr optimistisch», sagte Nicholson.

Ein britischer Major berichtete von der Front, dass «die harte Arbeit noch zu tun ist». Der Bevölkerung müsse auch bewiesen werden, dass die Soldaten ihnen die nötige Sicherheit bringen könnten.

An dem Einsatz «Muschtarak» (Gemeinsam) in der Unruheprovinz Helmand sind rund 15 000 Soldaten beteiligt, darunter 4400 afghanische Soldaten.

Ziel der grössten Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor neun Jahren ist es, die Aufständischen aus der Region Mardscha, einem der grössten Opium-Anbaugebiete der Welt, zu vertreiben.

Der Bezirk stand jahrelang unter der Kontrolle von Taliban und Drogenhändlern, die dort gemeinsame Sache machten. Opium gehört zu den Haupteinnahmequellen der Aufständischen.

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